Satire-Sendung

Giacobbo über das Aus: «Giacobbo/Müller ist ein Auslaufmodell»

Die Moderatoren Mike Müller (l) und Viktor Giacobbo lassen ihre Sendung "Giacobbo/Müller" Ende 2016 auslaufen. (Archivbild)

Die Moderatoren Mike Müller (l) und Viktor Giacobbo lassen ihre Sendung "Giacobbo/Müller" Ende 2016 auslaufen. (Archivbild)

Viktor Giacobbo und Mike Müller lassen ihre Sendung «Giacobbo/Müller» Ende 2016 ausklingen. Die beiden Moderatoren widmen sich zukünftig anderen Projekten. Im Interview sagt Viktor Giacobbo warum.

Herr Giacobbo, wieso das Aus?

Weil Mike Müller und ich noch Spass an der Sendung haben. Und das Publikum gemäss Zuschauerzahlen ebenfalls. Aber beides könnte sich irgendwann ändern. So lange wollen wir nicht warten.

Es besteht also kein Zusammenhang mit dem Rückzug von Christoph Blocher und dem Rücktritt Toni Brunners?

Das hätten wir gerne behauptet. Tatsächlich weisen unsere Sendung und Toni Brunners Karriere unheimliche Parallelen auf. Er begann 2008 als Parteichef, wir begannen damals unsere Sendung. Mike Müller und ich wissen seit fast einem Jahr, dass wir Ende 2016 aufhören werden. Die Redaktion informierten wir Anfang Herbst. Es wundert mich selbst, dass wir es so lange unter dem Deckel halten konnten.

Giacobbo/Müller über Joseph S. Blatter: Make the Welt a Butter Place

Giacobbo/Müller über Joseph S. Blatter: Make the Welt a Butter Place (Mai 2015)

Viktors Programm und Viktors Spätprogramm haben Sie 12 Jahre gemacht. Giacobbo/Müller acht Jahre. Ihr Atem wird kürzer, Herr Giacobbo.

Vielleicht ist es so und ich bemerke meine Senilität nicht. Aber eigentlich verspüre ich keine Abnützungserscheinungen und ich bin auch immer noch bereit neue Dinge auszuprobieren. Aber diese Form von Late-Night-Show, wie wir sie mit Giacobbo/Müller betreiben, ist ein Auslaufmodell. Es müssen nun neue, junge Leute her.

Wer?

Das werden Sie von mir nicht hören. Was ich dem SRF allerdings empfehle, ist, dass sie jemanden nehmen, der vernetzt ist und gewohnt, in Teams zu arbeiten.

Aber Sie finden, es braucht auch nach Ihnen eine Late-Night-Sendung?

Ja, die braucht es. Ein Late-Night-Sendung mit Satire oder eine Satire-Sendung mit Late-Night-Elementen. Aber es ist nicht an mir zu bestimmen, wie diese Sendung aussehen soll. Jedenfalls hoffe ich sehr, dass SRF Mut beweist. Als Sie mir vor 25 Jahren Viktors Programm gegeben haben, war das auch mutig.

Stichwort Mut: Das SRF ist politisch unter Druck. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um eine kontroverse Satire-Sendung einzuführen.

Ich bin trotzdem überzeugt, dass das SRF es tun wird.

Gerade im Bereich Humor und Satire gibt es den Vorwurf, dass das SRF niemandem mehr auf die Füsse treten will. Spürten Sie das?

Bei Giacobbo/Müller spürten wir nie Druck. Dass die SRF-Redaktionen Druck spüren, ist unbestritten. Wir sind und waren wohl die freiste Sendung am Schweizer TV. Oder fragen Sie mal bei den grossen Medienhäusern Tamedia und Ringier, ob sie dort über ihre obersten Chefs öffentlich so gnadenlose Sprüche reissen wie wir über Roger de Weck. Da ist der viel gescholtene Staatssender um einiges toleranter als seine privaten Konkurrenten. 

Fakt ist: Sie waren für die Schweizer Kleinkunstszene wichtig. Manche sagen: zu wichtig. Ein Auftritt bei Giacobbo/Müller konnte Karrieren lancieren. Ist das nicht etwas gar viel Macht?

Giacobbo/Müller ist und war nie ein Kleinkunstforum. Wir taten das, was jedes Theater und jede Redaktion tut: eine Auswahl treffen. Das bedeutet halt auch: Absagen verteilen. Es gibt einfach gewisse Dinge, die funktionieren am Schirm, andere nicht. Man kann keine stillen Nummern bringen am TV. Aber dahinter steht keine grosse Verschwörung mit mir als Obermafioso.

Die Politik hat sich in den letzten acht Jahren weiter polarisiert. Hat es das einfacher gemacht für Sie?

Ja, die Aggressivität der SVP und die Art und Weise, wie sie die politische Agenda dominiert, hat uns geholfen. Wir politisierten in den Sendungen automatisch deutlicher.

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Ist Giacobbo/Müller eigentlich Service Public?

Ich habe keine Ahnung, was Service Public ist. Vermutlich schon, ja. Vor allem interessiert es viele Zuschauer. Unser Marktanteil ist dreimal so hoch wie bei Konkurrenten im deutschsprachigen Raum, die ebenfalls als erfolgreich gelten. Wir haben in jeder Sendung rund 400 000 Zuschauer. Und es sind wahrscheinlich nicht die Dümmsten der Schweiz.

Was tun nach dem Ende von Giacobbo/Müller?

Ich kann Ihnen sagen, was ich nicht tue. Ich übernehme keine Jugendsendung. Wobei, eigentlich wäre das noch interessant. Ernsthaft: ich habe ein Theater-Projekt mit Mike Müller in Planung und ein paar Ideen für Kino-Filme.

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