Kinofilm

Hollywoods Jagd auf Bin Laden – dank Pentagon-Geheimnissen

Ausschnitt aus dem Film Zero Dark Thirty

Ausschnitt aus dem Film Zero Dark Thirty

Hart an der Schmerzgrenze und extrem unterkühlt:Kathryn Bigelows Film «Zero Dark Thirty» zeigt, wie zäh die Jagd nach Bin Laden war. Das Pentagon hat Hollywood dafür exklusiv Militärgeheimnisse verraten.

In den USA gibt «Zero Dark Thirty» zu reden. Pikant: Während das Weisse Haus die Details der waghalsigen Militäroperation zur Ergreifung von Osama Bin Laden am 1./2. Mai 2011 offiziell verschweigt, erhielt Hollywood von der Obama-Regierung privilegierte, geheime Informationen. Inzwischen freiprozessierte Regierungsakten dokumentieren exklusive Treffen der Filmemacher mit hochrangigen CIA- und Pentagon-Vertretern.

Seit der Oscar-Favorit in den USA angelaufen ist, distanzieren sich amerikanische Politiker und Regierungsbeamte vom Film, besonders von den Folterszenen. Dianne Feinstein, Carl Levin und John McCain äusserten ihre «tiefe Enttäuschung über den Film». Der Kinofilm sei fehlerhaft und grob irreführend. Nicht der Einsatz von Folter habe die Obama-Regierung zu Bin Laden geführt, betonen die Senatoren. Selbst CIA-Chef Michael Morell sah sich zu einer Stellungnahme genötigt: Die Filmemacher hätten sich grosse künstlerische Freiheiten erlaubt, während sie dem Publikum historische Faktentreue vorgaukelten. Die CIA habe «keine Kontrolle über das Endprodukt gehabt», distanzierte sich Morell.

Doch die enge Zusammenarbeit zwischen der CIA und den Filmemachern ist schwarz auf weiss belegt. Die Organisation «Judicial Watch» hat 461 Dokumentseiten freiprozessiert, vor allem E-Mails, aber auch eine 16-seitige Abschrift eines spektakulären Treffens der Filmemacher mit Regierungsvertretern in Washington, DC. Am 15. Juli 2011 besprach Michael Vickers, ein hochrangiger Pentagonbeamter, demnach mit Regisseurin Kathryn Bigelow und Drehbuchautor Mark Boal die Jagd auf Bin Laden. Vickers sprach 45 Minuten lang über die verschiedenen Planungsphasen zwischen dem ersten geheimdienstlichen Hinweis Ende August 2010 und der Tötung Bin Ladens acht Monate später.

CIA baut Bin-Laden-Versteck nach

Von Mitte März bis Anfang April 2011, so erklärte Vickers dem Hollywood-Duo, hätten fünf Treffen mit Präsident Barack Obama stattgefunden, während denen fünf Optionen diskutiert worden seien. Eine Militäraktion mit oder ohne Hilfe Pakistans? Eine grosse US-Streitkraft? Eine kleine Elitetruppe? Ein Luftschlag? Ein Helikopter-Angriff? Laut Vickers machte Obama dabei klar, dass er rasch zuschlagen wollte und wenn möglich ohne Absprache mit Pakistan. Die CIA begann zudem bereits im Januar 2011, Bin Ladens Versteck zu Übungszwecken originalgetreu nachzubauen. Im April waren nur noch zwei Varianten übrig, ein Luftangriff auf Bin Ladens Unterschlupf und die letztlich am 1./2. Mai durchgeführte Heli-Attacke. Mitte April fanden im Westen der USA zwei Navy-Seal-Übungen statt, wo der Angriff auf das Bin-Laden-Gebäude 1:1 trainiert wurde.

(Quelle: Youtube.com)

Trailer von Zero Dark Thirty

Thomas Vickers betonte, dass es am Ende ein «mutiger Entscheid» des Präsidenten war, denn hochrangige Regierungsvertreter seien bis zum Schluss skeptisch gewesen, ob die Kommandoaktion der Elitesoldaten durchgezogen werden solle. Mitte April schätzte eine Gruppe von CIA-Analytikern die Erfolgschancen der Bin-Laden-Mission nochmals neu ein. Ein Mitglied dieses «Red Team» glaubte, die Militäraktion werde nur zu 40 Prozent Erfolg haben. Vickers glaubte an 80 Prozent.

«Auf Befehl des CIA-Direktors»

Vickers versprach den Filmemachern auch exklusiven Zugang zu einem der 23 an der Operation beteiligten Navy-Seal-Soldaten. «Das ist Dynamit», freute sich Drehbuchschreiber Boal. «Fantastisch», kommentierte Regisseurin Bigelow, «das ist unglaublich.» Die Liebe zwischen Hollywood und der Obama-Regierung war gegenseitig: Am 13. Juni 2011 wurde in einer E-Mail festgehalten: «Auf Befehl von CIA-Direktor Panetta ist die CIA zu enger Zusammenarbeit bereit.» CIA und Pentagon waren «begeistert» vom Filmprojekt; aus dem Weissen Haus signalisierte Berater Benjamin Rhodes Unterstützung. Boal wurde sogar an eine interne CIA-Zeremonie zu Ehren der an der Geheimmission beteiligten Navy-Seals eingeladen - zur Überraschung anwesender hochrangiger Militärs. Gegen Vickers wurde inzwischen vom Pentagon ein Verfahren wegen Geheimnisverrats eingeleitet.

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