Endlager

Auf der Suche nach dem sichersten Ort der Welt

Der Basler Filmregisseur Edgar Hagen lenkt den Blick auf ein gern verdrängtes Problem, den Atommüll. Er tut dies unaufgeregt, souverän und genau darum wirkungsvoll.

«Das Endlager-Problem ist grundsätzlich technisch gelöst.» Menschen in Positionen wie Markus Fritschi, Geschäftsleitungsmitglied der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), wiederholen diese Aussage seit vielen Jahren. Es ist ihr Mantra geworden.

350 000 Tonnen radioaktiven Atommülls haben sich weltweit angesammelt. Fakt ist: All dieses Material wird zwischengelagert. Kein Gramm davon befindet sich in einem fertigen, sicheren Endlager. Die Suche nach geeigneten Standorten ist in vollem Gang, seit rund 35 Jahren.

Das ist die Ausgangslage für Edgar Hagens neuen Film «Die Reise zum sichersten Ort der Erde». Der 54-jährige Filmregisseur aus Basel nimmt das Versprechen von Industrie und Wissenschaft beim Wort und sagt sich: Wenn es also einen Standort gibt, an dem der gefährlichste Stoff der Welt bis zu einer Million Jahre gelagert werden kann, dann muss dieser Ort der sicherste der Erde sein. Hagen wendet sich an seriöse Wissenschafter und bittet diese, ihm einen solchen Ort zu zeigen.

Fünf Jahre um die Welt gereist

80 Tage reichten nicht aus; fünf Jahre hat der Regisseur am Film gearbeitet. Seine Suche führt ihn um die ganze Welt - vom zürcherischen Benken bis in die Wüste Gobi. Er trifft Befürworter und Gegner, Wissenschafter, Politiker, Interessensvertreter. Er findet sogar einen Mann, der den landesweiten Atommüll gern unter seinem Gemeindeboden lagern würde. Schliesslich bedeute das auch viel Geld und Jobs. Dieser Bob Forrest, Ex-Bürgermeister von Carlsbad, New Mexico, wirkt in seinem Enthusiasmus ausgesprochen komisch. Überhaupt, und das ist eine der Überraschungen des Films, bringt er an mehreren Stellen zum Lachen. Denn immer wieder reiben sich die enorme Grösse des Vorhabens an der Begrenztheit des Menschen. «So viel wissen wir noch gar nicht», lautet auch eine Erkenntnis Hagens.

Edgar Hagen packt das aufregende Thema so unaufgeregt wie möglich an. Er hat nicht die schlimmsten Sensationen gesucht, sondern eine ernsthafte, offene Auseinandersetzung mit dem Thema. Es wäre einfach gewesen, einen Skandalfilm aus der Perspektive der Gegner zu drehen. Das wollte Hagen nicht. Stattdessen ist sein Hauptprotagonist, Charles McCombie, ein AKW-Befürworter und seriöser Endlager-Experte. Ihn, wie alle anderen Gesprächspartner, konfrontiert Hagen respektvoll mit seinen Fragen. Ich wollte niemanden in die Pfanne hauen», sagt der Regisseur im Gespräch, und er wolle die Welt nicht in Gut und Böse aufteilen. Vielmehr gehe es ihm um einen konstruktiven Umgang mit einem gesellschaftlich verdrängten Problem.

Wenn wir es schaffen wollen, dieses Riesenproblem zu lösen, müssen wir ehrlich und bescheiden sein. Auch diese Botschaft schwingt in Hagens äusserst sehenswertem Film mit - aber ohne moralischen Zeigefinger.

Nationaler Filmstart am 31. Oktober. Vorher finden in den Kantonen Aargau und Basel zahlreiche Premieren samt Apéro und Diskussion mit dem Regisseur, Protagonisten und Politikern statt. Alle Informationen auf: der Seite www.diereisezumsicherstenortdererde.ch

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