Sein experimenteller Kurzfilm «Paradies» läuft dieses Wochenende im Rennen um den Basler Filmpreis in der Kategorie «Kunstfilm». 2011 durfte er sich bereits denselben Preis in die Tasche stecken. Auf das Wochenende freut sich der Basler Filmemacher Max Philipp Schmid, denn dann kann er sehen, was seine Kollegen und Kolleginnen im letzten Jahr gedreht haben. Der «sportliche Teil», wie Schmid die kompetitive Seite der Veranstaltung «Zoom – Basler Filme im Fokus» bezeichnet, ist deswegen für ihn nicht zentral. Das kommt wohl daher, dass seine Konkurrenten auch Bekannte sind: Christoph Oertli ist ein guter Freund und Florine Leoni die Nachbarin im Haus Bollag, wo Schmid sein Atelier hat. Von sportlichem Ehrgeiz findet sich bei Schmid keine Spur. Eigentlich sei der Wettbewerb in der Kunst absurd, sagt Schmid, denn künstlerische Arbeiten sind seiner Meinung nach unvergleichbar.

Es ist nicht erstaunlich, dass Schmid im Rennen bei «Zoom» vorne mitläuft: Der Basler produziert seit geraumer Zeit viele experimentelle Kurzfilme und ist erfolgreich. Nun ja. Nicht so erfolgreich, dass er von seiner Kunst leben könnte - nebenher unterrichtet er in Basel an der Schule für Gestaltung und in Luzern angehende Videokünstler -, aber zumindest erhält er für seine Werke viel Beachtung.

Auf seiner Internetseite kann man nachlesen, wohin seine Filme gewandert sind. In die ganze Welt. Von Marseille über Montreal nach Polen und bis Athen sind sie gereist. Von einem Filmfestival zum anderen. Von einem Museum ins andere. Meist kombiniert Schmid seine Filme mit einer Video-Installation und findet deswegen nicht nur offene Türen in Kinos oder Filmfestivals, sondern auch in Ausstellungsräumen.

Einladendes Chaos

Man könnte meinen, Max Philipp Schmid sei ein Weltenbummler, der viel zu berichten hat. Dem ist nicht so. Der Filmemacher ist kein Mann der grossen Worte, im Gegenteil. So bescheiden, wie er ist, wäre es ihm wohler, wenn die Reporterin selbst seine Geschichte erzählen würde. Der 53-Jährige ist eben ein Tüftler.
Ein Blick in sein Atelier bestärkt diesen Eindruck. An den Wänden hängen unzählige Fotos und Videostills, die Regale neben dem Schreibtisch sind voller Bücher, ein altes Tonbandgerät steht auf dem Tisch neben Papierstapeln. Es ist kein unordentliches Chaos einer vernachlässigten Stube, sondern eher ein buntes Durcheinander, das zum Stöbern und Mittüfteln einlädt.

An der linken Wand hängen auf Papier gedruckte Bilder von urbanen Gärten. Man sieht darauf verlorene Palmen in einer Betonlandschaft, eingezäunte und pikfein zurechtgestutzte Vorgärtchen, die die bürgerliche Idylle nachahmen. Diese und andere Bilder sind Teil seiner neuen Arbeit, dem experimentellen Kurzfilm «Paradies». Darin sitzt ein Mann mittleren Alters an einem Schreibtisch. Vor ihm ein Mikrofon. Er sitzt in einem Treibhaus und ahmt mit verschiedenen Flöten die Pfiffe paradiesischer Vögel nach. Aus dem Off klingt eine Männerstimme, die Sätze sagt wie: «Paradies bedeutet Umzäunung», oder «Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam, zu sagen ‹Dies gehört mir› und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.»

Schmid betritt mit «Paradies» Neuland: Bis jetzt hat er die Texte nie direkt in den Film eingespielt, sondern hauptsächlich mit Geräuschen und Tönen gearbeitet. «Ich bin leidenschaftlicher Tongrübler», sagt er und erklärt, dass für seine Filme der Ton genauso eminent sei wie das Bild. Das schafft eine spannende Interaktion. Beim Schneiden der Filme geht er beispielsweise einem Rhythmus nach. Im Grunde seien die Werke immer eine musikalische Montage.

Nun versucht er sich also an gesprochenen Texten. Als Form dient ihm hierfür ein Gedankenfeld: Der Zuschauer kann so ein Mosaik von Ideen betreten, das für ihn fruchtbar ist — auch auf intellektueller Ebene. Was der Filmer um jeden Preis verhindern möchte, und das sei nicht immer einfach, ist, am Schluss keine abschliessende Aussage zu formulieren oder den Zuschauer auf eine bestimmte Meinung hinzulenken.

Vom Paradies in den Wald

Auf die Frage, ob sich sein filmisches Schaffen seit den Anfängen verändert hat, tut sich der Künstler schwer. Einen Bogen zu schlagen, findet er schwierig und erklärt warum: «Jede Arbeit ist ein Versuch, etwas weiter zu entwickeln». Das sieht man deutlich in den Werktiteln, die sich thematisch überschneiden. Da sind Titel vorhanden, die an Glücksvorstellungen und Natur anknüpfen: «Garten der Arten», «Ville imaginaire», «Das Gespenst des Glücks», «Paradies», «Wald», «Der Wanderer» oder «Natur und Kultur».

Seine Arbeit verlaufe nie linear, oft bleiben Ideen auf der Strecke. Diese greift Schmid auf, und sobald die Zeit reif ist, vermengt er sie in seiner Alchimie-Kiste zu neuen Werken. Oft seien es thematische oder auch technische Stränge, die er verfolge. Er spürt dann beispielsweise dem Sinn oder der Vorstellung des Glücks nach. Fragt, wie sich diese Vorstellungen auf unsere Gesellschaft auswirken, wie wir sie ausdrücken oder wie sie sich bemerkbar machen.

Heute zeigt Schmid im Stadtkino Basel seinen paradiesischen Kurzfilm. Am Samstag wird entschieden, ob Max Philipp Schmid als Sieger aus dem Rennen von Zoom geht — wir wünschen ihm viel Glück.