«Headhunter»
Bunter Abend mit Gammenthaler und Corti

Für das neue Comedy-Format «Headhunter» haben sich die Macher ganz viel überlegt. Etwas zu viel.

Benno Tuchschmid
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Michel Gammenthaler und Anet Corti.

Michel Gammenthaler und Anet Corti.

SRF/Oscar Alessio

Die Sendungsentwickler haben an diesem Konzept bestimmt lange gefeilt: ein Mann (Michel Gammenthaler) und eine Frau (Anet Corti) als Moderatorenpaar. Zwei wohlbekömmliche Gäste (Christa Rigozzi und Röbi Koller) zu Besuch. Und dann ein paar sauglatte Spiele, die dem Publikum im Saal helfen sollen, aus den zwei geladenen Promis einen Nachfolger für einen fiktiv freiwerdenden Top-Posten zu küren. In der ersten Sendung ging es um den Job des obersten Schweizer Touristikers Jürg Schmid. Können Sie folgen?

Eine Comedy-Kopfgeburt

Am bunten Abend in Hintertupfiken hätte es vielleicht funktioniert. Doch kaum hatte die Sendung auf SRF 1 um 23.45 Uhr (online war «Headhunter» gestern schon um 18 Uhr verfügbar) begonnen, schwand die Lust zu lachen.

Gammenthaler und Corti führten gut vorbereitet durch die Premieren-Sendung. Ihnen ist nicht viel vorzuwerfen. Ausser vielleicht, dass sie mit ihrem gar verkrampft auf locker getrimmten Moderationsstil den Eindruck einer Comedy-Kopfgeburt noch verstärkten. Die Schenkelklopfer-Einspieler liessen dunkle Erinnerung an längst vergessene Sketchs der Benissimo-Showtruppe Friends aufkommen. Und Cortis «Achtung-Witzig»-Geräusche-Sampler war jetzt auch nicht gerade eine komödiantische Innovation.

Kann man alles machen. Richtig zum Lachen war es allerdings nicht. Wenn sich Röbi Koller und Christa Rigozzi auf den heissen Stuhl setzten, um nach dem Entweder-oder-Muster Fragen zum Schweizer Tourismus zu beantworten, dann taten das beide auf ihre charmante, mehrheitsfähige Art. Man konnte schmunzeln. Und das Powerpoint-Karaoke, bei dem beide zu Bildern von Kunstschnee-Pisten in grünen Alpenhängen um die Wette improvisierten, hatte ebenfalls heitere Momente. Aber über die ganze Sendedauer von 30 Minuten wurde man einfach das Gefühl nicht los, dass da jemand etwas arg lange lustige Ideen in ein Sendungs-Konzept eingearbeitet hat. Bis für Humor eigentlich gar kein Platz mehr war.

Mediales Schulterzucken

Die Voraussetzungen für «Headhunter» waren nicht einfach. Das Format ist eine von drei neuen Comedy-Sendungen, die das SRF testet – nebst dem Schweizer Road-Movie «Müslüm-TV» und der Late-Night-Sendung «Deville». Müslüm, der Klischee-Türke. Dominic Deville, der PunkKomödiant. Die Ankündigung der beiden Konkurrenzsendungen sorgte für Aufsehen. Die Sendung «Headhunter» wurde mit einem medialen Schulterzucken quittiert. Nach der ersten von vier Sendung muss man leider sagen: Zu Recht.

Hier gelangen Sie zur Website der Sendung.