Hollywood
Academy Museum in Los Angeles wird eröffnet: Hier trifft H.R. Gigers Alien auf E.T.

Endlich bekommt Los Angeles ein Museum für Filmkunst. Was es darin zu sehen gibt – und was nicht – überrascht.

Marlene von Arx
Drucken
Zwei Jahre verspätet öffnet das Academy Museum im Prestige-Bau von Renzo Piano seine Tore.

Zwei Jahre verspätet öffnet das Academy Museum im Prestige-Bau von Renzo Piano seine Tore.

Joshua White/Academy Museum Foundation

Nachdem die Film-Academy 1929 die Oscar-Verleihung ins Leben gerufen hatte, war als Nächstes eigentlich ein Museum geplant. Doch erst jetzt bekommt Los Angeles sein erstes Filmmuseum: Am 30. September gehen die Tore des Academy Museums auf. Hinter der denkmalgeschützten Süd-Fassade des ehemaligen May-Company-Warenhauses türmt sich der moderne Glas- und Zementbau des italienischen Star-Architekten Renzo Piano auf. Der Blickfang gegen Norden ist die Kugel, die das David-Geffen-Kino mit 1000 Plätzen besetzt und durch eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbunden ist.

Das wuchtige Rund mit Glas-Dom wird längst «Death Star» genannt – in Anlehnung an den Empire-Hauptsitz in «Star Wars». Offenbar zum Missfallen von Renzo Piano: «Nennen Sie den Bau doch lieber Luftschiff, Zeppelin oder von mir aus auch Seifenblase», offerierte er an der Eröffnungsvorschau Alternativvorschläge.

Viele Vitrinen, wenig interaktive Installationen

Im Hauptgebäude hat es sich die Academy zum Ziel gesetzt, auf sieben Etagen der Hollywood-Filmindustrie, dem internationalen Filmschaffen und aktuellen kulturgesellschaftlichen Umwälzungen gerecht zu werden. Das Herzstück bilden die drei «Stories of Cinema»-Galerien mit ihren etwas willkürlich zusammengewürfelten Themenblöcken: In der einen Galerie wandert man von einem Spotlight auf das Schaffen von Pedro Almodóvar zu Highlights aus der Animationsfilmgeschichte zu einer Ausstellung der berühmtesten Fantasy-Figuren, darunter Spielbergs E.T. und Alien, Kreatur des Schweizers H.R. Giger.

Schaurige Gesichter machte H.R Giger seinen Aliens.

Schaurige Gesichter machte H.R Giger seinen Aliens.

Joshua White / Academy Museum Foundation

Im zweiten Stock durfte Spike Lee Highlights aus seinem Schaffen und seine Inspirationen darstellen. Von hier aus geht es weiter zum Schwerpunkt «The Wizard of Oz» und von da zu den Kostümen aus Filmen wie «Gentlemen Prefer Blondes» und «The Big Lebowski».

Einmal einen Oscar gewinnen

Dem Werk des japanischen Animators Hayao Miyazaki ist eine temporäre Ausstellung gewidmet. Hier kann man sich, Miyazaki-Figuren nachahmend, auf eine künstliche Wiese legen und in die Wolken schauen, die an die Decke projiziert sind. Erstaunlicherweise ist es die einzige Konzession an den Trend, das Publikum mit interaktiven Installationen abzuholen. Ansonsten ist das meiste hinter Glas versorgt oder an der Wand aufgehängt.

Diesen ikonischen Morgenmantel trug Jeff Bridges in «The Big Lebowski» (1998).

Diesen ikonischen Morgenmantel trug Jeff Bridges in «The Big Lebowski» (1998).

Joshua White / Academy Museum Foundation

Auch ein Filmset sucht man vergebens. Das dreistöckige Wandgemälde von Mount Rushmore aus Hitchcocks «North by Northwest» ist zwar eindrücklich, aber es vermittelt nicht das Gefühl, sich in den Kulissen eines Klassikers zu bewegen. Immerhin: Bei Vorausbuchung der «Oscar Experience» für 15 Dollar extra kann man einen Oscar in Empfang nehmen und sich in Siegerpose werfen. Der Oscar-Verleihung ist natürlich auch ein Saal mit ­Videos denkwürdiger Oscar-Momente, Chers Mohawk-Outfit und Rita Morenos Robe, die sie 1962 und 2018 an die Verleihung trug, gewidmet.

Einige Sammlungsstücke werden Filmfans ins Schwelgen bringen. Da ist der letzte Rosebud-Schlitten aus «Citizen Kane» oder Alfred Hitchcocks Casting-Notizen an David O. Selznick für «Rebecca». Zudem wird die technische Geschichte des Films in der Ausstellung mit viel Liebe zum Detail für Peepshows und magische Laternen aufbereitet.

So divers ist Hollywood – mindestens im Museum

Es wurde viel Wert auf Diversität gelegt: Die Lobby ist nach Sidney Poitier, dem ersten schwarzen Schauspieler, der den Hauptdarsteller-Oscar gewann, benannt. Die Säulen und die Brücke des 5. Stockes tragen die Namen von Pionierinnen des ­Kinos wie die erste Regisseurin Alice Guy-Blaché (1873–1968). Auch Action-Star Bruce Lee (1940–1973) und Oscar Mi­cheaux (1884–1951), der erste schwarze Filmemacher und Begründer des afro-amerikanischen Kinos, bekommen hier einen prominenten Platz. Das Werk von Martin Scorsese wird durch die Arbeit der dreifachen Oscar-Preisträgerin Thelma Schoonmaker vertreten, die seit Jahrzehnten für den Schnitt von Scorseses Filmen verantwortlich ist.

Als untervertreten könnte man das Western-Genre bezeichnen. Ihm wird etwa gleich viel Platz eingeräumt wie dem Klima-Dok-Film. Auch auf einer Gesamtfläche von fast 28'000 Quadratmetern bleibt der Platz letztlich beschränkt.

Die Kosten uferten indes auch so aus: Das mit zwei Jahren Verspätung eröffnete Academy Museum soll fast 100 Millionen Dollar mehr als die budgetierten 388 Millionen Dollar gekostet haben – was etwas weniger problematisch ist, wenn man zu den Fundraisern Disney-Boss Bob Iger, Tom Hanks und Annette Bening zählen kann und der Vorsitzende des Kuratoriums der Netflix-CEO Ted Sarandos ist. Im Vergleich mit dem umstrittenen Los Angeles County Museum of Art ist der Preis ein Klacks: Das Kunstmuseum wird gleich nebenan unter der Leitung des Schweizer Architekten Peter Zumthor für 750 Millionen gebaut und soll Ende 2023 eröffnet werden.