«Club» zum Fall Yilmaz

Gülsha: «Das macht doch alles keinen Sinn» – und Glarner outet sich als Schweizermacher

TV-Moderatorin Gülsha Adilji in der SRF-Sendung «Club» am Dienstagabend.

TV-Moderatorin Gülsha Adilji in der SRF-Sendung «Club» am Dienstagabend.

Der «Club» auf SRF zum Fall Funda Yilmaz lebte vor allem von zwei Gästen: Gülsha schilderte, warum der Fall von Funda Yilmaz sie fatal an ihre eigene Einbürgerung als Kind erinnert. Und Andreas Glarner outete sich als grosszügiger Schweizermacher in seiner Gemeinde Oberwil-Lieli.

"Alles was ich tue, denke, fühle, ist typisch schweizerisch an mir, ich kenne ja nichts Anderes", antwortete Gülsha Adilji auf die Einstiegsfrage im "Club" zum Thema Einbürgerungspraxis gestern Abend. Der Satz der 31-jährigen Moderatorin und Kolumnistin mit türkisch-albanischen Wurzeln hätte von Funda Yilmaz sein können, die hier geboren ist und bekanntlich wegen der mittlerweile weltbekannten Befragung der Einbürgerungskommission in Buchs vorläufig den Schweizer Pass nicht bekommt.

Funda Yilmaz fehlte in der Sendung. Sie ist zurzeit in den Ferien. Und so nahm Gülsha in der sechsköpfigen Diskussionsrunde im "Club" quasi den Platz von Yilmaz ein. Sie habe das Protokoll mit den Einbürgerungsfragen gelesen und die "scheue, aber überlegte" Funda Yilmaz im "Talk Täglich" gesehen. Das alles habe sie an ihre eigene Einbürgerung als Teenager erinnert. "Ich musste als 13-jähriges Mädchen zur Polizei für ein Einbürgerungsgespräch, erzählte Gülsha. "Die fragten mich: 'Bist du für Demokratie oder Diktatur?'. Ich hatte doch damals keine Ahnung, was das ist." Gülsha schilderte die Befragung als unangenehm. Das sei doch "Willkür", ähnlich wie die Art Fragen im Fall Yilmaz.

«Das ist doch Willkür» Gülsha Adilji über ihre eigene Einbürgerung als 13-Jährige.

«Das ist doch Willkür»: Gülsha Adilji über ihre eigene Einbürgerung als 13-Jährige.

Die TV-Runde war mit weiteren Gästen wie Nancy Holten (Bald-Schweizerin aus Gipf-Oberfrick), Aleksandar Naumovic (Schweizer mit jugoslawischen Wurzeln), Stefanie Kurt(Einbürgerungsexpertin Uni Neuenburg) und Philipp Tingler (deutsch-schweizerischer Wirtschaftswissenschaftler) besetzt. Die grösste Aufmerksamkeit zogen aber die beiden Sitznachbarn von Moderator Urs Gredig auf sich. Gülsha zu seiner Linken und jenem Politiker zu seiner Rechten, der bei einer Einbürgerungsdebatte selten fehlt: Andreas Glarner.

Wie im Talk Täglich auf Tele M1 suchte der SVP-Nationalrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli die für einen Hardliner nicht ganz einfache Gratwanderung: zwischen Herunterspielen des Falles Yilmaz und Betonung seiner politischen Position, es werde generell zu einfach eingebürgert. 

Zu Funda Yilmaz meinte Glarner: Sie sei "volkstümlich gesagt ein Babettli", dass sie es bei der Einbürgerungsbefragung "versiebt" habe. Sie werde jetzt halt eine Ehrenrunde drehen müssen und werde dann schon noch Schweizerin. "Der Regierungsrat wird das durchwinken."

«Es Babettli»: Andreas Glarner zum Fall Buchs.

«Es Babettli»: Andreas Glarner zum Fall Buchs.

Gülsha hakte ein: "Was hat sie denn konkret versiebt, Herr Glarner?" Zum Beispiel die Sitten und Gebräuche wie der "Bachfischet" als Dorffest schlechthin habe sie nicht nennen können, sagte Glarner. Zudem habe sie keine Freunde im Dorf, kenne dort niemand. "Das macht doch alles keinen Sinn", konterte Gülsha kopfschüttelnd. (Präzisierung der Redaktion: Der Volksbrauch "Bachfischet" wird in der Stadt Aarau gefeiert, nicht in Buchs. Er findet jeweils im September am zweitletzten Freitag vor den Herbstferien statt.)

Auf dem Fall Buchs herumreiten mochte aber auch Glarner nicht zu lange. Der sei "nicht exemplarisch". Generell sei es nämlich "noch nie so einfach" gewesen, Schweizer zu werden. Allein in den letzten zehn Jahren seien 400'000 Ausländer eingebürgert worden, betonte Glarner wiederholt. Auch seine Gemeinde Oberwil-Lieli geht grosszügig mit Einbürgerungen um. "Wir behandeln alle Einbürgerungsgesuche wohlwollend", sagte Ammann Glarner am Schweizer Fernsehen. Und: In seiner Amtszeit sei kein einziges Einbürgerungsgesuch abgelehnt worden. (roc)

SRF-Club vom 25.7.2017 – Einbürgerungen: Die Macht der Schweizermacher

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