Der Filmproduzentenverband (SFP), die Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten (GARP) und der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz (ARF/FDS) wollen die Filmförderung neu organisieren.

Die Kommissionen, die über die Vergabe der Beiträge entscheiden, wollen die Verbände ebenfalls gründlich reformieren. Zum einen soll die Zahl der Mitglieder von heute fünf auf sieben erhöht werden. Zudem sollen alle Verbände vertreten sein. Wenn über Projekte von Kommissionsmitglieder entschieden wird, hätten diese für die ganze Sitzung in den Ausstand zu treten.

Rotationsprinzip erwünscht

Vor allem aber soll bei den beiden den Kommissionen das Rotationsprinzip eingeführt werden, das heisst: Die Zusammensetzung der Gremien soll sich von Mal zu Mal ändern. Damit will man die Kommissionsmitglieder zum einen entlasten und zum anderen dafür sorgen, dass sich mehr Leute zu Verfügung stellen. Wegen der hohe Arbeitsbelastung im heutigen System würden viele Filmschaffende sich nicht für die Kommissionen zu Verfügung stellen, sagte SFP-Präsident Rolf Schmid heute in Solothurn.

Neue technische Komission

Bestückt werden sollen die Gremien aus einem Expertenpool von 28 Mitgliedern, die von den Branchenverbänden nach einem klaren Verteilschlüssel ernannt werden. «Es ist ein Missverständnis, wenn der Staat zu wissen glaubt, wie ein erfolgreicher Film entsteht», so Schmid weiter.

In einem zweiten Schritt soll eine neu zu schaffenden technische Kommission sicherstellen, dass die Finanzierung eines Filmprojekts gesichert ist und dass die Voraussetzungen erfüllt sind, damit ein Werk als Schweizer Film anerkannt werden kann. Letzteres sorgt immer wieder für Probleme: Ein gefeierter Beitrag der Solothurner Filmtage 2010, «La guerre est finie» von Mitko Panov, schaffte es unter anderem deshalb nicht in die hiesigen Kinos, weil ihm der Stempel «Schweizer Film» fehlte. «Es gibt kein System, das perfekt ist», sagte SFP-Präsident Rolf Schmid. «Ich verspreche mir aber eine Verbesserung und zwar so, dass die Vetternwirtschaft nicht mehr entsteht - oder zumindest weniger.»

Mehr Drehbücher fördern

Ein weiteres Anliegen der Filmschaffenden: Der Bund soll mehr Drehbücher fördern. 2010 hat er 20 Stück mit Geldern unterstützt. Sinnvoll wären aber 40 bis 50, wie Stina Werenfels, Vizepräsidentin des ARF/FDS erklärte. Dazu müsste das Budget von heute 0,9 auf 1,5 Millionen Franken erhöht werden. «Wir müssen die Autoren wieder ins Zentrum stellen», verlangte die Regisseurin. Drehbuchautoren sollen ein Exposé von wenigen Seiten einreichen. Bund und Produzenten würden sich nach den Vorschläge der Filmschaffenden die Finanzierung teilen.

Offen bleibt allerdings, ob es in der Schweiz überhaupt genügend förderungswürdige Drehbücher gibt. Am Schwachpunkt in diesem Bereich, einer professionellen Ausbildung, wollen die Verbände jedenfalls nichts ändern. Zumindest war in Solothurn keine Silbe davon zu vernehmen.

Bideaus Abgang nutzen

Nicht zuletzt dank des Abgangs von Nicolas Bideau, dem umstrittenen Filmchef beim Bundesamt für Kultur (BAK), sehen SFP, GARP und ARF/FDS die Chance, dass sich die Branche und der Bund bei der Debatte um die neue Filmförderung einig werden.

Allerdings ist es nicht gelungen, auch den vierten Verband - die IG unabhängige Schweizer Filmproduzenten - mit ins Boot zu holen. Das neue Konzept für die Filmförderung für die Jahre 2012 bis 2015 soll laut BAK bis im Sommer stehen. (rsn)