Solothurner Filmtage

Die neue Direktorin setzt auf Bewährtes

Wer kennt Seraina Rohrer? Eine Strassenumfrage in Solothurn

Wer kennt Seraina Rohrer? Eine Strassenumfrage in Solothurn

Das erste Programm der neuen Direktorin der Solothurner Filmtage, Seraina Rohrer, liegt vor. Sie will das Schweizer Filmschaffen präsentieren und feiern. Trotzdem weht ab dem 19. Januar auch ein Hauch Hollywood durch die Ambassadorenstadt.

Die Solothurner Filmtage sind in Frauenhand – zumindest am Eröffnungsabend. Neben der neuen Direktorin Seraina Rohrer und Christine Beerli, der Präsidentin der Filmtage, wird auch die frisch gewählte Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf eine Eröffnungsrede halten.

Doch die 33-jährige Powerfrau erteilt einer grundlegenden Erneuerung der Filmtage eine Absage. Es soll alles «gäng wie gäng» bleiben, wie sie sich ausdrückt. «Die Solothurner Filmtage sollen bleiben, was sie sind», erklärt Rohrer. Das mit zuletzt 55000 Besuchern nach Locarno zweitgrösste Filmfestival der Schweiz soll die wichtigste Werkschau des Schweizer Films bleiben. «Wir wollen in Solothurn das Schweizer Filmschaffen präsentieren und feiern», sagt Seraina Rohrer.

Ein Hauch Hollywood

Trotzdem weht ab dem 19. Januar (bis 26. Januar) auch ein Hauch Hollywood durch die Ambassadorenstadt, denn als Stargäste sind Xavier Koller und Marthe Keller gemeldet. Die 66-jährige Basler Schauspielerin ist Ehrengast in Solothurn, präsentiert eine Auswahl ihrer Filme und berichtet über Erfahrungen ihrer langjährigen internationalen Karriere. Der in Los Angeles wohnhafte Schweizer Regisseur, der 1991 mit seinem Film «Reise der Hoffnung» einen Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann, wird die Filmtage am 19. Januar mit der Premiere von «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» eröffnen. In den Hauptrollen spielen Hanspeter Müller-Drossaart, Nils Althaus und die bezaubernde Carla Juri.

Trailer: Eine wen iig, dr Dällebach Kari

Trailer: Eine wen iig, dr Dällebach Kari

Herzstück der 47. Solothurner Filmtage bleiben auch unter Rohrer der Jurypreis «Prix de Soleure» sowie der Publikumspreis «Prix du Public». Auf den mit 60000 Franken dotierten «Prix de Soleure» ist die neue Chefin besonders stolz. Nominiert sind unter anderen mit «Vol Spécial» von Fernand Melgar und der «Der Verdingbub» von Markus Imboden zwei der wichtigsten Schweizer Kinofilme des Jahres. Dazu kommen die hochkarätigen Premieren «Courage» von Greg Zglinski sowie «Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit Wasser» von Urs Schnell.

Aber auch die Filme, die für den Publikumspreis nominiert sind, haben es in sich. Zum Beispiel die sechs Premieren «Liebe und andere Unfälle», eine Komödie von Thomas Gerber mit Lea Hadorn, «Alpsegen» von Bruno Moll, «Puppe» von Sebastian Kutzli, «Balkan Melodie» von Stefan Schietert, der Hippiefilm «My Generation» von Veronika Minder und «Die Wiesenberger» von Bernhard Weber über die Jodler vom Wiesenberg, die mit dem Lied «Das Feyr vo dr Sehnsucht» sich plötzlich in der Hitparade wiederfanden. Dazu noch «Alles eis Ding» der jungen Regisseurin Anita Blumer mit der verstorbenen Stephanie Glaser in einer ihrer letzten Rollen sowie der in Deutschland gefeierte Endzeit-Thriller «Hell» von Tim Fehlbaum.

Die Neuerungen

Rohrer setzt also auf das Bewährte, trotzdem gibt es in der 47. Ausgabe der Filmtage einige Neuerungen:

«Upcoming»: Ein neuer Schwerpunkt in Solothurn, der das junge Schweizer Filmschaffen ins Rampenlicht stellt. In diesem Gefäss kann man Talente entdecken und aktuelle Tendenzen aufspüren.

Kurzfilm-Wettbewerb: Im Rahmen von «Upcoming» wird ein Wettbewerb durchgeführt. Gesucht wird das beste einmütige Remake des Schweizer Klassikers «Die Schweizermacher».

«Fokus»: In dieser Reihe werden Filme zu einem aktuellen Film-Thema präsentiert. Das diesjährige Thema lautet «Jenseits des Kinos». Gezeigt werden Filme, die die Grenzen des Kinos sprengen. Der Bruch mit Konventionen bringt neue, spannende Formen hervor, die das Kino von morgen prägen können.

Kinder- und Jugendfilm: Ein neuer Schwerpunkt in Solothurn sind Filme für Kinder und Jugendliche. Neben Sondervorstellungen für Schulen werden drei Programme, unterteilt in Altersgruppen zwischen 6 und 16 Jahren, präsentiert.

Weniger überladenes Programm

Das erste Programm von Seraina Rohr macht einen entschlackten, weniger überladenen Eindruck. «Wir haben versucht zu erreichen, dass es im Programm weniger Überschneidungen gibt», erklärt Rohrer. Und noch etwas liegt der neuen Direktorin am Herzen: «Der Film und die Debatte über den Film soll wieder im Mittelpunkt stehen, nicht die Filmpolitik und die Filmförderung», sagt Rohrer.

Detailliertes Programm: www.solothurnerfilmtage.ch

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