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Ex-Agentin Valerie Plame: «Man hat mir meine Karriere geraubt»

Valerie Plame (l.) am Filmfestival in Cannes mit Naomi Watts, die sie in «Fair Game» darstellt. Keystone

Valerie Plame (l.) am Filmfestival in Cannes mit Naomi Watts, die sie in «Fair Game» darstellt. Keystone

Valerie Plame wurde 2003 als CIA-Agentin enttarnt. Der Film «Fair Game» ist ihre Abrechnung. Die CIA, sagt sie, habe viele Fehler. Aber sie glaube auch an einen starken Geheimdienst.

Valerie Plame, Ihre eigene Regierung hat Sie verraten. Sind Sie verbittert?

Valerie Plame: Ich bin und war nicht verbittert, das wäre Zeitverschwendung. Wütend war ich aber schon. Die Regierung und ihre Verbündeten haben sehr viel Verwirrung über mich und meinen Mann gesät. Ich hoffe, dass mein Fall ein Einzelfall bleibt und ich nach dem Kino-Start von «Fair Game» nach vorne schauen und ein neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen kann.

Mit einem kritischen Zeitungs-Kommentar Ihres Mannes zum Thema Irak-Krieg-Rechtfertigung fing alles an. Wäre es Ihnen lieber gewesen, Ihr Mann hätte geschwiegen?

Ich war damals im Schockzustand und habe nicht sofort verstanden, dass wir uns wehren mussten. Das belastete unsere Ehe schon. Aber so schwierig die Zeiten auch waren und so wütend Joe auch werden kann, ich habe nie den Respekt ihm gegenüber verloren. Wir hatten uns auf den ersten Blick verliebt und an dieser Basis änderte sich nie etwas. Man hatte mir meine Karriere geraubt, ich liess mir nicht auch noch meine Ehe nehmen!

Haben Sie damals um Ihr Leben gebangt?

(Scherzhaft) Ich war selber gefährlich: Ich dachte, den Nächsten, der mir rät, zur Beruhigung Yoga zu machen, bringe ich um! Aber im Ernst: Ich hatte keine Angst, dass Karl Rove & Co. mir etwas antun würden, sondern eher, dass al-Kaida mich als CIA-Aushängeschild benutzen könnte. Es gab auch glaubhafte Drohungen gegen mich und meine Familie – unsere Zwillinge waren gerade drei Jahre alt. Dieselben Drohungen erhielten auch Rove, Justizminister Ashcroft und CIA-Direktor Tennant, die selbstverständlich persönlichen Schutz erhielten. Ich bekam keinen, weil die Bedrohung angeblich nicht bedeutend genug war. Das machte mich rasend. Ich fühlte mich ein weiteres Mal betrogen.

Und jetzt? Schauen Sie immer noch über Ihre Schulter?

Sicherheit ist immer ein Thema. Wir nehmen bewusst wahr, was um uns herum passiert.

Valerie Plames Aussage vor den Abgeordneten in Washington

Valerie Plames Aussage vor den Abgeordneten in Washington

Wie haben Ihre Kinder «Plamegate» verdaut?

Die Kameras und Fotografen vor unserer Haustüre fanden sie damals erstaunlicherweise nicht weiter abnormal. Inzwischen sind sie zehn und haben sicher ein fortgeschrittenes Verständnis von Staatskunde für ihr Alter. Bislang brauchen sie keine Therapie! Wir sind ja auch aus dem giftigen Klima von Washington weggezogen und leben jetzt in Santa Fe.

Sie arbeiten dort am unabhängigen Santa- Fe-Forschungs- und -Lehrinstitut. Vermissen Sie Ihren Agenten-Job?

Ja schon, ich habe meinen Job wirklich geliebt. Ich würde jetzt im Ausland leben und wäre in Sachen nukleare Abrüstung im Einsatz. Stattdessen musste ich schnell lernen, mit meiner neuen Rolle als öffentliche Person umzugehen. Ich mag diese Rolle nicht besonders, aber sie hilft mir, mich für die Aktivisten-Gruppe Global Zero für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Denn wenn wir das Atomwaffen-Problem nicht in den Griff kriegen, spielen alle anderen Probleme keine Rolle mehr.

Wie stehen Sie heute der CIA gegenüber?

Die CIA hat viele Fehler, ich verteidige sie nicht. Aber ich glaube an einen starken Geheimdienst. Deshalb halte ich auch Enthüllungen von Wikileaks für problematisch. Es gibt Informationen, die wirklich geheim bleiben müssen. Wozu mein Werdegang hingegen nicht gehört. Ich darf beispielsweise über meine Verbindung zur CIA vor 2002 nichts sagen. Ich bin quasi vom Himmel gefallen und arbeitete plötzlich für die CIA! Offenbar sollte die Publikation meines Buches so verhindert werden. (In Plames Buch «Fair Game» sind seitenweise Textstellen zensuriert, Anm. d. Red.)

Ihr Buch «Fair Game» ist jetzt ein Film mit Naomi Watts und Sean Penn in den Hauptrollen. Wie vergleicht sich das Hollywood-Bild von Agenten mit der Wirklichkeit?

«Fair Game» ist kein Dokumentarfilm, aber es war allen wichtig, dass die Fakten stimmen. Ich bin wie die meisten Leute ein Fan von Bond-Filmen und dergleichen, aber das ist natürlich wirklich Fantasy. Diese einsamen Wölfe wie Jason Bourne gibt es nicht. Man arbeitet bei der CIA immer im Team. Ich hatte immer Analysten, Techniker und eine Überwachungs-Crew dabei. Hollywood porträtiert Agentinnen meistens als Venusfalle, aber ich versichere ihnen: Die US-Regierung hat Hunderttausende von Dollars in meine Ausbildung gesteckt und die beinhaltete nichts Horizontales.

Film: Fair Game, USA, 105 Minuten, Regie: Doug Liman. Mit Naomi Watts, Sean Penn u.a.

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