Wir treffen Luna Wedler in einem Zürcher Café zum Gespräch. Sie fingert an ihren Haaren rum, ihre Augen blitzen auf, sie zappelt. «Ich konnte noch nie still sitzen», sagt die Schauspielerin aus Zürich, die diesen Monat 18 Jahre alt wird, «es brodelt einfach in mir drin.» Ihre Sommersprossen zeugen schon ein bisschen von diesem inneren Feuer, vor allem aber ihre Auftritte im Kino und Fernsehen.

Wenn Luna Wedler vor der Kamera steht, ist sie ein Vulkan, eine Naturgewalt. Sie fällt sofort auf und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Zum Beispiel im Fernsehfilm «Zwiespalt», der am Sonntag vor einer Woche auf SRF lief. Oder im Kinofilm «Blue My Mind», der gestern Abend am Zurich Film Festival Schweizer Premiere feierte und Luna Wedler erstmals in einer Hauptrolle zeigt.

Der Trailer zu «Blue My Mind»

Blue My Mind – der Trailer

In beiden Filmen kommt es gleich mehrmals zur Explosion: Luna Wedler spielt Teenager, die austeilen, streiten, rumschreien und die eigenen Eltern in den Wahnsinn treiben. «Meine Mutter hatte es auch nicht immer leicht mit mir», sagt die junge Schauspielerin. «Das liegt ganz einfach am Alter. Mit 16 kommst du ja kaum mit dir selbst klar.»

Faszination für die dunkle Seite

Aufgewachsen ist Luna Wedler im Zürcher Kreis 6, als mittleres von drei Kindern. Zur Schauspielerei führte sie ihre eigene Neugier. Im Alter von 14 Jahren machte sie beim Casting für das Schweizer Mobbing-Drama «Amateur Teens» mit, «einfach mal so». Wedler tat sich zunächst schwer damit, sich für die Rolle zu verstellen. «Ich dachte: Das würde ich niemals tun, das bin doch nicht ich.» Doch dann begriff sie: Genau das ist Schauspielerei.

Ein Schlüsselerlebnis. Seither gibt es für Luna Wedler nichts anderes. «Schauspielerei ist für mich eine Welt, in der ich neue Seiten an mir entdeckte», schwärmt sie. Sie liebe es, einer Figur Leben einzuhauchen und auch mal dunkle Seiten herauszuschälen. Wie nun in «Blue My Mind». Luna Wedler spielt darin die 15-jährige Mia, die in eine neue Schule kommt und dort den Anschluss sucht. Davon haben zwar schon unzählige Filme erzählt. Aber selten derart radikal zugespitzt wie in «Blue My Mind» (Regie und Buch: Lisa Brühlmann).

Einerseits ist da Mias Kampf gegen ihren eigenen Körper, der sich auf sonderbare Art verändert. Ohne zu viel zu verraten: Was Mia durchmacht, ist Pubertät in Extremform. Andererseits stürzt sich das Mädchen, genau wegen dieses Kontrollverlusts über den eigenen Körper, in eine exzessive Lebensweise – inklusive Drogen, wilden Partys und Sex. Kein Film für schwache Nerven also.

«Das gibt mir einen Kick»

«Diese Rolle ging mir psychisch nahe und forderte alles von mir», sagt Luna Wedler. Wer den Film sieht, glaubt ihr aufs Wort. Denn die 17-Jährige hält nichts zurück, wirft sich ohne Kompromisse in ihre Figur hinein. Umso schwieriger sei es deshalb gewesen, eine gesunde Distanz zum Filmstoff zu wahren. «Doch wie das am besten geht, bin ich noch am Lernen.» Die Nachwuchsdarstellerin steckt mitten in der Ausbildung an der European Film Actor School in Zürich, arbeitet nebenbei aber bereits an drei neuen Projekten. «Ich drehe derzeit mit Lorenz Merz einen Film, der schon wieder solche krassen Szenen beinhaltet. Ich bin ein Adrenalin-Junkie und brauche das, solche Herausforderungen geben mir einen Kick.»

Zwischen stark und zerbrechlich, kämpferisch und kaputt lotet Luna Wedler in «Blue My Mind» eine gewaltige schauspielerische Bandbreite aus. Da können am diesjährigen Zurich Film Festival Hollywoodstars wie Alicia Vikander, Glenn Close und Jake Gyllenhaal über den grünen Teppich schlendern: das hellste schauspielerische Glanzlicht setzt eine 17-jährige Zürcherin.

Blue My Mind (CH 2017) 97 Min. Regie: Lisa Brühlmann. Zurich Film Festival: 4. 10., 18.30, Arena; 7. 10., 16.15, Piccadilly; 8. 10., 17.30 Uhr, RiffRaff. Ab 9. November im Kino.HHHHH