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Diese High-School-Serie soll die Musikindustrie retten

Bringen Leben in die serbelnde US-Musikindustrie: Die Darsteller der Fernsehserie «Glee». Foto: ho

Bringen Leben in die serbelnde US-Musikindustrie: Die Darsteller der Fernsehserie «Glee». Foto: ho

Eine neue US-Serie belebt das Musikgeschäft und ist ab 10. Januar im Schweizer Fernsehen zu bewundern. Die Hauptdarsteller der High School-Serie entsprechen so gar nicht den gängigen Klischees.

Endlich einmal gute Nachrichten aus der serbelnden Musikindustrie: Die Cover-Songs aus der TV-Serie «Glee» verkaufen sich wie warme Weggli. Das amerikanische Musik-Fachblatt «Billboard» überschlägt sich verdutzt mit Statistiken: «Im Oktober übertraf die Anzahl Songs, die das Serien-Ensemble bis anhin in die Billboard Top 100 gebracht hat, jene der Beatles. Bis Dezember hatten sie 102 Songs in den Charts. Man darf annehmen, dass der Rekord von Elvis Presley mit 108 Songs auch noch fallen wird.»

Wer bitte singt hier? Und was ist «Glee»? «Glee» (was zu Deutsch so viel wie «Frohlocken» heisst, aber auch einen mehrstimmigen Gesangsstil beschreibt) ist im Gerüst eine High-School-Serie. Nur: Die zentralen Figuren sind alle nicht cool, nicht zuletzt auch, weil sie im Schulchor (Glee-Club) sind.

Unbekannte Talente

Das Ensemble, zusammengesucht aus unbekannten Theater- und Gesangstalenten von «Nip/Tuck»-Schöpfer und «Eat, Pray Love»-Regisseur Ryan Murphy, enthält jede Minorität unter dem Regenbogen: Da ist zum Beispiel die übergewichtige schwarze Mercedes, der gehbehinderte Artie, der homosexuelle Kurt, die asiatische Grufti Tina sowie der leicht kriminelle Puck, der eher einfach gestrickte Footballer Finn, die stimmgewaltige Jüdin Rachel mit zwei Vätern und die anfänglich als Spioninnen eingeschleusten Cheerleaderinnen – die sympathisch-einfältige Brittany, die Latina Santana und die alsbald schwangere Quinn.

Ein Bösewicht darf natürlich auch nicht fehlen: Es ist Sue Sylvester, eine karrieredefinierende Rolle für Jane Lynch, als Cheerleader-Trainerin, die mit dem Chorleiter Will Schuester (Matthew Morrison) um das Budget für die Freifachkurse und um die Seele der lebensphilosophisch noch zu formenden Schüler streitet.

«90210» ohne blasierte Reiche

Die LebensLektionen werden per durchchoreografierte Musical-Nummern gelernt – quasi «Beverly Hills 90210» ohne blasierte Reiche, getunkt in eine Mischung aus «Kampf der Chöre» und «Mamma Mia». «Ich wollte nach der düsteren Show ‹Nip/Tuck› etwas Optimistischeres machen – mit Musik. Ich war ja selbst mal in einem Glee-Club», schmunzelt Ryan Murphy im Paramount-Studio, wo die Serie gedreht wird. «Bei ‹Nip/Tuck› ging es um Transformation, dies ist eine Show über die Schwierigkeit, sich selber zu bleiben.»

Die Hits der ersten Staffel, die der Glee-Club einstudierte, waren Aufmunterungs-Klassiker wie «Don’t Stop Believing» der Rockband Journey, Tina Turners fürs Rollstuhl-Ensemble choreografierte «Proud Mary» und Barbra Streisands «Don’t Rain on My Parade», als Solo vorgetragen von Lead-Chanteuse Lea Michele. «Ich bin seit Kindheit von Barbra Streisand besessen», so die 24-Jährige, die die ebenso liebenswürdige wie nervige Diva Rachel spielt. «Ich fand, sie sah aus wie ich, und glaubte, ich sei ‹Funny Girl›. Als dann alle meine Freundinnen ihre Nasen operierten, überzeugte mich meine Mutter, das nicht zu tun, da Barbra das ja auch nie gemacht hat.»

Tournee durch die USA

Schönheitsoperationen passen nicht zum Image der Glee-Kids – und sie hätten auch keine Zeit dazu, denn zwischen den beiden bisher gedrehten Staffeln reisten sie mit einer Mini-«Glee»-Tournee durch die USA. Der «Glee»-Effekt ist in den USA nicht nur in den Charts enorm: Musische Freifächer werden allerorts gekürzt, aber die Glee-Clubs spriessen wieder wie Pilze aus den Schulböden. Derzeit findet ein landesweiter Castingwettbewerb für die Reality-Show «The Glee Project» statt, bei der es eine Gastrolle in der Serie zu gewinnen gibt. Und dann sind natürlich die Stars, die Ryan Murphy quasi die Tür einrennen. Inder zweiten Staffel gibt beispielsweise Gwyneth Paltrow Cee Lo Greens kindergerecht umgenannter Hit «Forget You» zum Besten.

Obwohl die mit viel Humor gespickte Serie in einer Schule spielt, hat sie es geschafft, auch die Vor- Youtube-Generationen anzusprechen. Er mache die Show für sich, seinen Neffen und seine Grossmutter, sagt Murphy. Und letztlich für den Träumer, der in uns allen schlummert: «Meine Mutter war eine Schönheitskönigin, aber hatte mich mit 19 – ich habe quasi ihre Träume zunichte gemacht. Wir lebten auf dem Land, aber der Glee-Club hat mir geholfen, meine Träume zu verwirklichen.»

Glee. Ab 10. Januar 2011, 21.40 Uhr auf SF2.

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