Wir scherzten damals im Gymi über das Inserat. Sie suchten irgendwelche Jungschauspieler für irgendeinen Film. Wir schlossen eine Wette ab: Der Verlierer muss zum Casting. Ich verlor. Für die Hauptrolle reichte es nicht, aber ich erhielt eine Nebenrolle im Film «Stationspiraten» von Mike Schaerer. Einen Tag stand ich vor der Kamera. Das hat mir sehr gefallen, mit all den Abläufen, Kameras, dem Regisseur und den Schauspielern, und dass man sich am Schluss selbst auf der Leinwand sieht. Dies war meine erste Kameraerfahrung. Ganz unerfahren war ich aber nicht.

In Stäfa stand ich das erste Mal vor Publikum. Regisseur Tomas Wullschleger – er ist leider verstorben – war für mich ein Genie. Er nahm die grossen Klassiker, wie zum Beispiel Macbeth, hat sie leicht umgewandelt und selbst dazu komponiert. Mit uns bereitete er diese Stücke vor. Dort bemerkte ich, wie genial diese Geschichten sind, wie viel Spass es macht, sie auf die Bühne zu bringen. Da hat es mir den Ärmel reingezogen. Später schrieb ich auch ein eigenes Stück für meine Maturaarbeit, «Nur eine Erinnerung» hiess es. Das Ganze spielt in einer Anstalt. Ich bin der Patient. Nach und nach kommen Erinnerungen zurück, bis ich wahnsinnig werde. Am Schluss stellt der Zuschauer fest, dass ich meine Freundin umgebracht habe. Ein schwieriges Stück, doch meinen Lehrern schien es zu gefallen: Ich bekam eine Sechs.

Trotz meiner Liebe zum Theater war ich nach der Matura nicht sicher, ob ich nicht doch etwas Richtung Diplomatie machen sollte. Weil ich gern reise und trotzdem Geld verdienen wollte, wurde ich zuerst einmal Flight Attendant. Nach eineinhalb Jahren war ich bereit für die Schauspielschule und machte die übliche Vorsprechtour – Schweiz, Deutschland, Österreich. Meine Filmerfahrungen standen mir aber im Weg. Sie sagten, dass Potenzial und Talent da seien, aber ich nicht mehr formbar wäre und meinen Weg schon gefunden hätte. Das frustrierte mich sehr, ich war bereit für die Schule und wäre sehr gern hingegangen. Dann erinnerte ich mich an Giles Foreman, bei dem ich mal einen Kurs besuchte. Er sagte, ich solle nach London kommen. Darum studiere ich seit letztem Jahr dort. Es ist sehr streng, aber mir gefällt es enorm.

Mit den Schauspielschulen hat es anfangs zwar nicht geklappt, mit den Filmen dafür umso mehr. Ich rutschte immer wieder in neue Rollen, hatte immer sehr viel Glück. Im neusten Film «Der Hamster» spiele ich René. René arbeitet mit Toni in einem Elektronikfachhandel. Toni ist in der Midlife-Crisis, hat Krach mit Frau und Tochter. Wir freunden uns an, helfen uns gegenseitig. Für diese Rolle bekomme ich den Filmpreis. Das war total überraschend für mich, ich bin ja immer noch in der Ausbildung! In Solothurn werde ich eine Dankesrede halten. Was ich sagen werde, weiss ich noch nicht. Ich werde nicht improvisieren, aber mich erst kurz vorher festlegen. Aufgezeichnet von Simon Huwiler

«Der Hamster» von Thomas Gerber (Prix Du Public), 25.1., 17 Uhr, Reithalle; 28. 1., 20.45 Uhr, Reithalle.