Die Ära von Nicoals Bideau, der die Sektion Film im Bundesamt für Kultur (BAK) von 2005 bis Mai 2010 leitete, sitzt den Schweizer Filmemachern immer noch tief in den Knochen. Für eine Mehrheit von ihnen ist deshalb klar: In Zukunft muss sicher gestellt sein, dass die Politik keinen derart schädlichen Einfluss mehr auf die Schweizer Filmszene nehmen kann. Das hat Bideau in den Augen vieler getan, indem er statt auf Vielfalt auf Mainstream setzte und statt viele nur ganz wenige Projekte finanziell unterstützte.

Die drei Branchenverbände SFP. GARP und ARF/FDS werfen daher die Idee eines Filminstitutes in die Runde, unter dessen Dach die Vergabe der Fördermittel unabhängig vom Bund organisiert werden soll. Als Vorbild dient den Filmschaffenden die Kulturstiftung Pro Helvetia. Sie wird ebenfalls mit Bundesgeldern alimentiert, verteilt diese aber in eigener Regie.

Zwei Drittel sind dafür

Eine Mehrheit der Filmschaffenden scheint dieses Ausgliederung zu begrüssen. Zwei Drittel der Mitglieder hätten sich einer Umfrage der drei Branchenverbände im letzten Jahr klar für eine Auslagerung ausgesprochen, erklärte heute GARP-Präsident Robert Boner in Solothurn.

Vertreter der Verbände haben ihre Vorstellungen eines Filminstituts in den letzten Monaten konkretisiert. Am 22. März wollen sie Innenminister Didier Burkhalter das Dossier übergeben. Der Bundesrat warte bereits darauf, sagte Boner. Denn als man Burkhalter im Sommer 2010 in  Locarno von dieser Idee erzählt habe, hätte er umgehend nach einem entsprechenden Rapport verlangt.

Burkhalter wartet auf Bericht

Der Kulturminister scheint einer Auslagerung à la Pro Helvetia nicht abgeneigt. Er liess die Filmbranche gar wissen, dass dies seine bevorzugte Lösung ist. Der Zeitpunkt für die Diskussion ist gut gewählt. Der Bund muss noch dieses Jahr die Weichen für die nächste Förderperiode 2012 bis 2015 stellen. Und auch einen Chef für die Filmsektion präsentieren.

Eine von der Verwaltung unabhängiges Filminstitut könnte etwa auch Darlehen gewähren und schneller auf Trends reagieren, nannte der Zürcher Produzent und SFP-Mitglied Samir weitere Vorteile. Und: «Wir müssten dann auch nicht mehr zum eidgenössischen Finanzamt betteln gehen.» Als Zeithorizont zur Realisierung des Filminstitutes gaben die Branchenverteter vier Jahre an. (rsn)