Solothurner Filmtage

Gelöste und zufriedene Gesichter an der «Soirée de clôture»

Mit den Verleihungen des «Prix de Soleure» an Eva Vitija und den «Prix du Public» an Michael Schaerer für den Spielfilm «Lina» gingen die Filmtage zu Ende. Die Verantwortlichen konnten rund 65'000 Eintritte zählen – nicht ganz so viele wie im vergangenen Jubiläumsjahr.

Christine Beerli, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage, ist jeweils an der «Soirée de clôture», die am Donnerstagabend im Landhaus über die Bühne ging, erleichtert: «Es kommt mir vor, als hätte ich die Filmtage erst gestern eröffnet und ich gestehe, dieser Abend ist mir fast der liebste. Wir sind froh: Alles ist gut gegangen und wir sind fast ein wenig nostalgisch.»

Beerli sprach dem treuen Filmtage-Publikum einen besonderen Dank aus und vergass auch nicht, den Sponsoren, den vielen freiwilligen Helfern – «mancher schon in der zweiten Generation» – und den zuverlässigen Filmtage-Mitarbeitern zu danken.

Sie freue sich schon auf die nächsten Filmtage, wo sie mit Sicherheit im Publikum sitzen werde.

Direktorin Seraina Rohrer meinte hingegen, dieser Abend sei gar nicht ihr liebster. «Ich komme mir eher vor, wie nach der Besteigung eines Viertausenders.» Sie nahm das Bild des Eröffnungsredners Bundesrat Alain Berset auf, der die Alpen als Leitmotiv, als Herz der Schweizer, bezeichnete. «Die Alpen locken das Publikum an, draussen genauso wie im Kinosaal.» Beispielsweise besuchten jedes Jahr rund eine Million Menschen das Jungfraujoch.

Nicht ganz so viele, aber doch eine schöne Zahl locken die Berge momentan ins Kino, zu «Schellen-Ursli» und «Heidi» – auch in Solothurn. «Wir hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder solch erfolgreiche Filme in Solothurn zu sehen gibt. Vielleicht heissen sie dann ‹Der Berg ist voll›, oder ‹Dichtestress am Joch›», scherzte sie.

Es habe viele wichtige Momente gegeben dieses Jahr in Solothurn, vor allem auch politische und das freue sie besonders, denn solche gehörten hierher. Rund 65 000 Eintritte habe man zählen können, leicht weniger als im vergangenen Jubiläumsjahr (67 000).

«Film prägt die Gesellschaft wie keine andere Kunst», zitierte Landammann Roland Fürst in seiner Rede ein Wort des französischen Schauspielers Gérard Depardieu.

Durch Film erkenne man die Gesellschaft wie durch einen Spiegel oder durch ein Fenster. «Während man mit den ‹Schweizermachern› 1978 die Einbürgerung in die Schweiz zu diskutieren begann, sind heute viele Filme dem Thema ‹Ausschaffung› gewidmet.»

Das sage vieles und beweise: Die Solothurner Filmtage sind gesellschaftlich relevant. Fürst warnte nochmals vor den Folgen bei einer Annahme der Durchsetzungsinitiative, insbesondere für den Schweizer Film. Und er schloss mit den Worten: «Wir brauchen den Geist von Solothurn mehr denn je.»

Die Preisträger

Dann ging es zu den Höhepunkten des Abends, den Verleihungen des «Prix du Public» und des «Prix de Soleure». Regisseur Michael Schaerer konnte mit seinem Film «Lina», mit Rabea Egg in der Hauptrolle, den Publikumspreis in der Höhe von 20 000 Franken entgegennehmen.

Die Geschichte der Lina, die in den späten 1960er-Jahren als Teenager schwanger und daraufhin von den Behörden wegen Lasterhaftigkeit administrativ versorgt wurde, ist am 21. Februar 2016 im SRF 1 zu sehen.

Die Baslerin Eva Vitija erhielt für ihre erste Regiearbeit «Das Leben drehen – Wie mein Vater versuchte, das Glück festzuhalten» den mit 60'000 Franken dotierten «Prix de Soleure».

Die Jurymitglieder Julia Jentsch, Călin Peter Netzer und Heidi Tagliavini zeigten sich beeindruckt von Vitijas Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und vom Respekt, mit dem die Regisseurin in ihrem Dokumentarfilm der eigenen Familie begegnet: «Der Film zeigt uns, wie wichtig es ist, sich dem eigenen Schicksal zu stellen, um das Leben besser zu verstehen – auch da, wo es wehtut», verlas Tagliavini aus der Laudatio.

Dann gings an den allerletzten Apéro, und damit sind die 51. Solothurner Filmtage Geschichte, die Fasnacht kann kommen ...

Höhepunkte

Mit der Preisvergabe gehen die Solothurner Filmtage zu Ende. Zu den Höhepunkten der Werkschau gehörten die Eröffnungsrede von Bundesrat Alain Berset und die zahlreichen Filmpremieren und Gäste, die Recontre mit Ursina Lardi, die Nacht der Nominationen für den Schweizer Filmpreis 2016 und die Pressekonferenz zur Durchstzungsinitiative. Mit dem «Prix d’honneur» zeichneten die 51. Solothurner Filmtage den Drehbuchautoren Antoine Jaccoud aus.

Hier kann man die 51. Solothurner Filmtage noch einmal Revue passieren zu lassen: 

Solothurner Filmtage

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