«Ich habe mich immer als Romantiker verstanden», sagt Woody Allen. «Auch wenn das nicht alle meine Partnerinnen unterschreiben würden.» Ja, so ist er, der Woody Allen – nie um ein süffisantes Bonmot verlegen, auch wenn letztere dem 80-Jährigen in Cannes nicht mehr im Sekundentakt von den Lippen gehen.

Aber es ist wahr: in Allens jüngsten Werk wird die Liebe gross geschrieben. Und diese kommt – auch wenn zwischendurch einige Leichen in Flüssigbeton entsorgt werden müssen – in opulent-goldenen Farben daher. «Café Society» ist eine Hommage an die 1930er-Jahre und erzählt vom jungen New Yorker Bobby (Jesse Eisenberg), der in Hollywood Fuss fassen will. Dabei bekommt er Hilfe von seinem umtriebigen Onkel (Steve Carell), verliebt sich aber ausgerechnet in dessen heimliche Affäre (Kristen Stewart). Bobbys Fazit: «Das Leben ist eine Komödie, geschrieben von einem sadistischen Komödienautor.»

Woody Allen spricht in Farben

Nach zuletzt eher durchzogenen Werken punktet Woody Allen in «Café Society» vor allem mit melancholischen Tönen, schwelgerischer Kamera (geführt vom dreifachen Oscarsieger Vittorio Storaro) und einer schier endlosen Kostümparade. Man könnte auch sagen: Der New Yorker Regisseur spricht hier in Farben, und das passt natürlich hervorragend zum Filmfestival in Cannes, wo Woody Allens weibliche Stars Kristen Stewart und Blake Lively alle Blicke auf sich ziehen.

CAFE SOCIETY - Trailer

Prominenter und bunter gehts nimmer? Allerdings! Die in Cannes seit Jahren Gastrecht geniessende Animationsfirma DreamWorks («Shrek», «Madagascar») präsentiert am Eröffnungstag erste Ausschnitte aus ihrem kommenden Herbst-Highlight «Trolls». Es geht, grob gesagt, um ein hyperharmonisches Mini-Völkchen, das in seinem Urwaldreservat von Miesepeter-Monstern entführt wird. Die Gemütslage des Heldenpaars, das zur Rettung ausrückt, wird dabei vor allem durch Farben (oder Nicht-Farben) ausgedrückt. Und die Handlung wird durch eine Songauswahl vorangetrieben, die von Cindy Laupers «True Colors» bis zu Simon & Garfunkels «The Sound of Silence» reicht.

DreamWorks' TROLLS | Official HD Trailer #1 | 2016

Justin Timberlake singt spontan

Im Kinosaal in Cannes führt das zu begeistertem Kreischen, als Justin Timberlake und Anna Kendrick – die beiden sprechen im Film die Hauptfiguren und interpretieren zahlreiche Songklassiker – fürein kurzes Akustikset auf die Bühne kommen. Timberlake, der den ganzen «Trolls»-Soundtrack verantwortet und demnächst am Eurovision Song Contest in Stockholm seine jüngste Single «Can’t Stop the Feeling» vorstellen wird, beweist dabei einiges an Schlagfertigkeit. Er stellt Anna Kendrick und sich selbst als «Anna & Garfunkel» vor. Und als ein Mädchen während des Gitarrenstimmens «I love you» ruft, hält er inne und ruft zurück: «Du klingst wie eine Siebenjährige. Geh den Film ‹Trolls› schauen!» Man könnte sich Justin Timberlake auch in einem Woody-Allen-Film vorstellen.

Café Society Regie: Woody Allen. Kinostart in der Deutschschweiz noch unbekannt.

Trolls Kinostart in der Schweiz: 20. Oktober.