Filmtage

Bloggerinnen-Film sorgt in Solothurn für politischen Zündstoff

Linke Aktivisten verteilten in Solothurn Flugblätter gegen den Film «Forbidden Voices». Sie werfen der Regisseurin Barbara Miller vor, die Realität zu verdrehen und Fakten zu verschweigen. Miller kann die Kritik nicht nachvollziehen.

In «Forbidden Voices» porträtiert Barbara Miller drei Bloggerinnen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich mit den Blogs gegen Unterdrücker-Regimes wehren. Yoani Sánchez schreibt gegen kubanische Missstände an, Farnaz Seifi prangert die Verhältnisse im Iran an und Zeng Jinyan jene in China.    

Am meisten Raum ein nimmt die 36-jährige Philologin Yoani Sánchez aus Havanna, auch weil sie die einzige Protagonistin ist, die Regisseurin Barbara Miller in ihrem Heimatland heimlich filmen konnte. Sánchez, die seit 2007 bloggt, ist inzwischen weltberühmt. Das «Time»-Magzine hat sie ausgezeichnet, genauso wie sie US-Aussenministerin Hillary Clinton für ihren Mut gelobt hat.    

«Schauermärchen»?

Ihre kubakritische Haltung verbunden mit dem Lob passt der Vereinigung Schweiz Cuba (ASC/VSC) gar nicht in den Kram. Sie liess am Montag in Solothurn Flugblätter gegen den Film verteilen. «Der Film präsentiert Schauermärchen über Kuba», war darauf etwa zu lesen. Vor allem aber werfen die Castro-Freunde Miller vor, dass sie im Film nicht sagt, dass Yoani Sánchez zwei Jahre in Zürich gelebt hat.    

Flyer, der verteilt wurde,

Flyer, der verteilt wurde,

Barbara Miller kann ober der Vorwürfe nur lachen. «Das ist doch alles längst bekannt, das ist überhaupt kein Geheimnis», sagt sie.  Die Premiere des Films im Mai 2012 habe extra im Zürcher Kino Riff-Raff stattgefunden, weil Sánchez da gearbeitet habe, als sie in der Schweiz lebte. An der Premiere sei auch explizit darauf hingewiesen worden. Mehrere Medien haben darüber auch berichtet.    

Privates wird politisch

«Mich haben Frauen interessiert, die Privates öffentlich machen und so auf politische Missstände aufmerksam machen», sagt Miller. «Alle drei fordern keine Revolution, sie setzen sich für Freiheit der Meinungsäusserung ein.» Die Frauen, insbesondere Sánchez, lassen auf ihren Bogs auch dann andere Meinungen und Kritik zu.    

Miller wehrt sich auch gegen Kritik an der Auswahl der drei Bloggerinnen. «Ich habe 2007 mit der Recherche begonnen. Da gab es in arabischen Raum kaum Bloggerin», sagt Miller im Gespräch mit der «Nordwestschweiz». Eine vierte Frau, eine Bloggerin aus Kenia, kommt im Film nicht  vor. Sie hat mit dem Blogen aufgehört und arbeitet nun bei Google. Auf dem Internet sei der Beitrag aber zu sehen.   

Forbidden Voices (Trailer)

Forbidden Voices (Trailer)

Miller hat ihren Film inzwischen allen drei porträtierten Frauen den Film zeigen können. Als letzte hat ihn vor einer Woche auch die chinesische Dissidentin Zeng Jinyan. Diese hat nach Jahren des Hausarrests zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter nach Hongkong reisen dürfen.    

Die Regisseurin will auf jeden Fall an den Frauen dranbleiben, ob sie weitere Filme über sie dreht, weiss sie noch nicht. Im Sommer wird sie über kommende Projekte entscheiden.

Hier geht es zu den Blogs von Yoani Sánchez

http://www.desdecuba.com/generaciony/

http://www.desdecuba.com/

Meistgesehen

Artboard 1