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Hinterwäldler scheffeln Millionen: Gottes Geschäft mit Bärten und Entenjagd

Bärtige Männer, die Enten und Eichhörnchen jagen, Sprüche klopfen und den wertkonservativen amerikanischen Traum leben. Die Reality-Soap «Duck Dynasty» ist die meistgesehene Show im US-Kabelfernsehen - und eine regelrechte Geldmaschine.

Sie sind tätowiert, tragen Tarnanzüge und könnten einen flotten Barttrimmer benötigen: Willkommen bei den Robertsons. Die Grossfamilie aus dem Staat Louisiana im Süden Nordamerikas lebt von der Entenjagd, daher auch der Titel der Show «Duck Dynasty», die bereits in der vierten Saison Woche für Woche rund 12 Millionen Zuschauer vor die Flimmerkiste lockt: Die Auferstehung der Hinterwäldler.

Im Mittelpunkt der Soap Opera steht die Grossfamilie Robertson: eine rund 40-köpfiger Clan über drei Generationen, die sich selbst als typische «Rednecks» bezeichnen, also eine Tradition lebt, die eine eher reaktionäre Werthaltung der weissen Arbeiterklasse vertritt, wie sie im Süden der USA häufig ist.

Ganz zuoberst steht die gute alte Familie. Die Frauen stehen am Herd und erziehen die Kinder, die Väter verdienen das Geld, und dem Oberhaupt gehört das letzte Wort. Abtreibungen sind des Teufels, Homosexuelle Feiglinge und Vegetarier Nahrungs-Schwächlinge, ganz zu schweigen von Präsident Obama, dessen Wiederwahl ein moralischer Tiefpunkt für ihr Amerika darstellt.

«Duck Dynasty»: Wenn der Vater ein Kleid für seine Tochter aussuchen muss

Doch im Unterschied zu vielen Gleichgesinnten im Süden der USA sind die Robertsons besser dran: Sie zählen zu den Einkommensmillionären. Im Unterschied aber zu den legendären Duck Tales in Entenhausen dreht sich bei den Robertsons aber nicht alles um die Talervermehrung ihres durchaus ansehnlichen Geldspeichers, sondern um die Familie, die Religion und das Essen.

Suggestion des einfachen Lebens

Schätzungen zufolge sollen die Robertsons bereits zwanzig Millionen schwer sein. Aber auch Oberhaupt «Duck Commander» Phil hat ein Buch geschrieben: Es trägt den Titel «Happy, happy, happy» («Glücklich, glücklich, glücklich») und schon im ersten Kapitel wird - natürlich - Klartext gesprochen: Regel Nummer Eins für ein glückliches Leben bedeutet: Vereinfache dein Leben, wirf dein Handy weg und stell den PC ab.

Phil erinnert sich an seine Kindheit und erzählt: «Ich vermisse die Zeit, in der das Leben noch nicht so kompliziert war. Ich wuchs in den Fünzigern in sehr, sehr einfachen Verhältnissen auf. Wir besassen wenig, fuhren keine neuen Autos, trugen keine hübsche Kleider und hatten wenig Geld, aber wir waren einfach glücklich mit dem, was wir hatten. Wir assen das, was in unserem Garten wuchs oder Gott uns schenkte.»

Das grösste Ägernis für Phil sind Yuppies: Menschen, die all das «moderne Zeugs» wie Smartphones, Computer und Social Media benutzen.

Phil Robertson, Oberhaupt des Clans und «Duck Commander», gab als ehemaliger Footballspieler seine Karriere auf, um sich seinem Hobby zu widmen: der Entenjagd.

Er stellte eine eigene Entenpfeife («duck calls») her und hatte damit solch grossen Erfolg, dass er bald davon leben konnte. Sein Leben hätte ihm durchaus genügt, doch der US-Kabelsender A&E entdeckte die Familie und bot ihnen einen Vertrag zu einer Soap an, die die Werte ihrer Familie - Gebet, Herd und Familie - hoch leben lässt.

Sohn Willie unterschrieb. Die Serie wurde ein Quotenerfolg, rund 12 Millionen Zuschauer sitzen pro Woche und Folge vor der Flimmerkiste und stellen sogar Kultserien wie «Breaking Bad» oder «Mad Men» in den Schatten.

Sozialstudie oder Realsatire

Für manche ist die Soap eine regelrechte Sozialstudie. Wenn Phil zusammen mit seinem Bruder Si und den Söhnen Jason, Willie und Jep mit Bart, Gewehr und Tarnanzug durch die Wälder streifen und schön inszeniert von einer Panne zur anderen stolpern, weiss man nicht, ob man lachen soll oder den Kopf schütteln.

Die Robertsons häuten Fische und nehmen Frösche aus. Sie kratzen Stinktiere zusammen und kochen es gar. Sie kommentieren das Geschehen und beraten über die Kochzubereitung ihrer Beute, denn: was die Robertsons jagen, das essen sie auch.

Situationskomik auch, wenn die Männer mit ihren Töchter durch die Shoppingcenter stiefeln, auf der Suche nach einem etwas züchtigeren Kleid für die 13-jährige Tochter. Natürlich ist all dies wohl inszeniert und knallhart kalkuliert, so sind die Merchandising-Artikel der Familie Robinson wahres Gold wert: Schallplatte, Bücher, Wehnachtsgeschenke und Kochrezpte, Tarnanzüge und Gummistiefel, ja sogar Erziehungstipps gehören zu den rund 1200 erhältlichen Duck-Artikeln.

Auch so wird man Talermillionär. (cls)

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