Interview

Daniel Craig: «Wir machen den besten Bond-Film, den man machen kann»

Daniel Craig will nach dem nächsten Bond-Film und der Millennium-Serie wieder auf die Bühne. Im Interview nimmt der Schauspieler Stellung zu seinem neuen Film und zum neuen Bond-Streifen.

Herr Craig, Sie sehen heute etwas bleich aus. Alles okay?

Daniel Craig: Ja, ich habe nur Nacht-Drehs gemacht und war bis um 9 Uhr auf. Dann habe ich mich zweieinhalb Stunden hingelegt und weiss momentan gar nicht recht, wo ich bin.

Sie sind in London und drehen derzeit den nächsten Bond. Wie läufts?

Wir drehen jetzt seit sechs Wochen und sechs Monate sind geplant. Es ist erschöpfend, aber ich geniesse jeden Moment. Das Drehbuch ist grossartig, und ich arbeite mit den besten Leuten. Sam Mendes als Regisseur, Roger Deakins als Kameramann und mit den Schauspielern würde ich gerne in jedem Film arbeiten. Mehr darf ich nicht sagen. Ich glaube, wir machen den besten Bond-Film, den man machen kann – wir haben ja auch eine grosse Verantwortung, denn die Bond-Serie wird dieses Jahr 50.

Als Bond wissen Sie ja, wie es ist, eine beliebte Rolle von einem anderen Schauspieler zu übernehmen. Wie haben Sie Ihre junge «The Girl with the Dragon Tattoo»-Filmpartnerin Rooney Mara auf die Vergleiche vorbereiten können, die jetzt auf sie zukommen?

Rooney kann das sehr gut allein bewältigen. Ich wüsste nicht, was ich ihr raten könnte, was sie nicht selber weiss. Sie ist eine grossartige Schauspielerin und ein sehr reifer Mensch. Da ist kein Absturz vorprogrammiert.

Welche Beziehungen hatten Sie zur Millennium-Serie von Stieg Larsson, bevor Sie für die Rolle des Journalisten Mikael Blomkvist verpflichtet wurden?

Ich las die Bücher und hatte die Filme parat zum Anschauen. Aber als ich den Job bekam, habe ich die Filme dann gemieden, da ich als Basis die Bücher und nicht die anderen Filme nehmen wollte.

Wieso sind die Bücher in Ihren Augen so erfolgreich?

Ich glaube, es ist die Beziehung zwischen Blomkvist und Salander – ein mittelalterlicher Journalist und eine junge, kaputte Frau arbeiten zusammen und verlieben sich ein bisschen. Die Geschichte zielt auf ein erwachsenes Publikum. Dass Sony diesen Film, der nicht für den Massenmarkt konzipiert ist und auch nicht allen gefallen will, überhaupt gemacht hat, ist eigentlich bemerkenswert.

Letztlich sind es immer die Beziehungen, die faszinieren. Sie haben letztes Jahr überraschend die Schauspielerin Rachel Weisz geheiratet …

… darüber spreche ich nicht. Das Privatleben der Leute sollte privat bleiben. Egal, ob man in der Öffentlichkeit steht oder nicht. Es geht mir gut, ich habe Familie und Freunde, die mir nahestehen. Das Leben macht Spass. Basta.

Dann haben Sie sich wegen des Murdoch-Abhör-Skandals sicher ins Fäustchen gelacht und Hugh Grant unterstützt, die Klatschpresse in England zu zügeln.

Ich möchte auch dazu eigentlich nichts sagen, denn ich glaube, da kommt noch mehr raus. Das Ganze muss politische Konsequenzen haben. Das finde ich schon. Ich lebe ja jetzt seit zwei Jahren in New York und finde, auch die amerikanische Presse müsste sich mal einen Spiegel vorhalten. Da lohnt es sich sicher, den Einfluss der Presse auf die Politik zu debattieren.

Es gibt eine Verschwörungstheorie, dass Stieg Larsson von rechtsextremen Kreisen umgebracht wurde. Wie halten Sie es mit solchen Theorien?

Ich weiss nicht sehr viel darüber und ich bin generell kein Verschwörungstheoretiker. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sein Grübeln in der Vergangenheit ihm einige Feinde eingebracht hat. Ob er aber ermordet wurde, kann ich nicht beurteilen.

Wie waren die Dreharbeiten in Schweden? Ist es mühsamer, am Morgen aus dem Bett zu kommen, wenns so lange kalt und dunkel ist?

Es war okay, wenn ich die richtigen, warmen Kleider anhatte. Aber oft war ich in Jeans und T-Shirt und das war schrecklich. Meine Zähne klappern da wirklich, das musste ich nicht spielen.

Apropos Kleider: Gabs bei Ihnen mal eine Punk-Phase im Stil von Lisbeth Salander? Hatten Sie mal eine Mohawk-Frisur?

(Lacht.) Nein, einen Mohawk hatte ich nie. Ich hatte mal ein bisschen eine Leder-Phase, aber nicht extrem. Ich steckte mir nie Sicherheitsnadeln durch meine Brustwarzen.

Ihre Karriere scheint durchgeplant: Die 007-Filme, nun die Millennium-Serie – birgt Ihr Beruf noch Überraschungen für Sie?

Oh ja, durchaus. Ich hätte beispielsweise nicht erwartet, dass ich mit David Fincher arbeiten würde. Oder für Steven Spielbergs «Tin Tin» in einem gepunkteten Schlupfanzug durch die Gegend herumrennen würde.

Was sind Ihre Pläne für 2012 nach den Bond-Dreharbeiten?

Danach würde ich gerne mal in die Ferien. Und in den nächsten zwei Jahren würde ich gerne wieder mal auf die Bühne zurück. Sonst habe ich keine Ambitionen. Mal sehen, wie dieser Film ankommt. Wenn die Nachfrage da ist, kommt dann wohl bald der nächste Millennium-Film.

Danke für das Gespräch. Eindrückliche Uhr übrigens: Omega? (007 trägt bekanntlich nur Omega, Anm. d. Red.)

(Grinsend.) Ja, aber selbstverständlich!

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