Steht ein Mann im schicken Jäckli auf freiem Feld. Er blickt auf seine Taschenuhr, hebt die Knarre und erschiesst einen Mann, der Sekundenbruchteile zuvor aus heiterem Himmel vor seine Füsse gefallen ist.

Joe, so heisst der Mann, beseitigt Gefangene aus der Zukunft. Das geht gut, solange Letztere pünktlich und gut verschnürt am vorgesehenen Ort runterfallen. Doch einmal, man ahnt es, kommt es anders: Da trägt der aus Raum und Zeit Gefallene kein Tuch überm Kopf. Es ist Joe selbst – Joe aus der Zukunft –, der von Joe aus der Gegenwart beseitigt werden soll.

«Zeitreise-Kram frittiert das Hirn»

Eine Zeitreise zum Zweck der Selbstauslöschung? Regisseur Rian Johnson riskiert da ganz schön viel. «Looper», angesiedelt im Jahr 2044, spielt mit der Genrelogik von Science-Fiction-Filmen. Und macht sich gleichzeitig darüber lustig. Joes Boss, ebenfalls aus der Zukunft, spottet einmal: «Dieser Zeitreisekram frittiert dir doch das Hirn.» Joes Kleidung kanzelt er mit den Worten ab: «Mit dieser Krawatte zitierst du bloss einen Film, der wiederum einen Film zitiert.» Ob das stimmt?

Jedenfalls: Der Tonfall ist gesetzt. Wir befinden uns in einer Science-Fiction-Welt, die sich nach Statussymbolen der Vergangenheit sehnt, weil die Gegenwart ausser Chaos und Verwahrlosung wenig zu bieten hat.

Entsprechend trocken, abgebrüht, sarkastisch ist die Sprache. Es gebe Kollegen, meint Joe aus dem Off, die ein gutes Leben führten. Was wir sehen, ist jedoch etwas anderes: Ein Looper nach dem andern schiesst sein Zukunfts-Ich ins Jenseits. Oder verzweifelt an seiner Aufgabe. Und Joe? Der tröpfelt sich jeden Abend Drogen ins Auge und lästert über «diese kleinen Wichte mit ihren aufgeblasenen Egos, die unsere Stadt bevölkern». Gemeint sind jene Männer, die mit bescheidenen telekinetischen Fähigkeiten (wenn sie eine Münze schweben lassen) im Club Frauen aufzureissen versuchen.

Die Jagd nach dem Kind

Apropos Telekinese: Diese Fähigkeit spielt in der zweiten Filmhälfte eine wichtige Rolle. Da jagt Gegenwarts-Joe (Joseph Gordon-Levitt) dem ausgerissenen Zukunft-Joe (Bruce Willis) hinterher. Dabei hätten beide im Prinzip dasselbe Ziel: Es soll verhindert werden, dass der künftige Unterweltkönig sein Terrorregime errichten kann. Kleines Problem: Der Unterweltkönig ist derzeit noch ein Kind. Und niemand weiss, wo es steckt.

Mag sein, dass «Looper» in diesen Momenten etwas zu schlingern beginnt. Und dass man sich fragt, weshalb sich die beiden Hauptdarsteller – Gordon-Levitt und Willis – kaum ähnlich sehen. Nun, dreissig Jahre als Vollstreckungsbeamter können einen Menschen ganz schön verformen. «Looper» zeigt, wie das aussehen könnte. Und dies erschreckend präzise.