Thriller
Coole Auftragskiller gegen Gangster-Trottel und mittendrin Brad Pitt

Brad Pitt mimt den coolen Auftragskiller. Sein neuster Film startet heute in den Schweizer Kinos. Im zynischen Streifen «Killing Them Softly», der in New Orleans spielt, wird vor allem verbales Geschütz aufgefahren.

Georges Wyrsch
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Mit Coolness und tödlicher Effizienz macht sich Brad Pitt (vorne) als Auftragskiller Jackie Cogan ans Werk.Melinda Sue Gordon

Mit Coolness und tödlicher Effizienz macht sich Brad Pitt (vorne) als Auftragskiller Jackie Cogan ans Werk.Melinda Sue Gordon

Wir sind in New Orleans, im Jahr 2008. Die Ort- und Zeitangabe hat ihren Grund: Die Folgen des Hurrikans Katrina haben viele Menschen in die Armut getrieben, die Immobilienblase ist geplatzt und die aus den Medien dringenden Parolen des laufenden Wahlkampfs zwischen John McCain und Barack Obama klingen nur noch hohl.

Die Figuren von «Killing Them Softly» haben derweil andere Sorgen: Zwei Kleinganoven überfallen eine illegale Spielrunde und lösen damit eine Spirale der Gewalt aus, die unter anderem vom gefühlskalten Auftragskiller Jackie Cogan (Brad Pitt) vorangetrieben wird. Bis die Ordnung wieder hergestellt ist, werden einige Köpfe rollen.

«Killing Them Softly» ist die dritte Regiearbeit des gebürtigen Neuseeländers Andrew Dominik, der mit Brad Pitt vor fünf Jahren bereits den Western «The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford» gedreht hat, wobei Pitt in beiden Fällen auch als Produzent in Erscheinung trat. Seinem Engagement wird es in erster Linie zu verdanken sein, dass wir diesen unkonventionellen und ziemlich redseligen Thriller überhaupt zu sehen bekommen.

Starke Ensembleleistung

Wäre Pitt nicht an Bord des Projekts, wären die Vermarktungschancen dieses düsteren Films bedeutend kleiner. Pitt selbst spielt auch nicht wirklich die Hauptrolle, sondern fügt sich nahtlos ein in ein fast ausschliesslich aus Männern bestehendes Ensemble, das gestandene Charakterdarsteller wie James Gandolfini, Richard Jenkins, Ray Liotta und Sam Shephard umfasst, aber auch den noch viel zu unbekannten Australier Ben Mendelsohn, der hier in seiner Rolle als versiffter Junkie eine grandiose Leistung abliefert, die unweigerlich an den jüngeren Dustin Hoffman in den Siebzigern erinnert.

Überhaupt, die Siebziger: Die Romanvorlage zu «Killling Them Softly» erschien 1974 und stammt aus der Feder eines amerikanischen Schriftstellers namens George V. Higgins, der zuvor mit seinem Debütroman «The Friends of Eddie Coyle» bekannt wurde, der wiederum den Stoff für einen gleichnamigen Film von 1972 lieferte, in dem Robert Mitchum in einer seiner besten Rollen zu sehen war.

Ellenlange Dialoge statt Action

Mit diesem kleinen Exkurs wäre zumindest ansatzweise erklärt, warum in «Killing Them Softly» nur wenig Schiessereien und Actionszenen vorkommen, stattdessen aber ellenlange, an David Mamet erinnernde Dialoge über Ehre, Prostituierte, das Älterwerden, Drogen, Autos und diverseste Banalitäten. Das hier ist kein Krimi, das ist nostalgisches Konzeptkino.

Das quasi frauenlose Werk ist nicht deshalb im Gangstermilieu angesiedelt, weil es Spannung erzeugen möchte, sondern weil es ein diffuses Gefühl der Desillusion auf seinen schwärzesten Punkt bringen will. In diesem Sinne gleicht «Killing Them Softly» seinen Vorbildern aus den Siebzigern, die auf mehr oder weniger explizite Weise die Desillusion nach dem Vietnamkrieg verarbeiteten.

Analog dazu verarbeitet «Killing Them Softly» die beiden Amtszeiten von George W. Bush. Es ist also kein Zufall, dass dieser Film in den Staaten in der heissen Phase des aktuellen Wahlkampfs lief. Irgendwo hinter dieser herumsitzenden und schwafelnden Gangsterrunde versteckt sich womöglich ein politisches Statement von Brad Pitt. Aber bis zu dieser Botschaft muss man gar nicht erst vorstossen, um die bittersüsse Tristesse dieses Thrillers zu geniessen.

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