Ja. Es ist ein mulmiges Gefühl, das einen beschleicht, während man im Kino «The Dark Knight Rises» schaut. Und so sehr man sich auch müht – man bringt das Massaker von Aurora, Colorado, schlicht nicht aus dem Kopf. Doch so tragisch die realen Vorkommnisse auch sind, so wenig machen sie Christopher Nolans Finale seiner «Batman»-Trilogie zum minderen Film. Im Gegenteil: «The Dark Knight Rises» ist etwas vom Besten, seit es Actionkino im Allgemeinen und Superheldenfilme im Speziellen gibt.

Allein der Auftakt ist eine Wucht: In einem Flugzeug mit Sträflingen kommt es unter Federführung von Bane (Tom Hardy), einem Muskelberg mit Atemmaske, zur Revolte. Die Maschine wird von einem grösseren Flieger in Schlepptau genommen, bricht Stück für Stück auseinander, bis der Rumpf schliesslich vertikal in der Luft hängt. Und erst kurz vor dem Absturz werden zwei Menschen aus dem Wrack gezogen. Einer davon ist Bane.

Batman, der Abwesende

Zur selben Zeit im wieder erbauten Anwesen des Milliardenerben Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale): Während einer Wohltätigkeitsgala fehlt vom Hausherrn jede Spur. Wayne muss erst von der diebischen Selina Kyle alias Catwoman (Anne Hathaway) aus seinen Gemächern gelockt werden, damit man erkennt, warum er seit acht Jahren das Tageslicht wie ein Vampir scheut: Der Mann ist ein von früheren Kämpfen gezeichnetes Wrack.

Der offizielle Trailer zum actiongeladenen Batman-Streifen «The Dark Knight Rises»

Der offizielle Trailer zum actiongeladenen Batman-Streifen «The Dark Knight Rises»

Doch der schwächelnde Flattermann muss nochmals ran, sehr zur Freude des rechtschaffenen Commissioners Gordon (Gary Oldman) und sehr zum Entsetzen von Waynes störrischem Diener Alfred (Michael Caine). Ja, Batman ist der Retter von Gotham. Und er ist ein Zerrissener, der zum Retter seiner selbst werden muss. Was immer Batman unternimmt, nützt in erster Linie jenen, die er bekämpft.

Das muss ein Held erst mal aushalten. Und es kommt schlimmer: Der etwas blechern daherbrummelnde Bösewicht Bane enteignet ihn und sperrt ihn in einen Riesenkerker, der jenem Schacht voller Fledermäuse gleicht, in den Bruce als Kind fiel. Währenddessen erschüttert Bane die Stadt mit Detonationen im Footballstadion. Er attackiert die Börse, befreit sämtliche Sträflinge, baut eine angeblich saubere Energiequelle zur Atombombe um und lässt Standgerichte für Superreiche abhalten, die an die Terrorherrschaft von Robespierre während der Französischen Revolution erinnern.

Ein Film fast ohne Makel

Überdimensional waren auch die Erwartungen an «The Dark Knight Rises». Regisseur und Co-Drehbuchautor Christopher Nolan, dessen Vorgängerfilm «The Dark Knight» (2008) mit Heath Ledger über eine Milliarde Dollar einspielte, löst diese Versprechen auf fast allen Ebenen ein. Sein Film bietet nervenzerreissende Action, doppeldeutige Bilder, gleichnishafte Figuren und virtuos verwobene Handlungsstränge. Und er verfügt über einen Helden mit erstaunlich wenig Leinwandpräsenz, dem das Heroische nach allen Regeln der Kunst ausgetrieben wird.

Die unbeschwerte Batman’sche Comicwelt ist damit zum beängstigend realen Albtraum geworden – inklusive Finanzkrise, Occupy-Anleihen, Terrorismus- und Polithysterie. Einziger Makel: «The Dark Knight Rises», der sich mit verschiedenen Formen der Gewalt beschäftigt, wird für immer mit dem Massaker von Aurora in Verbindung stehen. Eine Tragödie, verbrochen von einem Irren. Das hat dieses Werk nicht verdient.

The Dark Knight Rises ist ab heute Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos.