TV-Kritik

«Box Office»: Ein Ärgernis zur späten Stunde

«Box Office»-Moderatorin Monika Schärer

«Box Office»-Moderatorin Monika Schärer

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat eine neue Leitung - und steht nun unter verschärfter Beobachtung. Die az beurteilt, analysiert und kritisiert deshalb jeden Tag eine neue Sendung.

2010 wurde die Sendung «Box Office» auf 28 Minuten verlängert. Der Beweis, wie lange 28 Minuten sein können, erfolgte am Donnerstagabend. Den langwierigen Eishockey-Playoffs zufolge konnte sich der cinephile Zuschauer «Box Office» erst zu sehr später Stunde zu Gemüte führen. Und dafür war die gebotene Kost dann doch eine arg schlechte Konkurrenz zum lockend warmen Bett.

Geboten wurde unter anderem eine Filmbesprechung des verstörenden US-Thrillers «The Killer inside me». Ein Film, der finsterer nicht sein könnte. Monika Schärer, die im Aargau zur Schule ging und selbst eine Ausbildung an der Filmhochschule Köln absolvierte, leitet den Trailer ein mit den Worten: «Hinschauen auf eigene Verantwortung».

Danach erfolgt ein langfädiges Porträt über Philip Dick, einem Romanautor, dessen Bücher so viele Regisseure inspiriert haben. Später mit «The Adjustment Bureau» eine Filmbesprechung der anderen Art.

Filmfans, so genannte «Box Office»-Mitglieder, offenbaren und bewerten ihre Eindrücke via Webcam. Was Zuschauernähe statt abgehobene Kritik bringen soll, ist ein fundamentales Missverständnis des Genres. Keine Konsumentenempfehlungen, keine Ratgeberliteratur mit Miniinformation will man hören, sondern etwas, das den Begriff Kritik auch verdient, bestenfalls enthusiasmiert.

Nichts davon trat ein. Kein Herz pocht. Noch schlimmer dann der Beitrag zum Film «Unknown Identity» mit Liam Neeson. Ein Aspekt des Films, die Lokalität, wird herausgehoben und verfremdet («Man wünscht sich so einen Film für Zürich»). Spass an diesem Kniff hatte wohl nur die Redaktion, der Zuschauer rätselt bloss. Symptomatisch auch die mit lebendiger Mimik unterstützte Schärersche Einleitung zu «The Tree»: «Fast habe ich ein wenig Mitleid mit Charlotte Gainsbourg. In ihrem letzten Film verliert sie ein Kind, nun ihren Mann.»

Wegzappen. Bett. Schlafen. (cls)

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