Komödie
Die Geschichte eines Mannes, der mit 75 Jahren zu seiner Homosexualität steht

Die Komödie «Beginners» von Mike Mills ist ein autobiografischer Film über das überraschende Coming-out seines Vaters im Alter von 75 Jahren. Ein entspanntes und hochkarätig besetztes Werk des US-amerikanischen Regisseurs.

Oliver Zimmermann, SDA
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In «Beginners» verarbeitet der US-Regisseur und Grafikdesigner Mike Mills («Thumbsucker») seine eigene Lebensgeschichte. Nach dem Tod der Mutter und 45 Ehejahren offenbarte ihm sein Vater im gesetzten Alter seine Homosexualität. Hal (Christopher Plummer) ist bereits 75 Jahre alt, als er sich erstmals offen zu seiner Homosexualität bekennt.

Freimütig geniesst er daraufhin das subkulturelle Leben in der Schwulenszene. Fünf Jahre später ist er tot. Sein Sohn Oliver (Ewan McGregor) steckt derweil am Anfang einer knospenden Liebe. Während der Künstler mit Anna (Mélanie Laurent) zarte Bande knüpft und den Nachlass seines Vaters ordnet, lässt er seine Beziehung zu ihm Revue passieren.

Für Mills war das überraschende Coming-out eine zutiefst verstörende, schmerzhafte und zugleich witzige und inspirierende Erfahrung.

Anrührende Geschichte

Der Filmhandlung sind die autobiografischen Züge deutlich anzumerken. Hauptdarsteller Ewan McGregor («Trainspotting») wirkt in nahezu jeder Minute des Films wie jemand, der die Erlebnisse eines anderen bewältigen muss. Darüber hinaus schildert «Beginners» allerdings eine zutiefst warmherzige, ehrliche und anrührende Geschichte. Dafür sorgen neben McGregor ganz besonders die beiden zentralen Nebendarsteller Mélanie Laurent und Christopher Plummer.

Vor allem Laurent, bekannt aus «Inglourious Basterds», schafft es spielend, Oliver um ihre Finger zu wickeln und das Kinopublikum zu verzaubern. Kein Wunder, dass die Französin zu den aufstrebendsten Schauspielerinnen ihrer Generation gezählt wird. Plummer muss hingegen längst niemandem mehr etwas beweisen. Vielleicht gelingt ihm gerade deshalb so vorzüglich der Spagat zwischen einem verantwortungsbewussten Familienvater und einem Mann, der erst im fortgeschrittenen Alter seine Homosexualität ausleben kann. Plummers Spiel ist herzzerreissend.

Weckt Interesse an der Geschichte

Und mittendrin steckt ein McGregor als Alter Ego des Regisseurs, der zwischen zwei latent exzentrischen Figuren für Bodenhaftung sorgt. «Beginners» ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und unkonventionell erzähltem Familiendrama zwischen Vater und Sohn. Garniert ist das Ganze mit etwas Trauerbewältigung und ein paar schnell geschnittenen Bildsequenzen, in denen Mills seine Herkunft als Musikvideoregisseur preisgibt. Genau diese Mischung überzeugt.

Dem jungen Filmemacher ist nach seinem Kinodebüt «Thumbsucker» erneut ein entspanntes Werk gelungen, das seine Figuren ernst nimmt, das Interesse an der Geschichte weckt und noch dazu hochkarätig besetzt ist.

Beginners (USA 2010) 104 Min. Regie: Mike Mills. Mit: Ewan McGregor, Christopher Plummer u.a.

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