Der bislang stärkste neue Film im Rennen um die Festivalpreise kommt aus Polen: "Courage" von Greg Zglinski handelt von einem Mann, dessen Leben nach einem kurzen Moment der Feigheit in Stücke fliegt: Alfred (Robert Wieckiewicz) bleibt wie versteinert stehen, als sein Bruder (Lukasz Simlat) von einer Teenager-Bande verprügelt wird.

Für diesen Fehler, den er erst zu kaschieren versucht, muss er bitter bezahlen - härter noch als die Kriminellen. Zglinskis Drama ist berührend und bis am Schluss packend. Lange bleibt offen, ob Jurek den Angriff überlebt - und Alfreds Ehe die Ohnmacht des Gatten.

"Courage", der für den hochdotierten "Prix de Soleure" nominiert ist, gilt den Solothurner Filmtagen als Schweizer Film, da Zglinski ("Tout un hiver sans feu") im Kanton Aargau aufwuchs und während Jahrzehnten in der Schweiz tätig war.

Ausserhalb der Filmtage ist "Courage" allerdings ein polnischer Film, was die Kinoauswertung hierzulande erheblich erschweren dürfte. Es wäre nicht das erste Mal, das ein Highlight der Filmtage den Weg in die Kinosäle nicht findet.

Mutige Programmation

Bereits sicher ist der Kinostart von "Balkan Melodie" am 8. März. Die Organisatoren in Solothurn halten offenkundig grosse Stücke auf den Dokfilm von Stefan Schwietert, für den sie den besten Termin am Samstagabend in der Reithalle reservierten.

Ein mutiger Entscheid: Der Streifen handelt von Menschen und Ereignissen, die teilweise schon etwas in Vergessenheit geraten sind. Vor 20, 30 Jahren war der heute 86-jährige Schweizer Musikproduzent Marcel Cellier weltweit erfolgreich.

Er entdeckte den rumänischen Panflöten-Spieler Gheorghe Zamfir für ein westliches Publikum und machte bulgarische Volksmusik populär. In zahlreichen älteren Plattensammlungen finden sich noch immer Werke aus der Reihe "Le Mystère des Voix Bulgares".

Schwieterts Dokfilm ist eine Hommage an diese Stars - und ein Fest der Bilder und Töne. Damit passt er perfekt zum Konzept der neuen Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer, die Solothurn verstärkt als Feierstunde des Schweizer Films positionieren möchte.

Bizarres Erziehungsheim

Weit weniger verständlich ist die "Prix du Public"-Nomination für den neuen Spielfilm "Puppe" von Sebastian Kutzli. Der Streifen spielt in einem bizarr unprofessionell geführten Erziehungsheim für straffällige Mädchen in den Walliser Bergen.

Die grosse deutsche Schauspielerin Corinna Harfouch tritt als tantige Heimleiterin unangenehm in Erscheinung. Bis die Geschichte am Schluss auf ansprechende Weise die Handlungsstränge zusammenführt, dürften viele Zuschauer das Interesse an den unvorhersehbar agierenden Mädchen längst verloren haben.