Kino

«Es ist eine tolle Geschichte über Beziehungen»

Trailer zum Film «Ted» mit Mark Wahlberg

Trailer zum Film «Ted» mit Mark Wahlberg

Mark Wahlberg hat in Seth MacFarlane’s Film «Ted» einen quasselnden Teddy als Schauspielpartner. Im Interview sagt der US-Star, ob er als Kind selbst ein Kuscheltier hatte und welche Erinnerungen er an seine Zeit als Rapper hat.

Ein Film über einen Teddy-Bären, der spricht – das muss den Fünfjährigen in Ihnen angesprochen haben.

Mark Wahlberg: Ursprünglich nicht. Ich fand es eher lächerlich. Aber Seth MacFarlane, der Autor und Regisseur, und ich haben den gleichen Agenten. Er hat mich quasi gezwungen, das Drehbuch zu lesen. Auf Seite 30 hatte ich den Bären schon vergessen und fand, es sei eine tolle Geschichte über Beziehungen. Ich hatte nur Bedenken, dass ich ja meistens alleine vor der Kamera seine würde und gewisse Szenen wie singen, tanzen und kämpfen mit einem Teddy lächerlich rüberkommen würden.

Wie haben Sie das Problem für sich gelöst, vor der Kamera alleine mit einem unsichtbaren Partner zu agieren, der später digital eingesetzt wurde?

Ich habe es schnell genossen, mich zwei Monate nicht mit einem anderen Schauspieler herumärgern zu müssen. Einmal ohne dieses ewige «Stimmt’s für Dich?», «Ich glaube, wir sollten es so machen» war toll – wir machten es einfach. Fertig. Die Kampfszene fühlte sich trotzdem bescheuert an, aber wenn ich die Reaktion des Publikums höre, muss ich annehmen, dass sie funktioniert.

Hatten Sie selber je einen Teddy-Bären, dem Sie sehr nahe waren?

Ich hatte ein Äffchen und deshalb nannten mich auch alle Monkey. Ich musste ihn ein paar Mal aus dem Abfall retten und wegen ihm hatte ich mein erstes ernsthaftes Gespräch mit meinem Vater.

Worum ging es da?

Ich sagte ihm, ich hätte es nicht gerne, wenn er mich Monkey, also Affe, nenne. Und da fragte er mich, wie ich denn genannt werden wolle, und ich sagte «Mike». Mir gefiel der Name einfach. Und von da an nannte mich mein Vater immer Mike. Selbst noch im Altersheim vor seinem Tod erzählte er den Leuten von seinem Sohn Mike, der Filme macht. Sie meinten, er hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Es sind jetzt 20 Jahre her, seit Sie als Rapper Marky Mark berühmt wurden. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Viele gute, aber an vieles kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich meinte, ich sei noch nie in New Orleans gewesen, als ich dort drehte, aber dann hiess es, ich sei da auf Tournee gewesen, und tatsächlich kam mir in den Sinn, dass wir im Tour-Bus diese Plastik-Perlenketten hatten, die man sich an Mardi Gras umhängt. Es war eine kurze Zeit und ich musste sie vergessen machen, wenn ich eine ernsthafte Karriere in Hollywood haben wollte. Ich lasse mir nun auch meine Tätowierungen von damals entfernen.

Tut das weh?

Ja, und es gibt Striemen, die lange nicht heilen! Es ist, wie wenn dich jemand mit siedend heissem Speckfett bespritzt. Ich nehme die ältesten zwei Kinder mit – zur Abschreckung. Der Arzt sagte mir, es brauche fünf, vielleicht sieben Visiten. Nun war ich schon dreissigmal da und sie sind immer noch nicht ganz weg.

Sie sind vom jugendlichen Knacki zum braven Ehemann und vierfachen Vater geworden ...

... und bald auch zum High-School- Absolventen. Ich hole übers Internet meinen Schulabschluss nach, damit die Kids mal nicht sagen können, sie wollten von der Schule, denn ich hätte ja auch keinen Abschluss.

Was brachte die Wende?

Mein Glaube. Er ist der wichtigste Aspekt meines Lebens. Ich fange jeden Tag auf meinen Knien betend an, und wenn ich aus dem Haus gehe, fahre ich zuerst für zehn Minuten in eine Kirche. Meinen Kindern ist das zu lang, aber mir hilfts. Jeder Mensch erlebt Verluste und Enttäuschungen, aber wenn man glaubt und hofft, kann man weitergehen.

Worum beten Sie?

Nicht um materielle Dinge. Für die Kraft, ein gutes Beispiel zu sein, Gott zu dienen, ein guter Vater, Ehemann, Sohn, Bruder und Freund zu sein. All das Leid, das ich früher andern zufügte, hoffe ich, so wieder gutzumachen.

Vermissen Sie Ihre wilden Jahre gar nicht?

Doch, manchmal schon. Meine damalige Freundin und heutige Frau fand es aber etwas mühsam, dass ich mit sechs Typen zusammenlebte und nur an ihr interessiert war, wenn die Kumpels schliefen. So zog ich aus, aber es dauerte dann immer noch eine Weile, bis ich sie am 1.August 2009 heiratete. Bislang hatte ich meine Freunde zum Herumalbern auf dem Set dabei. Aber jetzt streikt sogar mein Assistent und sagt, sie seien ein Problem und trieben ihn zum Wahnsinn. Also muss ich wohl in Zukunft alleine zurechtkommen. Nicht wie Leo DiCaprio. Da waren alle Kumpels in Australien auf dem Set von «The Great Gatsby»!

Grund zum Neid gibt es ja nicht: Sie haben in Anlehnung an Ihre «Entourage» ja eine gleichnamige erfolgreiche TV-Serie produziert, gehören beim Sender HBO zu den gefragtesten Fernseh-Machern («Boardwalk Empire», «In Treatment»). Wollten Sie nicht eine Serie mit Ihren Brüdern Donnie und Paul produzieren?

Ja, Paul ist das wahre Talent in der Familie. Er ist ein Spitzenkoch. Wir haben zwei Restaurants, das schickere Alma Nove und gegenüber das Wahlburgers, wo wir an einem Freitag oder Samstag 17000 Dollar in Burgers umsetzen. Das sind 1400 Burger im Tag! Meine Mutter ist der Boss da und schreit alle an, so wie sie mich früher immer anschrie (lacht). Wir hatten einen Deal mit einer TV-Anstalt, aber die wollten uns zu viele Restriktionen auferlegen. Immerhin: Es bringt die Familie wieder näher zusammen.

Ted (USA 2012) 115 Min. Regie: Seth MacFarlane. Mit: Mark Wahlberg, Mila Kunis. Seit heute in den Schweizer
Kinos.

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