Film
Der «Schlussmacher» bietet Germany-Sightseeing mit Witz und Charme

Mit seiner zweiten Regiearbeit, der Komödie «Schlussmacher», hat Matthias Schweighöfer einen weiteren Hit in petto.

Birgit Roschy
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Hübsches Germany-Sightseeing: SchlussmacherPaul (Matthias Schweighöfer) jagt Opfer Natalie (Catherine de Léan) hinterher. Warner Bros.

Hübsches Germany-Sightseeing: SchlussmacherPaul (Matthias Schweighöfer) jagt Opfer Natalie (Catherine de Léan) hinterher. Warner Bros.

Paul hat einen Beruf, den es in Wirklichkeit (noch) nicht gibt: Er ist ein professioneller Schlussmacher. Im Auftrag seiner Klienten muss er deren Lebensabschnittpartnern schonend den Laufpass geben. Somit erspart er seinen Kunden peinliches Herumgedruckse und ungemütliche Verzweiflungsszenen. Paul ist das beste Pferd im Stall der Trennungsagentur «Happy End». Doch in Trennungsopfer Thorsten findet er seinen Meister.

Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion, verfährt Schweighöfer nach einem ähnlichen Rezept wie in «What a Man». Das Drehbuch stammt erneut von Doron Wisotzky, wieder ist Frankfurt die Hauptkulisse, und wieder quatschen Männer über Beziehungskisten. Auch Milan Peschel (Deutscher Filmpreis für «Halt auf freier Strecke») war schon zuvor dabei und darf nun als Pauls neurotische Nemesis Thorsten die vorhersehbare Story aufpeppen.

Zähe Trennung bringt Probleme

Paul ist kurz davor, Firmenteilhaber zu werden. Der smarte Yuppie hat mit seiner Arbeit keine Probleme. Auch privat hat er es sich angewöhnt, tiefe Gefühle oder gar Liebe weiträumig zu umfahren, seine liebreizende Freundin Nathalie hält er auf Abstand.

Dann soll er im Auftrag seines Chefs dessen Geschäftsfreund helfen: Der kann nämlich den Lebenspartner seiner Tochter Katie nicht leiden. Paul überredet die zögernde Katie zur Trennung und fährt in ihre Wohnung, um den Freund abzuservieren. Doch Thorsten kann sich nicht mit der Trennung abfinden – und bleibt an Paul kleben wie ein Kaugummi unter der Fusssohle.

In einer Verkettung misslicher Umstände verliert der angetrunkene Paul den Führerschein und muss Thorsten, genannt Toto, als Fahrer für seine Dienstreise engagieren. So nimmt, von Trennung zu Trennung und quer durch die Republik, die Komödie an Fahrt auf.

Das Muster ist zwar bis in jene Details hinein, die das Happy End kurz vor Schluss sabotieren, deutlich vorgezeichnet. Doch gerade die Einzelheiten sind amüsant: Schweighöfer demonstriert einen lockerleichten bis frivolen Humor, der selten ins Vulgäre abrutscht, und beweist besonders beim Timing ein glückliches Händchen. Ärgerlich ist nur der letzte «Fall», in dem ein schiesswütiger Russe auftritt.

Verschusselter Softie

Daneben lässt sich der Star genüsslich von seinem zerzausten Kompagnon demontieren. Natürlich erinnert das drollige Männerpaar an zig andere, angefangen von Gérard Depardieu und Pierre Richard in «Ein Tollpatsch kommt selten allein» bis hin zu jüngeren Hits wie «Due Date» mit Zach Galifianakis und Robert Downey Jr. Doch Peschel kreiert als verschusselter Softie einen eigenständigen Charakter: kein grobmotorischer Clown, sondern ein weichherziger Neurotiker, der seine Macken mit Understatement pflegt. Besonders die Slapstick-Szenen entwickeln sich wie von selbst und wirken nie aufgesetzt.

Gespür fürs Publikum

Wie gehabt hat Schweighöfer ein Gespür fürs grosse Publikum, er liefert, ganz im Sinne der regionalen Filmförderungen, hübsches Germany-Sightseeing mit Burgen- und Fachwerkromantik, und serviert eine Actionszene an einem Staudamm. Über das allgegenwärtige Product Placement sollte man grosszügig hinwegsehen – und sich an einer ansonsten lockerleichten Komödie erfreuen.

Schlussmacher (D 2013) 110 Min. Regie: Matthias Schweighöfer. Ab heute im Kino.