Fernsehen

Das taugt die neuste Folge des Schweizer «Tatorts»

Der erste Luzerner «Tatort» war schwach, der zweite ganz stark. Gespannt ist man somit auf den dritten, der am kommenden Sonntagabend ausgestrahlt wird. Wir haben ihn bereits gesehen.

Keine Sorge, wir verraten nur wenig, und sicher nicht den Mörder. Schliesslich ist der Fall «Hanglage mit Aussicht» ganz nach dem klassischen «Wer hats getan?»-Muster gestrickt: Gleich zu Beginn geschieht ein Mord, den man als Zuschauer förmlich kommen sieht. Dann werden in rascher Reihenfolge viele Verdächtige präsentiert, und am Ende ist einer von ihnen der Täter.

Reales Hotel, reale Gondelbahn

Tatort ist das kleine Berghotel Wissifluh, eben an bester «Hanglage mit Aussicht». Die Besitzer, Vater und Tochter, sind in finanziellen Schwierigkeiten. Doch die Tochter hat sich einen älteren reichen Mann geangelt, der ins Hotel investieren will – was indes dem Vater nicht passt.

Als der Geldgeber aus der Gondelbahn gestossen und getötet wird, gerät der Hotelier ins Visier des Fahnderteams mit Kommissar Reto Flückiger und Partnerin Liz Ritschard. Zumal der alte Mann beim Verhör Ritschard auch noch die Waffe abnimmt und sie bedroht.

Der Vater kommt in Untersuchungshaft, und alle – inklusive Justizdirektor – freuen sich über den schnell gelösten Fall. Alle ausser einem: Flückiger ist unzufrieden mit den vorschnellen Schlüssen und ahnt, dass der wahre Mörder noch frei ist. Und er setzt, auch dies ein klassisches Krimistrickmuster, die Recherchen auf eigene Faust fort, bis er sein Team überzeugen kann.

Starker Auftritt von «Fischbach»

Und so ist der dritte Luzerner «Tatort» ein grundsolider Krimi. Er hat eine bis zum Ende schlüssige Story, ein klares Plus gegenüber dem wirren ersten. Allerdings lässt einen die Handlung eher kalt, vor allem im Vergleich zur letzten Folge «Skalpell» mit dem unter die Haut gehenden Thema Intersexualität. Gut ist erneut auch die Darstellung des Fahnderduos durch Stefan Gubser und Delia Mayer. Indes liess das Drehbuch den beiden diesmal weniger Raum, die Charaktere weiterzuentwickeln. Eher zu karikierten Klischees gerieten andere Figuren etwa der patriarchalische Justizdirektor – so altertümlich sehen Politiker heute nicht mehr aus.

Erfolgversprechende Anbiederung

Insgesamt wirkt alles etwas bieder, und so kann man sich trotz routinierter Inszenierung durch Sabine Boss fragen, ob dieser «Tatort» etwa in Deutschland gut ankommt. Zumal man dort die Schweizer Produktionen ohnehin immer sehr kritisch anschaut und die Übersetzung ins Hochdeutsche das Resultat jeweils auch nicht gerade verbessert.

TV-Tipp: Tatort: «Aussicht mit Hanglage». Sonntag, 26. August, 20.05 Uhr, SF 1.

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