Die fetten Jahre sind für die SRF-Mitarbeiter vorbei. Die Jahresbudgets des gebührenfinanzierten Senders schwinden. Ab 2016 stehen 12 Millionen weniger zur Verfügung. Ab 2017 20,5 Millionen Franken und ab 2018 sogar 22,5 Millionen weniger zu Verfügung. Die Folge fürs Personal: Spardruck, Job-Angst, Kündigungen. Über 100 Stellen werden bei SRF und der Produktionsfirma tpc noch dieses Jahr wegfallen. Letzte Woche haben die SRG und die Gewerkschaften über Sozialpläne verhandelt. Nein, die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel am Leutschenbach. Dafür Baukräne und Gebäude. Denn das Schweizer Radio und Fernsehen baut zwar Personal ab, zeitgleich aber auch neue Gebäude auf und alte um. Am Leutschenbach entstehen News-, Sport- und Technik-Gebäude. 430 Arbeitsplätze für 550 Mitarbeiter. Eine neue Studiofläche und ein Rechenzentrum. «Standortentwicklung Leutschenbach» heisst der Plan aus dem Jahr 2013. Kostenpunkt: 60 Millionen Schweizer Franken.

Sparen für «Neu-Leutschenbach»

Bei den Gewerkschaften stösst die Kombination von Personal-Ab- und architektonischem Ausbau auf wenig Gegenliebe. Denn die neuen Gebäude sind mit ein Grund für die Sparmassnahmen. Das SRF streicht zwar lieber die externen Faktoren für den Spardruck hervor: Einerseits einen Bundesgerichtsentscheid, der es der SRG verbietet, von den Gebührenzahlern die Mehrwertsteuer einzufordern; andererseits geringere Gebühreneinnahmen durch das neue Radio-TV-Gesetz. Dass unter anderem für die Finanzierung des «neuen» Leutschenbach ab 2017 rund 8,5 Millionen Franken umgeschichtet werden, wird eher zurückhaltend kommuniziert. «Mittelfristplanung» heisst dieses Programm. Noch verschwiegener ist das SRF, was die Pläne des Ausbaus angeht. «Der Innenausbau des neuen Gebäudes ist in Planung», heisst es.

Die Gewerkschaften kritisieren, dass das SRF-Sparprogramm wegen der Grossüberbauung die SRG-Vorgaben übertreffe. Die SRG spart mit ihrem aktuellen Sparprogramm schweizweit rund 2,4 Prozent ihres Budgets ein. Die Sparübung des Deutschschweizer Radio- und Fernsehens SRF betrifft gemäss der Gewerkschaft Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) 3,25 Prozent aller Stellen. «Die Sparmassnahmen von SRF gehen über die Vorgaben der SRG hinaus. Es kann nicht sein, dass damit Extravaganzen in Bauprojekte finanziert werden», sagt Andreas Künzi, Gruppensekretär für Fernsehen und tpc bei der SSM. «Wir fordern von SRF, dass die Um- und Ausbau-Projekte auf Sparpotenzial überprüft werden.»

Die Erfahrungen mit der SRG würden zeigen, dass bei Neubauten meist mit zu grosser Kelle angerichtet werde. Damit spielt Künzi auf den im Jahre 2012 aufwendig sanierten Sitz der SRG an. Das Hochhaus am Stadtrand von Bern ist ein mit viel Liebe und 60-Millionen-Franken-Budget saniertes Ausrufezeichen des Service public. «Erfahrungsgemäss ist bei SRG-Bauplänen immer Luft drin», sagt Künzi. Jetzt sei Zeit, diese Luft rauszulassen. «Wir bestreiten nicht, dass es am Leutschenbach zeitgemässe Arbeitsplätze braucht, aber es ist nicht die Zeit für Luxusvarianten.»

Die Gewerkschaft hat diese Forderung im Rahmen des Konsultationsverfahrens bei der Geschäftsleitung des Schweizer Radios und Fernsehens eingebracht. Diese entscheidet am 12. November über die Umsetzung des Sparprogramms, bis dann kommentiert das SRF das Verfahren nicht.

«Betriebskosten senken»

Die Forderungen der Gewerkschaften gehen noch weiter. Das SRF soll auch darauf verzichten, die TV-Kulturredaktion nach Basel zu verlegen. Die Pläne des SRF sehen vor, dass die gesamte Abteilung Kultur des SRF künftig in Bahnhofnähe in einem Herzog-&-de-Meuron-Gebäude eingemietet wird. «Es macht keinen Sinn, TV-Journalisten nach Basel zu zügeln, wenn sie ihre Sendungen doch in Leutschenbach aufzeichnen. Das verursacht bloss Mehrkosten», sagt Künzi dazu. Beim SRF hält man dagegen: «Im Rahmen der Standortentwicklung Leutschenbach werden die Betriebsflächen reduziert und damit die Betriebskosten signifikant und nachhaltig gesenkt», sagt SRF-Sprecherin Andrea Wenger.

Die Verteilkämpfe am Leutschenbach sind in vollem Gang. Die Chance, dass in Zukunft weitere Sparprogramme folgen, ist hoch. Denn auch wenn im neuen Parlament FDP und SVP nicht in allen Themen übereinstimmen; in ihrer SRG-kritischen Grundhaltung treffen sich die beiden Parteien.