Fernsehen

Das war ein Gratis-Dauerwerbespot für den Circus Knie

«Giacobbo/Müller» gastierte im Circus Knie und verhalf dem Unternehmen zu maximaler Werbepräsenz. Das Schweizer Fernsehen sieht keinen Anlass zur (Selbst-)Kritik.

Für den Schweizer Satiriker Viktor Giacobbo war es eine Rückkehr auf bekanntes Terrain: 2006 tourte er mit dem Circus Knie durch die Deutschschweiz und pflegt seither eine enge Beziehung zur Familie Knie.

Am Karfreitag trat er zusammen mit Partner Mike Müller wieder in der Manege auf. Die Satiresendung Giacobbo/Müller («G/M») des Schweizer Fernsehens SRF gastierte im Circus Knie.

Die Sendung dauerte rund eine halbe Stunde länger als üblich, wurde am Freitag aufgezeichnet und am Sonntagabend ausgestrahlt – und war der perfekte Werbespot für den Circus Knie.

Oder wie es Knie-Sprecher Peter Küchler ausdrückte: «Die Sendung war eine positive Sache. Das Publikum vor Ort war begeistert.»

Viktor Giacobbo alias Kiffer Fredi Hinz 2006 im Circus Knie. Keystone

Viktor Giacobbo alias Kiffer Fredi Hinz 2006 im Circus Knie. Keystone

Die Sendung enthielt klassische Giacobbo-Müller-Elemente – zu Gast war etwa SVP-Nationalrat und Neo-Staatsrat Oskar Freysinger und auch Bassist Daniel Ziegler fehlte nicht.

Daneben gab es Einlagen aus dem aktuellen Programm des Circus Knie: Geraldine Knie mit den Arabern, Franco Knie mit den Elefanten, Jongleur Steve Eleky, Papageiendompteur Alessio Fochesato oder der diesjährige Tourneegast Claudio Zuccolini mit Hundini.

Zusatznutzen für Zuschauer

Für den Schweizer National-Circus war die Sendung eine attraktive Angelegenheit. Nicht nur wegen den 80 gratis Werbeminuten. SRF zeichnete die Sendung am Karfreitag dank einer Spezialbewilligung auf – von Gesetzeswegen durfte der Circus Knie an diesem Feiertag ohnehin keine Vorstellung machen. Die Aufwendungen für Personal und Infrastruktur des Circus habe das SRF mit einem Anteil aus dem Verkauf der 2000 Tickets decken können, so Küchler weiter. Und das SRF betont, die Kosten hätten sich im üblichen Rahmen von «G/M-»Spezialsendungen bewegt.

Tatsächlich war es nicht die erste «G/M»-Sendung, die ausserhalb des Kaufleutensaals aufgezeichnet wurde. 2011 gastierte die Sendung am Humor-Festival in Arosa. Die Idee für die Sendung im Circus kam von Viktor Giacobbo selbst, wie Knie-Sprecher Küchel sagt.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen SRF sieht kein Problem darin, dass es einem privaten Unternehmen zu einem Gratis-Dauerwerbespot verhalf: «Durch die Zusammenarbeit hatte SRF die Möglichkeit, dem Fernsehpublikum einige Nummern des Knie-Programms zu zeigen. Dass gewisse Nummern nun mal eine Manege brauchen, weil sie im Fernsehstudio keinen Platz haben, liegt auf der Hand», sagt Rolf Tschäppät, Redaktionsleiter Quiz und Comedy. Mike Müller findet die Kritik «kleingeistig», subventioniertes Fernsehen müsse doch nicht «konkordant» sein. Zirkus stehe geradezu für das Show-Business. Und so sei es das Grundlegendste, dass «G/M» in die Manege gegangen sei, um eine Verbindung zum Zirkus herzustellen.

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