Analyse

Erste Folge «Late Update»: Wir würden gerne lachen

In ihrer Analyse zur ersten Folge von Michael Elseners «Late update» schreibt Sabine Kuster: «Wie um alles in der Welt soll die Sendung Kult-Charakter bekommen? Wo sind die coolen Details?»

Ein neuer Versuch, die Nation zum Lachen zu bringen. Leider sind wir am Morgen danach nicht leichtfüssig aufgestanden, das Kitzeln noch im Hals, welches die staatlich gelieferte Erheiterung in uns hinterlassen hätte. Wir haben uns stattdessen ins Internet eingeloggt und Frust abgelassen über Michael Elseners Premiere mit seiner Satire-Show «Late update» auf SRF.

«Eine Nullrunde», «Einmal und nie wieder», «Wer sitzt da im Publikum? Nur die Verwandtschaft und bezahlte Profi-Klatscher». So lauten einige Kommentare. (Die Schelte von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder zählt dabei nicht: Elsener hat sie in eine Pointe integriert, worauf sie prompt twitterte, sie habe kein einziges Mal gelacht.) Auch wo online abgestimmt werden konnte, lagen die Kritiker meist deutlich vorne.

Nichts anderes war zu erwarten. Aus drei Gründen:

Erstens wollen wir, Herrgottnochmal, erheitert werden, wenn Satire im Fernsehprogramm steht. Wir würden gerne 46 Minuten lang vor uns hinkichern und den ganzen ernsten Alltag vergessen. Ist dem nicht so, sind wir enttäuscht. Manchmal halt so sehr, dass wir einen wenig humorvollen Kommentar zum Thema Humor hinterlassen.

Zweitens gibt es zu Beginn einer Sendung immer Kritik. Viktor Giacobbo und Mike Müller bekamen 2008 wie Elsener Vorschusslorbeeren und in der ersten Sendung die Traumquote von 619'000 Zuschauern. Elsener schaffte am Sonntag immerhin 412'000 Zuschauer.

Bei «Giacobbo/Müller» waren es eine Woche später dann noch 491'000 Zuschauer und Kritiker fanden, die Sendung sei an «Harmlosigkeit nicht zu überbieten». Nun aber gilt «Giacobbo/Müller» als Vorbild und es heisst, Elsener trete in «grosse Fussstapfen». Es ist so: Wir müssen uns zuerst mit dem neue Format anfreunden.

Drittens: Es ist zu befürchten, dass an den schlechten Umfrageresultaten der Online- Medien was dran ist. Es gab zwar auch positive Kommentare, wie «Gratuliere zum Einstand, frisch, frech, aktuell – gerne mehr davon» oder «Als Einstieg schon mal ganz gut». Ich persönlich habe zweimal hörbar gelacht. Tat gut.

Und nebenbei hat Elsener etwas eigentlich Unmögliches geschafft: Er hat Satire über den todernsten Klimawandel gemacht. Die Satire war der Deckmantel eines klaren Statements. Dass so was seine Mission ist, hat Elsener schon im Vorfeld gesagt: «Ausgerechnet wenn es um die Gesellschaft geht, findet man es irgendwie kompliziert und anstrengend? Es gibt ein Grundbedürfnis nach informativer Komik. Man muss die Dinge nur einfacher darstellen können», sagte er in der «NZZ am Sonntag». Mission geglückt: Schulmeisterlich wars schon, aber lustig, der Guacamole-Song hat Hit-Charakter.

Neckische Features fehlen – oder werden hoffentlich noch sichtbar

Bloss: Wie um alles in der Welt soll die Sendung Kult-Charakter bekommen? Wo sind die coolen Details? Doch nicht etwa das Wasserglas auf dem Moderatoren-Pult mit Holz-Optik und dem Charme eines Praxis-Empfangs? Die Icons wie auf dem Hintergrundbild findet man in jeder Shoppingcenter-Signaletik.

Eingangs der Show fragt Viktor Giacobbo Michael Elsener noch, wo denn die Kaffeemaschine sei. Zu recht. Es war jenes Objekt, zu dem Mike Müller einmal pro Sendung gepilgert ist und das zum Flair der Sendung beitrug. Falls es bei Elsener ein potenzielles Kult-Objekt gibt: Ich habs übersehen.

Gute satirische Unterstützung hatte Elsener zwar: Renato Kaiser, Patty Basler und Matto Kämpf lieferten drei witzige Sketches, die mit den Einspielern bei «Giacobbo/Müller» mithalten können. Aber der Sidekick fehlt. Elsener steht alleine da.

Da hatte ihm Dominic Deville etwas voraus. Ganz so Satire-leer war das SRF seit dem Ende von «Giacobbo/Müller» nämlich nicht: «Deville» lief seit 2016 und er hatte den ultra-coolen Sidekick Ágota Dimén, eine stylishe Dame aus Transsilvanien, die Deville in einer guten Mischung von vorwitziger Schüchternheit ins Wort fiel. Deville hat Ágota Dimén leider nicht in seine Show mitgenommen, die ab März im Wechsel zu Elsener laufen wird.

Aber warten wir ab. Vielleicht kitzelt es am nächsten Montag morgens im Hals. Die ständigen Verweise darauf, dass man ja den Ombudsmann anrufen könne oder defensive Sprüche wie «War das jetzt zynisch?» oder «Oh, war das zu hart?» lässt Elsener dann hoffentlich sein.

sabine.kuster@chmedia.ch

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