In «The Imitation Game» spielen Sie den britischen Mathematiker und Computer-Pionier Alan Turing, der im Zweiten Weltkrieg massgebend daran beteiligt war, den Enigma-
Geheimcode der Nazis zu knacken. Der Film erzählt aber mehr als die Geschichte eines genialen Kriegshelden …

Benedict Cumberbatch: Richtig, Turing schrieb Algorithmen, die die Google-Suchmaschinen auch heute noch verwenden, entwickelte Vorläufer von Computern und forderte unsere Idee von künstlicher Intelligenz heraus. Aber er war auch ein homosexueller Mann in einer Zeit, als das in England noch strafbar war. Alan Turing ist nicht zuletzt ein Symbol für die Fehler und Vorurteile der Menschheit gegenüber Minoritäten. Und das Thema ist heute so aktuell wie damals.

Über Turings Tod Mitte der 1950er-Jahre wird viel spekuliert. Welche
Theorie vertreten Sie?

Die Verschwörungstheorie, dass der Geheimdienst ihn umgebracht haben soll, weil er zu viel wusste, halte ich für Humbug. Im Gegensatz zu seiner Mutter, die seine Homosexualität verdrängte, glaube ich auch nicht, dass es ein Unfall war. Ich denke viel mehr, dass Turing sich umgebracht hat, weil das Östrogen, das er sich zur chemischen Kastration spritzen musste, seinen Körper und seinen Verstand zerstört hatte. Die Regierung und die Königin haben sich inzwischen öffentlich für seine Behandlung entschuldigt.

Haben Sie einen persönlichen,
familiären Bezug zum Zweiten
Weltkrieg?

Meine Mutter erinnert sich an Fighter-Flugzeuge über der Küste, als sie in Brighton aufwuchs, aber meine Eltern waren beide Kinder und bekamen vom Krieg relativ wenig mit. Meine Grossväter waren jedoch Unterseeboot-Kommandant beziehungsweise Panzerfahrer im Nahen Osten.

Sie sind nun für Ihren ersten Oscar nominiert, so wie Ihr britischer Kollege Eddie Redmayne, der in «The Theory of Everything» den Astrophysiker Stephen Hawking spielt. Gibt es da eine gewisse Rivalität unter den beiden «genialen Wissenschaftlern»?

Nein, wir sind nicht Rivalen, sondern Freunde. Ich weiss, wie integer seine Arbeit ist und ich bin der Erste, der aufspringt, wenn Eddie gewinnt. Was auch immer im Internet zusammengedichtet wird, mit uns hat das nichts zu tun.

Sie haben ja eine sehr leidenschaftliche Internet-Fangemeinde, erst als Cumberbitches bekannt, nennen sie sich nun auf Ihren Vorschlag hin CumberCollective …

Ich habe nur eine leichte Korrektur beim Namen vorgeschlagen. Meine Fans sind aber eigentlich selbstregulierend, smart, witzig, kreativ, inspirierend und jeden Alters. Inzwischen haben sie allerlei verschiedene Namen. Was zählt, ist, dass sie meine Arbeit und mich als Person mögen.

Jetzt haben Sie aber sicher einigen das Herz gebrochen, als Sie in der Zeitung Ihre Verlobung mit Bühnenschauspielerin und Regisseurin Sophie Hunter angekündigt haben. Sie sprechen nicht gerne über Ihr Privatleben, haben aber Ihre Verlobung in der «Times» bekannt gegeben. Aus traditionell altmodischen Gründen?

Vielleicht ist es altmodisch, aber eigentlich ist das in England so üblich. Ich wollte einfach eine gewisse Normalität trotz meiner verrückten Rolle als berühmter Schauspieler bewahren. Natürlich wusste ich, dass die Welt Wind davon bekommen würde. Es ging einfach darum, Freunde und Verwandte zu informieren, denn ich konnte nicht den ganzen Tag am Telefon sitzen und alle persönlich anrufen. Ich musste wieder auf die Bühne, wo ich Richard III spielte.

Ist jetzt die glücklichste Zeit Ihres Lebens?

Ich bin schon sehr happy. Es ist etwas Erstaunliches, jemanden zu finden, den man liebt und der einen im gleichen Masse ebenfalls liebt. Das erlebt nicht jeder. Es ist auch ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, wie viel beschäftigt wir beide sind. Ich bin dem Universum für Sophie sehr dankbar. Und natürlich auch für meine Gesundheit und die Gesundheit meiner Familie und die Möglichkeiten, die ich beruflich zurzeit habe. Die goldenen Zeiten meines Lebens sind angebrochen.

Man kennt Sie in ernsten Rollen, aber Sie sind auch ein sehr guter Imitator, wie diverse Youtube-
Videos beweisen. Würden Sie Komödien nicht auch mal reizen?

Doch, ich würde gerne einmal eine Slacker-Comedy machen oder auch eine romantische Komödie. In der TV-Serie «Sherlock» ist eigentlich viel Humor drin, und dann bin ich auch noch bei der Comedy-Radio-Show «Cabin Pressure» mit dabei. Das einzige Mal, dass ich wirklich nach etwas Leichterem lechzte, war, nachdem ich sechs Monate lang Hedda Gablers Mann George spielte und jeden Abend zuschauen musste, wie sich meine Frau in den Kopf schoss. So stürzte ich mich danach richtiggehend in die Komödie «Starter for Ten – was jeder versteht, der schon mal sechs Monate in einem norwegischen Melodrama verbracht hat …