«The Descendants» spielt in Hawaii. War das mehr Ferien als Arbeiten?

George Clooney: Mir gefiel die Atmosphäre zum Arbeiten. Die fahren da überall nur 50km/h. Niemand ist in Eile. Die wissen, wie man lebt. Andererseits war es nicht einfach, wie ein Idiot in Flip-Flops herumzurennen und am Schluss nichts dazu zu sagen zu haben, wie das Material verwendet wird. Es sass ja ein anderer auf dem Regie-Stuhl (grinst).

Im Film spielen Sie einen Familienvater, dessen Frau im Koma liegt. Es müssen Entscheide gefällt werden. Organ-Spende ist ein Thema. Wie stehen Sie dazu?

Also ich wollte meine Leber spenden, aber die will keiner – zuviel gesoffen ... Aber ernsthaft: Ich gebe, was immer jemand noch haben will. Bei uns in den USA kann man bei der Beantragung des Führerscheins ankreuzen, ob man Organe spenden will. Es sollte umgekehrt sein: Dass man was ankreuzen muss, wenn man es aus religiösen oder was für Gründen auch immer, nicht will. Das würde den Organhandel ganz umkrempeln.

Und nach dem Spenden wollen Sie angeblich kremiert werden ...

Ja, ich mag die Vorstellung nicht, in einer Box eingepfercht zu liegen. Ich habe in meinem Testament verfügt, dass jeder meiner besten Freunde etwas Geld und etwas Asche bekommt, damit sie mich an einen Ort mitnehmen, wo ich noch nie war. Auch so kommt man in der Welt herum!

Möchten Sie vorher nicht doch noch Ihre DNA weitergeben?

Ich bin lieber der verrückte Onkel, als der entnervte Vater. Kids sagen mir auf Sets, ich soll mich mal endlich benehmen wie ein Erwachsener. Ich mach mir einen Spass daraus, ihnen Quatsch zu erzählen wie «Glace ist gut für Dich». Meine arme Film-Tochter, die Eis futtern musste, übergab sich nach dem 15. Take. Gute erste Schauspiellektion!

Sie sind also zu sehr ein Kindskopf, um Vater zu werden?

Ich weiss nicht. Mir macht das Leben Spass, wie es ist.

Haben Sie sich nie gewundert, wie Ihre Kinder sein würden? Wie sie aussehen und ob sie sich als Sportler oder Leseratten entpuppen würden?

Nein, darüber mache ich mir auch hypothetisch keine Gedanken.

Im Film regen Sie sich über die vulgäre Sprache Ihrer Kids auf. Was nervt Sie persönlich an der heutigen Jugend?

Dass sie nicht mehr aus dem Haus gehen und nur noch mit diesen Boxen spielen. Sie sitzen in ihren Zimmern und tippen anonymes gemeines Zeugs in die Welt. Dabei verlangt Redefreiheit doch auch, dass man dafür Verantwortung übernimmt. Die Kids müssen wieder raus aufs Velo, Freunde treffen, damit sie wieder lernen, mit einem Menschen zu reden. Viele Kinder meiner Freunde können das gar nicht mehr.

Loyalität ist Ihnen sehr wichtig. Wurden Sie auch schon hintergangen?

Ich hatte mal einen Agenten, der mich ausnahm. Hintergangen zu werden, ist etwas vom schlimmsten überhaupt. Am Schluss wurde er gefeuert. Solche Überraschungen gibts im Leben, aber man muss trotzdem ab und zu das Risiko eingehen, jemandem zu vertrauen.

Zum Beispiel einer neuen Freundin. Sie scheinen nach der letzten Beziehung nicht lange ein gebrochenes Herz gehabt zu haben …

Ich versuche zu überleben, nur durchzuhalten. Und trinken hilft! (Lacht.)

Sie reden nicht gerne über Herzensangelegenheiten?

Fragen über meine Freundin zu beantworten, bringt mir nichts. Vielleicht hilft es, Magazine und Zeitungen zu verkaufen, aber davon habe ich nichts. Deshalb meide ich solche Fragen.

Was ist stattdessen Ihr Publicity-Schlachtplan für die Award-Season, die am 15. Januar mit den Golden Globes so richtig in Fahrt kommt und wo Sie als einer der Favoriten gelten?

Ich halte mich mit dem «Wahlkampf» zurück. Entweder mögen die Leute die Filme oder nicht. Ich möchte den Filmen ja helfen, aber es sieht dann auch so aus, als helfe man sich selber und dann fängt das Ganze an zu stinken. Ich gehe also nicht raus und schüttle jedem die Hand und küsse Babys.

Das machen ja eher Präsidentschaftskandidaten. Einen solchen spielen Sie in «The Ides of March». Wie stark werden Sie sich bei den tatsächlichen Präsidentschaftswahlen engagieren?

Ich habe schon vor langer Zeit gemerkt, dass Schauspieler sich nur politisch engagieren dürfen, wenn sie Republikaner sind. Es ist die alte Hollywood vs. Heartland-Geschichte. Man darf die Leute nicht daran erinnern, dass wir als einige der wenigen amerikanischen Industrien noch ein Produkt für den Export machen, das Milliarden zurück ins Land holt. Aber darüber dürfen wir nicht sprechen. Also werde ich nicht sehr aktiv sein, höchstens mal einen Fundraiser organisieren, damit die richtigen Leute etwas Geld in die Tasche bekommen.

Wie sehen Sie sich in zehn Jahren?

Lebendig und aufrecht stehend, hoffe ich. Meine Horrorvorstellung wäre, dass ich in zehn Jahren noch immer das gleiche mache. Ob im Leben oder in der Arbeit – man muss sich ständig neue Fragen stellen, immer auf der Suche sein. Stillstehen betrachte ich als Versagen.