Django Unchained

Jamie Foxx: «Es gibt Stellen, wo Schwarze nicht lachen»

Kopfgeldjäger King Schultz (C. Waltz) macht sich die Schusswaffen-Talente von Django (Jamie Foxx) zunutze. HO

Kopfgeldjäger King Schultz (C. Waltz) macht sich die Schusswaffen-Talente von Django (Jamie Foxx) zunutze. HO

Der Oscar-Preisträger Jamie Foxx nimmt im Interview Stellung zu den Kontroversen um den neuen Tarantino-Film «Django Unchained» und zu Rassismus.

«Django Unchained» ist eine Spaghetti-Western-Parodie, die in der Zeit während der Sklaverei in den Südstaaten angesiedelt ist. In den USA wird debattiert, ob der Film rassistisch sei. Fanden Sie das Drehbuch kontrovers?

Jamie Foxx: Nein, bei Tarantino erwartet man Debatten. Und ich lobe mir seinen Mut. Dass das Wort «Nigger» vorkommt? So sprach man damals halt. Was mich mehr interessierte, war die Liebesgeschichte zwischen Django und Broomhilda. Was viele vielleicht nicht wissen: Liebe wurde bei den Sklaven unterbunden. Die Existenz vieler Schwarzer geht auf aufgezwungene Paarung zurück. Man nahm den kräftigsten Sklaven im Dorf und paarte ihn mit der belastbarsten Sklavin, damit es stärkere Kinder gab.

Sehen Weisse den Film anders als Schwarze?

Es gibt sicher Stellen, wo Weisse lachen und Schwarze nicht. Man soll sich auch nicht gut fühlen, wenn man das Wort «Nigger» hört. Quentin und wir Schauspieler wollen das Publikum bewegen – über den Holocaust gibts alle paar Jahre wieder einen Film. Über die Sklaverei gibts kaum welche. Aber wenn man diese harten Momente sieht, schätzt man erst richtig, wie weit wir in der Evolution der Freiheit gekommen sind: Wir haben heute einen fähigen schwarzen Präsidenten.

Quelle: youtube/KinoCheck

Trailer zum Film Django Unchained

Wie war Ihre Beziehung zum Österreicher Christoph Waltz, für den die Geschichte der amerikanischen Sklaverei vielleicht eher fremd war?

Ich bin in Texas aufgewachsen und konnte ihm da ein paar Geschichten über Rassismus erzählen, die er kaum fassen konnte. Ich wollte auch nicht, dass er das versteht, denn so reagierte er anders bei brutalen Szenen, die mir oder Leonardo Di Caprio geläufiger waren.

Was haben Sie denn erlebt?

Damit wir uns richtig verstehen: Ich liebe den Süden, und ich bin auch nicht der Rachetyp. Wenn mich jemand ärgert, kann ich am nächsten Tag wieder Basketball mit ihm spielen. Ich bin nicht nachtragend. Ich will einfach die Chance haben, erfolgreich zu werden oder zu scheitern und dabei nicht nach meiner Hautfarbe bewertet zu werden.

Inwiefern ist Hautfarbe heute immer noch ein Thema?

Meine Schwester ist sehr dunkelhäutig und hatte immer Probleme mit Hellhäutigen. Das kommt von 500 Jahren Separieren der Schwarzen. Die von den Plantagen-Besitzern gezeugten Kinder wurden zu Haussklaven und bekamen Kuchen zu essen, die dunkleren blieben auf dem Feld und bekamen schlechtere Nahrung. Das geht auf die Lehre von Willie Lynch zurück, Schwarze zu kontrollieren, indem man sie gegeneinander ausspielt. Oprah Winfrey machte 2012 einen Test: Sie fragte Leute, was sie für einen Eindruck von Gesichtern hatten – die hellhäutigeren hielt man für Geschäftsleute und die dunkleren für Kriminelle.

Ihre Grosseltern haben Sie adoptiert, weil Ihre Mutter nicht für Sie sorgen konnte. Und nun sorgen Sie für Ihre Schwester?

Ja, ich bin umgeben von Frauen. Meine Mutter, meine zwei Schwestern und meine zwei Töchter leben mit mir. Meine Schwester ist aus dem Ghetto und schleppt immer komische Kerle an. Ich mache Background-Checks und sagte einmal einem, er solle sich einen Schutzhelm beschaffen, denn falls etwas passiere, bekäme er es mit mir zu tun. Frauen muss man verteidigen.

Wie ritterlich. Steckt in Ihnen auch ein Cowboy?

Ja, ich habe seit sechs Jahren ein Pferd und fragte Quentin, ob ich im Film nicht mein eigenes reiten könnte. Cheetah bockte am Anfang wegen der grossen Reflektoren-Leinwände, aber sie lernte, was sie lernen musste.

Die Award-Saison hat begonnen. Wie erinnern Sie sich an die Zeit, als Sie mit «Ray» alle Preise absahnten?

Ich bin wie ein Wilder herumgerannt und habe die Handynummern von Promis gesammelt. Ich hatte etwa die Nummern von Warren Beatty und Clint Eastwood. Angerufen habe ich aber niemanden. Ich wollte niemanden belästigen ...

Sind Sie immer so schüchtern?

Oh nein, vor Jahren war ich in einem Club und wollte mich an Charlize Theron ranmachen. Ich hatte noch nichts Schlaues vorzuweisen und mein Kumpel meinte, ich müsste zuerst eine goldene Statuette gewinnen, bevor ich sie ansprechen dürfe. Während er laberte, verliess sie den Club. Jahre später an den Golden Globes fragte ich sie nach ihrer Handynummer, denn es sah so aus, als ob ich eine goldene Statuette gewinnen würde. Und bei den Oscars war es gar Charlize, die mir die Statuette überreichte. Verrückt, wie das Leben manchmal so spielt!

Jetzt spielen Sie gerade den US-Präsidenten in Roland Emmerichs «White House Down». War das einfacher als der Sklave Django?

Ja, in gewisser Weise schon. Ich werde lieber «Mr. President» genannt als «Nigger». Aber diese Abwechslung ist ja auch das Tolle an meinem Beruf. Die Erinnerung an Django bleibt natürlich in mir – auch, wenn ich eine Rede über den Weltfrieden halten muss. Und so geht sie weiter, die Evolution der Freiheit.

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