Film

Die Unmöglichkeit, stets das Richtige zu tun

«In einer besseren Welt» - Der Trailer zum Film

«In einer besseren Welt» - Der Trailer zum Film

«In A Better World» von Susanne Bier gewann den Oscar als bester ausländischer Film. Ein packendes Drama, das zwischen Afrika und Dänemark, aber auch zwischen Vater und Sohn hin und her wechselt.

Wenn Anton am Ende eines langen Tages auf der Ladefläche des Range Rovers das Camp verlässt, ist er ein Star. Kinder rennen ihm in Scharen nach, begeisterte Menschen winken ihm zu. Das Gesicht voller Staub, das T-Shirt voller Blut, blinzelt der Arzt dann erschöpft in die untergehende Sonne Afrikas und ist glücklich.

Anton ist Arzt, weil er anderen helfen will. Und er tut es nicht im heimischen Dänemark, sondern im afrikanischen Flüchtlingscamp, weil er ein grosser Idealist ist. Und ein kleiner Feigling: Denn zu Hause warten auf ihn Probleme, die nicht mit Skalpell, Spritze und Verbandszeug zu lösen sind. Während Anton in Afrika Leben im Akkord rettet, hängt seine Ehe mit der zu Hause gebliebenen Krankenpflegerin Marianne längst am seidenen Faden.

Schlimmer noch steht es um seinen Sohn Elias, der in keiner Hinsicht viel von seinem Vater hat. Nicht seine Zeit, nicht seine stoische Ruhe und nicht sein Selbstbewusstsein. Im Gegensatz zum Vater ist Elias ein Aussenseiter, in der Schule gehänselt und bedroht. Da kommt der Neuankömmling Christian gerade recht. Der Diplomatensohn ist es gewohnt, sich regelmässig an neuen Schulen zurechtzufinden, sich gegen Bullies zu behaupten.

Wechsel zwischen Schauplätzen

Regisseurin Susanne Bier («Things We Lost in the Fire») baut die feinfühlige Charakterstudie gemächlich zum packenden Drama auf, indem sie zwischen den Schauplätzen Afrika und Dänemark, zwischen Vater und Sohn fast unmerklich hin und her wechselt, ehe sie die Handlungsebenen mit voller Wucht kollidieren lässt.

Bei einem Aufenthalt zu Hause gerät Anton in einen Disput mit einem dorfbekannten Rüpel. Anton lässt sich jedoch nicht provozieren, hält die sprichwörtliche zweite Wange hin und bekommt erst recht eine gedonnert. Was als Beweis hätte dienen sollen, dass Gegengewalt falsch ist, bringt Elias und seinen jüngeren Bruder zur schmerzlichen Erkenntnis, dass ihr Vater ein Weichei ist. Gemeinsam mit Christian schmieden sie einen Racheplan, der bald ein ungeahntes – und schliesslich ungewolltes – Ausmass annimmt. Auch die Geschehnisse im Flüchtlingscamp spitzen sich zu. Antons Kampf um Menschenleben gleicht einer Sisyphusarbeit. Immer öfter muss er grausam verstümmelte Frauen notoperieren: Die Verletzungen gehen auf das Konto von Big Man.

Eines Tages erscheint Big Man im Lazarett, um eine eiternde Beinwunde verarzten zu lassen. Anton gerät in ein Dilemma zwischen Idealen auf der einen, seinem Arztgelübde auf der anderen Seite. Seine Unfähigkeit, eine Entscheidung zu fällen, macht ihn zum Gespött unter Helfern und Patienten. Erst als Big Man in den Spott einstimmt, platzt dem beherrschten Arzt der Kragen, und er kennt keine Gnade mehr.

Hervorragend besetzt

«In A Better World» ist durchweg herausragend besetzt. Der knapp zweistündige Film, der die Unmöglichkeit aufzeigt, stets das Richtige zu tun, wurde mit dem Golden Globe und dem Oscar für den besten ausländischen Film 2011 geehrt. Immerhin da wurde eindeutig das Richtige getan.

In a Better World (DK/SE 2010) 119 Min. Regie: Susanne Bier. HHHHI

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