Künstliche Intelligenz

Ist dieser Supercomputer cleverer als die Menschheit?

«Jeopardy»-Moderator Alex Trebek mit den Kandidaten Ken Jennings, «Watson» und Brad Rutter.

«Jeopardy»-Moderator Alex Trebek mit den Kandidaten Ken Jennings, «Watson» und Brad Rutter.

Seit dem vergangen Montag kämpfen in den USA die beiden besten menschlichen Spieler gegen den Supercomputer «Watson» um den Sieg in der bekannten Quiz-Show «Jeopardy». Nach zwei von drei Runden liegt die Maschine klar vorne.

In den USA findet derzeit ein bemerkenswertes Duell statt. Es geht, so formuliert es zumindest das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», um «die geistige Vorherrschaft» auf dem Planeten Erde.

Auf der einen Seite stehen Ken Jennings und Brad Rutter, beides herausragende Kandidaten der US-Quiz-Show «Jeopardy», die, vor etlichen Jahren, auch im deutschsprachigen Fernsehen zu sehen war, moderiert von «Wetten, dass…?»-Erfinder Frank Elstner. 

Jennings hat in der TV-Sendung 74 Folgen in Serie gewonnen, Rutter sich in dem Quiz insgesamt über 3 Millionen Dollar erspielt.

80 Billionen Berechnungen pro Sekunde

Der Gegner auf der anderen Seite ist «Watson». Ein nach dem langjährigen IBM-Vorstand und Unternehmer Thomas J. Watson Sr. benannter Supercomputer mit respekteinflössenden technischen Daten: Dank der Hilfe von 90 3,5-Gigahertz-Prozessoren schafft «Watson» 80 Billionen Berechnungen pro Sekunde. Ausgestattet ist er mit rund 16 Terabyte Arbeitsspeicher.

Es ist ein Kampf Mensch gegen Maschine - und die Frage lautet: Kann ein Computer intelligenter sein als zwei Menschen?

IBM, «Watson» und die «Jeopardy»-Herausforderung

IBM, «Watson» und die «Jeopardy-Herausforderung

Das «Jeopardy»-Match erinnert an die Schachpartie zwischen «Watsons» Vorgänger «Deep Blue» und Weltmeister Garri Kasparow, welche die Maschine für sich entschied.

Doch diesmal, so glauben Beobachter, geht es eben um viel mehr. «Jeopardy» ist kein strategisches Brettspiel, wo sich die Züge mathematisch-logisch vorausberechnen lassen. «Jeopardy» verlangt nach einem gewissen Mass an Sprachverständnis und nach der Fähigkeit, «um die Ecke zu denken».

Fragen zu den Antworten formulieren

In der Quizshow werden die Kandidaten jeweils mit einer Antwort konfrontiert, zu der sie die korrekte Frage formulieren müssen. Beispielsweise sagt der Moderator: «Der grösste Flughafen dieser Stadt ist nach einem Helden des zweiten Weltkriegs und der zweitgrösste Flughafen der Stadt ist nach einer Schlacht im zweiten Weltkrieg benannt.»

Die korrekte Frage dazu lautet: «Was ist Chicago?». In der US-Metropole steht der nach einem Piloten benannte O'Hare International Airport und der Flughafen Midway, dessen Name an ein Pazifikatoll erinnert, um das 1942 die US-Amerikaner und die Japaner kämpften.

«Watson» fragte am vergangenen Dienstagabend, im «Jeopardy»-Match gegen Rutter und Jennings, jedoch: «Was ist Toronto?»

Ein Schulkind hätte die Aufgabe lösen können

Der Supercomputer scheiterte damit ausgerechnet an einer Aufgabe, die jedes einigermassen aufgeweckte US-Schulkind hätte lösen können. Obwohl er, wie eine Art Über-Google, auf gewaltige Textmassen ins seinem Speicher zurückgreifen und diese analysieren kann: Zeitungen, Romane, Lexika - rund 200 Millionen Seiten.

Doch trotz dieser Schlappe liegt «Watson» nach zwei von drei Folgen deutlich vorne: 30'734 Dollar hat der IBM-Rechner bislang erspielt; Rutter 10'400 und Schlusslicht Jennings 4'800.

Vieles deutet also darauf hin, dass die Maschine den Kampf gegen die Menschheit, der in der Nacht auf Donnerstag in die letzte Runde geht und im US-Fernsehen live übertragen wird, für sich entscheidet.

Endet die menschliche Ära?

In den USA hyperventilieren die empörten Warner vor der Übermacht der Computer bereits. «Binnen 30 Jahren werden wir die Möglichkeiten haben, übermenschliche Intelligenz zu erzeugen. Wenig später wird die menschliche Ära enden», sagte der Mathematiker, Informatiker und Science-Fiction-Autor Vernor Vinge dem Magazin «Time».

IBM-Chefkonstrukteur David Ferruci, der mit eine 25-köpfigen Team vier Jahre lang am Supercomputer gebastelt hat, hütet sich hingen davor, im Zusammenhang mit «Watson» auch nur von «menschenähnlicher Intelligenz» zu sprechen. (bau)

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