Das 12. Zurich Film Festival (ZFF) ist in vollem Gange. Fast täglich läuft internationale Prominenz über den grünen Teppich. Oliver Stone, Ewan McGregor, Hugh Grant, Daniel Radcliffe. Also alles wie gehabt? Nicht ganz. Denn hinter den Kulissen gehts ums Geld. Genauer: um die Beträge, die das ZFF von der öffentlichen Hand bekommt. Dass sich das ZFF seit Jahren über ungenügende öffentliche Unterstützung beklagt, ist bekannt. Mit gutem Grund: Das Bundesamt für Kultur (BAK) unterstützt das Filmfestival Locarno jährlich mit 1,45 Millionen Franken, das ZFF bekommt bloss 150 000 Franken. Locarno ist beim BAK der Platzhirsch, das ZFF bekommt Brosamen.

Immerhin: Ab 2017 sollte das ZFF vom BAK neu 250 000 Franken bekommen. Sollte. Denn mit dem Verkauf des Festivals an die NZZ-Mediengruppe sind diese Gelder nicht mehr sicher. BAK-Filmchef Ivo Kummer will im Oktober mit der ZFF-Führung die Situation anschauen. Von der Stadt und dem Kanton Zürich sind ähnliche Töne zu vernehmen. Im schlimmsten Fall drohen dem ZFF rund 850 000 Franken an öffentlichen Geldern zu entgehen. Dies entspricht mehr als einem Zehntel des Festivalbudgets.

Befangenheiten ignoriert

Tatsache ist: Weder das ZFF noch die «NZZ» haben bislang überzeugende Gründe für die Übernahme eines Filmfestivals dargelegt. Man spricht gern von «Synergien» und «Entwicklungspotenzial». Doch weder die «NZZ» noch das ZFF bemühen sich gross, allfällige Befangenheiten aus dem Weg zu räumen. Dabei sind die Unsauberkeiten offensichtlich. Zum Beispiel, wenn Christian Jungen («NZZ am Sonntag») 2015 die Abschaffung der Solothurner Filmtage forderte. Oder wenn Susanne Ostwald («NZZ») das Filmfestival Locarno 2016 als «Erziehungsprogramm» geisselte. Kritische Äusserungen zum Zürcher Festival sind bei der «NZZ» in letzter Zeit dagegen kaum zu finden.

Doch das ist nicht alles. Beim ZFF selbst scheint man nicht sonderlich erpicht auf eine saubere Trennung von Journalismus und Pressearbeit. So schreibt etwa die ZFF-Presseverantwortliche Andrea Vogel seit Jahren Lobeshymnen über das ZFF in der «Schweizer Illustrierten» («SI»). Aktuell bilanziert Vogel in der «SI», welche Stars 2015 am ZFF gesichtet wurden. Und sie schreibt ein dreiseitiges Porträt über Oscarpreisträgerin Jennifer Connelly, die am ZFF den Film «American Pastoral» vorstellen wird.

Im ZFF-Speech nennt man so was wohl ebenfalls «Synergien». Fragt sich nur, was die öffentlichen Geldgeber dazu sagen. Und ob sie es zulässig finden, wenn ein Medienunternehmen, das ein Filmfestival besitzt, mit Kulturgeldern finanziert wird.