Avengers

Ausnahmefall im Netflix-Zeitalter

Es ist der beste Kino-Start aller Zeiten: «Avengers: Endgame» füllt die Säle von Amerika bis in die Schweiz. Doch ist der Erfolg von «Avengers: Endgame» nun der Start einer Trendwende – oder bloss das letzte Aufbäumen einer sterbenden Branche?

Waren Sie dieses Wochenende im Kino? Falls ja, haben Sie sich sehr wahrscheinlich «Avengers: Endgame» angesehen. 85 Prozent aller Kinotickets in der Schweiz wurden für den neuen Superhelden-Film der Marvel Studios gelöst.

An den Kinokassen auf der ganzen Welt purzeln gerade die Rekorde. Offenbar gibt es selbst im Netflix-Zeitalter noch Filme, für die wir unsere Tablets und Smartphones auf die Seite legen. Filme, bei denen wir uns alle einig sind: Den muss ich auf der grossen Kinoleinwand sehen!

Das wird vor allem die angeschlagenen Kinobetreiber freuen. 2018 wurden in der Schweiz so wenig Kinotickets verkauft wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Landesweit mussten letztes Jahr gar 20 Kinosäle geschlossen werden.

Doch ist der Erfolg von «Avengers: Endgame» nun der Start einer Trendwende – oder bloss das letzte Aufbäumen einer sterbenden Branche? Oder anders gefragt: Gibt es in absehbarer Zeit weitere Kinofilme, die so erfolgreich laufen wie Marvels Superhelden-Epos? Die Antwort lautet sehr wahrscheinlich: Nein. Was dieses Wochenende passiert ist, bleibt wohl einmalig. 

Der Erfolg von «Avengers: Endgame» fusst auf einem langjährigen Plan. 2008 veröffentlichte Marvel seinen ersten Superhelden-Film, seither kamen 21 weitere dazu, die eine fortlaufende Geschichte erzählen. «Endgame» ist die Kulmination davon. Mit so viel Umsicht und Geduld plant inzwischen kein Filmstudio mehr. Denn im Streamingzeitalter sind wir uns gewohnt, dass unsere Sehbedürfnisse auf Knopfdruck und sofort befriedigt werden.

lory.roebuck@chmedia.ch

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