Er war die Sensation am Sundance Filmfestival, das im Januar im amerikanischen Salt Lake City über die Bühne ging: der Horrorstreifen „Escape from Tomorrow“ von Filmemacher Randy Moore.

Doch es ist nicht die Geschichte eines Vaters, der seine Entlassung vor Frau und Kindern verheimlicht und beim gemeinsamen Besuch eines Vergnügungsparks von Horrorvisionen heimgesucht wird, welche die Filmfans fasziniert. Denn die User der Online-Filmdatenbank bewerteten den Film mit gerade einmal 5,3 von 10 Punkten.

Viel mehr sind es die Hintergründe zur Entstehung des 90-minütigen Gruselwerks. Denn als Kulisse für seinen Debütfilm dienten Moore keine Szenenbilder im Studio, sondern die Karusselle, Achterbahnen und Traumlandschaften in den Vergnügungsparks des Medienkonzerns Disney in Kalifornien und Florida.

Heimlich und ohne Genehmigung des Milliarden-Unternehmens drehte Moores Filmteam zehn Tage in Folge an den Orten, wo sich Familien an der Fantasiewelt erfreuen und Kinderherzen höher schlagen.

Doch die Bilder, welche die Filmemacher mit unauffälligen Digitalkameras aufzeichneten und digital nachbearbeiteten, passen alles andere als zur Disney-Traumwelt: blutüberströmte Leichen, schaurige Kreaturen und Märchen-Prinzessinnen, die sich für asiatische Kunden prostituieren.

(Quelle: Youtube / moviepilotIndie)

Trailer zu «Escape from Tomorrow»

Die Traumfabrik bleibt still

Auch das Filmplakat von „Escape from Tomorrow“ ist provakant und zeigt eine blutüberströmte Mickey-Maus-Hand. Als der Film im Oktober letzten Jahres in den amerikanischen Kinos anlief, war für Filmkritiker klar, dass der Streifen bald juristisch aus dem Verkehr gezogen wird. Doch der Disneykonzern, der sonst kaum einen Urheberrechtsstreit scheut, bleibt still.

Auch Filmemacher Moore, der sich nach Veröffentlichung des Films früh auf einen Rechtsstreit eingestellt hatte, ist überrascht über die Gelassenheit von Disney.

Vermutlich wären rechtliche Schritte gegen Moore seitens des Disney-Konzerns sowieso von wenig Erfolg geprägt. Denn einerseits sieht die USA in ihrem Urheberrechtssystem eine Klausel namens „Fair Use“ vor, welche die nicht autorisierte Nutzung von geschütztem Material erlaubt, sofern sie der Anregung geistiger Produktionen dient.

Andererseits hätte ein juristischer Feldzug dem Film womöglich eine weitaus grössere Aufmerksam beschert, weshalb Disney den aktuellen Hype wohl lieber ignoriert, als ihn zusätzlich anzufeuern.

(Quelle: Youtube / vice)

'Escape from Tomorrow' - Behind the Scenes