TV-Kritik
Der «Club»: Man wünscht sich den Alkohol zurück

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

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«Club»-Moderatorin Christine Maier

«Club»-Moderatorin Christine Maier

Schweizer Fernsehen

Das Spannendste am «Club» «Job statt Rente - die IV auf hartem Sparkurs» war das Signet. Danach machte sich gähnende Langweile breit. Hier der beamtige IV-Direktor Stefan Ritler, da die Coop-Chefausbilderin Nadine Gembler, welche ihre Redenszeit gekonnt für Gratiswerbung nutzte. Dazu ein paar Experten (Arbeitsmediziner, Schleudertraumaverbands-Präsidentin, Arbeitgeberverbands-Direktor), alle mehr oder weniger nah an der IV-Front.

Zwar war mit Alt-Nationalrat Marc F. Suter ein Rollstuhlfahrer in der Runde, einer der die alltäglichen Probleme Behinderter aus eigener Erfahrung kennt. Doch nicht die finanziellen Sorgen, denn IV-Bezüger ist auch Sutter nicht. Und so fehlte es der Diskussion der Bezug zur Realität. Spezialisten sprachen für Spezialisten.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine Sendung.

SF unter Beobachtung Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine Sendung.

AZ

Nach zwei Minuten war die Spannung im «Club» abgebaut und nach 15 Minuten wünschte man sich Alkohol und Tabak in die Sendung zurück. Dazu trug auch Moderatorin Christine Maier bei.

Doch die Gäste waren nicht das einzige Problem: Die klamme IV mag politisch hoch relevant sein. Aber «der Club» will und soll laut Sendebeschrieb «das Thema der Woche» behandeln. Ist es diese Woche wirklich die IV? Nur spannende Diskussionsteilnehmer hätten die Sendung retten können. Es geschah das Gegenteil.

Nun wäre es unfair, diesen «Club» als Massstab zu nehmen. Er war unterdurchschnittlich schlecht. Und es wäre auch falsch, einer Sendung mit einem Vierteljahrhundert Tradition die Daseinsberechtigung abzusprechen. Nur: Der «Club» braucht dringend eine Generalüberholung. Und zwar mehr als ein Dekorwechsel.

Zu oft wirkt er zu langfädig. 75 Minuten dauert die Sendung. Der vom Format vergleichbare Talk «Anne Will» auf ARD kommt mit unter einer Stunde aus. Dem «Club» fehlt es an Dynamik: keine Einspieler, keine Gäste, keine Interaktion mit Menschen ausserhalb des «Club»-Zirkels. Auch die Zuschauerzahlen deuten darauf hin, dass eine Veränderung gut täte. Sie sind seit Jahren rückläufig. (btu)

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