Film
Für Heidi schneits auch schon mal Cellulose

Latsch ist eigentlich ein idyllisch gelegenes Bergdorf im Bündner Albulatal. Von Idylle kann derzeit allerdings keine Rede sein, wimmelt es im Dorf doch nur so von Menschen und Kameras. Grund der Aufruhr sind die Dreharbeiten zum neuen «Heidi»-Film.

Franco Brunner (sda)
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Anuk Steffen und Bruno Ganz beim "Heidi"-Dreh im 50-Seelen-Dorf Latsch.

Anuk Steffen und Bruno Ganz beim "Heidi"-Dreh im 50-Seelen-Dorf Latsch.

Keystone

«Es geht gleich wieder weiter.» Produktionsleiter Max kommt dieser Satz heute nicht zum ersten Mal über die Lippen. Das ist es denn in erster Linie auch, was man als Gast auf einem Filmset am meisten tut: warten.

Nicht, dass es nicht spannend wäre. Es gibt so einiges zu sehen. Hier installiert ein Kameramann gerade sein Arbeitsgerät. Da stellt der Cateringservice das Essen für Darsteller und Crew bereit. Ab und an nutzen die Journalistengäste die Möglichkeit kurzer Interviews mit Darstellern oder Crew-Mitgliedern.

Heidi, Alpöhi und der Geissenpeter.

Heidi, Alpöhi und der Geissenpeter.

The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH

Und dort hinten in der kleinen Gasse wird gerade Schnee auf den Boden gesprüht. Schnee? Anfang September? Nun ja, genau genommen ist es Cellulose, also «der Grundwerkstoff von Tempo-Taschentüchern», wie der nette «Schneemacher» aus Deutschland verrät.

Winter im September

Über diesen filmkünstlichen Kunstschnee sollen danach Bruno Ganz als Alpöhi und Anuk Steffen als Heidi gemeinsam mit ihren Geissen in Richtung alpöhischem Winterhaus ins Dörfli marschieren. Aber eben, erst später. Zuerst wird wieder gewartet.

Genügend Zeit also für ein wenig Informationsbeschaffung. Hierfür ist Lukas Hobi die richtige Ansprechperson. Er ist einer der insgesamt vier Produzenten der schweizerisch-deutschen «Heidi»-Koproduktion. Hobi erklärt zum Beispiel, dass Drehbuchautorin Petra Volpe rund fünf Jahre am Skript gearbeitet hat. Eine Arbeit, die sich gelohnt zu haben scheint. Denn mit Bruno Ganz in der Rolle des mürrischen Alpöhis konnte das Team um Regisseur Alain Gsponer einen ganz Grossen seiner Zunft für das Projekt gewinnen.

Latsch im Albulatal (Archiv)

Latsch im Albulatal (Archiv)

Keystone

Apropos Bruno Ganz. Der sorgt just in diesem Moment unter den zahlreichen Journalisten, die an diesem Presse-Set-Tag Zugang zum Filmset erhalten haben, für ein wenig Aufregung. Und dies bloss, weil er sich beim Catering-Stand sein Mittagessen abholt. Man will ja nichts verpassen – schon gar nicht den grossen Star am Set.

Danach ist wieder Warten angesagt. Also zurück zu Produzent Hobi. Er erzählt, dass Latsch schon 1952 für den ersten «Heidi»-Film als Kulisse gedient hat. Ob damals auch ganze Hausfassaden patiniert und auf alt gemacht worden sind, ist indes nicht bekannt.

Auch waren damals wohl kaum rund 70 Leute hinter und deren 20 vor den Kameras tätig. Das Budget dürfte wohl auch nicht bei insgesamt 8,5 Millionen Franken gelegen haben, und ob gleich deren 70 Ziegen am Film als tierische Statisten mitgewirkt haben, ist zumindest fraglich. Nur die Geschichte, die ist gleich geblieben. An Johanna Spyris weltbekanntem Roman über das liebliche Waisenmädchen Heidi gibt es ja schliesslich auch nicht wirklich viel zu rütteln.

Heidi und der Alpöhi, gespielt von Anuk Steffen und Bruno Ganz.

Heidi und der Alpöhi, gespielt von Anuk Steffen und Bruno Ganz.

The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH

Ach ja, Heidi. Die, respektive ihre Darstellerin Anuk Steffen, steht plötzlich mehr oder weniger unvermittelt im Rampenlicht. Gemeinsam mit ihrem Filmgrossvater Bruno Ganz macht sie sich für die Szene «auf dem Weg zum Winterhaus» bereit. Produktionsleiter Max weist noch einmal freundlich, aber bestimmt die Journalisten in ihre zugewiesenen Schranken.

Dann ein kurzes «Und-Bitte» anstelle des aus Hollywood bekannten «Action», und die beiden Darsteller machen sich auf durch den Cellulose-Schnee. Die Einstellung dauert rund zehn Sekunden. Danach sprühen die einen für die nächste Aufnahme wieder frischen «Schnee» in die kleine Gasse, und die anderen, ja die anderen, die warten wieder.

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