TV-Kritik

Die «Tagesschau»: Ein solides Nachrichtenformat ohne Tiefgang

«Tagesschau»-Moderatorin Beatrice Müller im Studio.

«Tagesschau»-Moderatorin Beatrice Müller im Studio.

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

Die Hauptausgabe der «Tagesschau» ist das Nachrichten-Flaggschiff des Schweizer Fernsehens. Nach wie vor lockt die Sendung im Durchschnitt knapp 800000 Personen vor die Bildschirme. Doch verliert die «Tagesschau», wie vergleichbare Formate im Ausland, stetig Zuschauer. Für viele Medienkonsumenten ist sie längst nicht mehr die unverzichtbare Informationsquelle, die sie bis vor ein paar Jahren noch war.

Am Montag berichtete das sichtlich eingespielte Newsteam um die routinierte Moderatorin Beatrice Müller unter anderem über die jüngsten Entwicklungen in Libyen, die Sanierung der SBB-Pensionskasse, die Expansion von Kuoni im Online-Reisegeschäft und den Gerichtsprozess gegen den französischen Ex-Präsidenten Jacques Chirac - ein breiter und stimmiger Themen-Mix, zweifellos. Auch an der Umsetzung der Beiträge gibt es kaum etwas zu bemängeln, die Macher verstehen ihr Handwerk.

Lediglich: Wer sich tagsüber über das Geschehen informiert, der erfährt in der «Tagesschau» kaum mehr etwas Neues. Eine eigentliche Vertiefung der Themen findet in der Sendung, von sporadischen Experten-Interviews und Schaltungen zu den Korrespondenten einmal abgesehen, kaum statt. Auch an eigene Recherchen abseits des täglichen Nachrichtenflusses wagen sich die Redaktoren nur in seltenen Fällen.

Das mag vielleicht dem Konzept der Sendung entsprechen, wonach die «Tagesschau» in erster Linie einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des Tages zu bieten hat. Gut möglich allerdings, dass dieses Konzept in Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen auch im Internet und über mobile News-Plattformen informieren, bald überholt ist. (bau)

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