Wie ist Ihre Beziehung zum Schweizer Film? Welche Rolle sollte er im besten Fall wahrnehmen?

Eveline Widmer-Schlumpf: Ich schaue mir gerne Schweizer Filme an. Der Schweizer Film zeigt unsere kulturelle und sprachliche Vielfalt, er zeigt aber auch, dass Schweizerinnen und Schweizer bereit sind, kritisch hinzusehen - auch dort, wo es Unschönes gibt in unserer Gesellschaft. Filme, die Schweizer Themen zum Inhalt haben und in typisch schweizerischen Umgebungen spielen, kommen nach wie vor beim Publikum gut an. Der Schweizer Film ist ein wichtiger Träger unserer Identität.

Sind Sie eine Kino-Gängerin? Haben Sie überhaupt Zeit, ins Kino zu gehen?

Ich gehe immer mal wieder und gerne ins Kino, sofern es die Zeit zulässt. Private Kinobesuche mit meinem Mann oder mit meinen Kindern dürften in diesem Jahr aber wohl noch etwas schwieriger werden als sonst. Entsprechend freue ich mich auf die Solothurner Filmtage und den Film über das Berner Original Dällebach Kari.

Welchen Schweizer Film haben Sie zuletzt gesehen? Wann war es und wie hat er Ihnen gefallen?

Ende letzten Jahres habe ich den Film «Der Verdingbub» gesehen. Es ist ein beeindruckender und berührender Film, der dem Schicksal der Verdingkinder die nötige Aufmerksamkeit schenkt. Er hat einem breiten Publikum das Schicksal der Verdingkinder, die unter der Fremdplatzierung teilweise stark gelitten haben, in Erinnerung gerufen.

Welches ist Ihr Lieblingsfilm? International und/oder national?

Sehr gefallen und berührt haben mich beispielsweise «Cry Freedom», ein Film über Steve Biko und Donald Woods und die Apartheid in Südafrika, mit Denzel Washington und Kevin Kline sowie der Schweizer Film «Die Herbstzeitlosen» mit Stephanie Glaser.

«Vol spécial», der Film von Fernand Melgar, erzählt vom Alltag im Ausschaffungsgefängnis in Frambois. Haben Sie Vol Special gesehen? Hat er etwas ausgelöst? Finden Sie, dass die Schweiz zu schlecht wegkommt?

Nein, diesen Film habe ich mir noch nicht angeschaut. Ich habe aber 2008 den Dokumentarfilm «La Forteresse» gesehen, der auch von Fernand Melgar realisiert worden ist. Dieser Film zeigt eindrücklich, wie schwierig es ist, in unserem Asylverfahren jedem Schicksal gerecht zu werden.

Die politische Schweiz bietet zurzeit viel Stoff für mögliche Polit-Thriller. Welchen Stoff würden Sie verfilmen?

Jede Woche einen neuen!