Heute schlägt dem Basler Film die Stunde der Wahrheit. Nach jahrelangem Hin und Her entscheidet der Grosse Rat diesen Vormittag darüber, ob die Mittel für die regionale Filmförderung substanziell erhöht werden – oder nicht. Gegenwärtig unterstützen beide Basel die hiesigen Filmschaffenden mit 500'000 Franken pro Jahr. Neu soll der Stadtanteil auf 900'000 Franken verdreifacht werden, der Landanteil um 150'000 auf 350'000 Franken erhöht werden. Wenn das klappte, kämen Swisslos-Gelder von 1,5 Millionen Franken hinzu.

Das ist ein grosser Sprung für Basel. Aber im Vergleich zu Zürich oder der Romandie bliebe die hiesige Förderung ein Klacks, auch Bern zeigte sich nach wie vor doppelt so grosszügig.

Der Exodus wird gefördert

Niemand bestreitet, dass Basel-Stadt die zeitgenössische Filmkunst stiefmütterlich behandelt. Nur etwa 0,25 Prozent des gesamten Kulturbudgets ist sie dem Kanton bisher Wert. Dies obschon das Produzieren von Filmen besonders aufwendig und teuer ist. Auch die vorgesehene Erhöhung läge «weit entfernt von jeglichem Luxus», sagt der Basler Filmemacher Vadim Jendreyko. Aber sie böte den Basler Filmemachern «eine Basis, die uns eine Perspektive gibt.»

Vielleicht könnte Jendreyko dann mit seiner Produktionsfirma Mira Film wieder zurück von Zürich nach Basel zügeln. Denn dorthin wandern die meisten Filmschaffenden nach ersten Erfolgen ab. Trotzdem kommen immer wieder neue Talente nach. «Basel hat eine beachtenswerte Filmszene von überzeugender Qualität», sagt Katrin Grögel, Beauftragte für Kulturprojekte des Kantons Basel-Stadt, «aber mit den bestehenden Mitteln können wir diese Szene nicht ausreichend fördern.» So fördere man hier oft den Nachwuchs, nur um ihn bei eintretendem Erfolg bald an grosszügigere Kantone zu verlieren.

Kriterien für Basler Filme

Doch wann ist ein Basler Film ein Basler Film? Um lokale Fördergelder zu erhalten, muss derzeit eines von drei Kriterien erfüllt werden: Die Autorin oder der Autor lebt in Basel (es kann sich um den Drehbuchverantwortlichen oder die Regie handeln). Oder die Produktionsfirma hat hier ihren Sitz. Drittens werden Filme mit klarem Basler Ortsbezug als Basler Filme anerkannt. Aus diesem Grund wird derzeit auch ein kurzer Dokfilm eines Zürcher Regisseurs über die Uhrenfabrikation im Waldenburg mit 15'000 Franken aus dem Basler Topf gefördert.

50'000 Franken ist der höchste Beitrag, mit dem Basel derzeit einen Film fördern kann. Die Kriterien sind streng: Unter anderem wird ein «originäres, eigenständiges, zeitgenössisches» Projekt von «öffentlicher Relevanz» erwartet. Amateurfilme werden ebenso wenig unterstützt wie Auftrags- oder Werbefilme. Sagt der Grosse Rat Ja zu höheren Filmgeldern, so würden die Kriterien angepasst. Dabei würde laut Grögel auch geprüft, ob kommerziell erfolgreiche Filme – wie im deutschen Fördersystem üblich – einen Teil der Gelder rückerstatten sollten.

So wurden erfolgreiche Basler Filme vom Fachausschuss Audiovision und Multimedia BS/BL gefördert:

No More Smoke Signals

(Quelle: www.youtube.com/rduke1979)

Trailer zum Film «No More Smoke Signals» von Fanny Bräuning

Einfühlsam und doch unsentimental zeigt die Basler Regisseurin Fanny Bräuning am Beispiel einer indianischen Radiostation in South Dakota, wie ein indigenes Volk es schwer hat mit der Bewahrung seiner Werte in modernen Zeiten.
BS/BL: Fr. 30'000.–
Gesamtkosten: Fr. 942'392.–

Von heute auf morgen

(Quelle: www.youtube.com/Frank Matter)

Trailer zum Film «Von heute auf morgen» von Frank Matter

Vier liebenswerte alte Menschen verteidigen den kleiner werdenden Spielraum ihrer Autonomie. Frank Matter gewann mit seinen Alltagshelden den Basler Filmpreis. Er gehört zu den wenigen erfolgreichen Filmern, die Basel seit Jahren treu bleiben.
BS/BL: Fr. 50?000.–
Gesamtbudget: Fr. 433'982.–

Neuland

(Quelle: youtube.com/CinemaCopainLtd)

Trailer zum Film «Neuland» von Anna Thommen

Zu Beginn glaubte kaum jemand an die Idee der Basler Regisseurin Anna Thommen: Junge Migranten einer Basler Integrationsklasse begleiten – das klang nationalen Förderstellen zu wenig spannend. Seit Erscheinen kann sich der Film vor Preisen kaum retten.
BS/BL: Fr. 50'000.–
Gesamtbudget: Fr. 297'168.–

Die Reise zum sichersten Ort der Erde

(Quelle: youtube.ch/looknowfilm)

Trailer zum Film «Die Reise zum sichersten Ort der Erde» von Edgar Hagen

Der Basler Regisseur
Edgar Hagen sucht mit Experten einen Ort, an dem Atommüll sicher vergraben werden könnte – er wird nirgendwo fündig. Nach Erfolgen in der Schweiz und an Festivals läuft der Film nun in deutschen Kinos an.
BS/BL: Fr. 50'000.–
Gesamtkosten: Fr. 1,1 Millionen

Die Frau mit den fünf Elefanten

(Quelle: youtube.com/cineworxfilmverleih)

Trailer zum Film «Die Frau mit den fünf Elefanten» von Vadim Jendreyko

Jetzt läuft er in Japan an: Der internationale Erfolgsfilm des Basler Regisseurs Vadim Jendreyko, ein einfühlsames Porträt der Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier, stammt aus dem Jahr 2009, reist aber noch immer um die Welt.
BS/BL: Fr. 50'000.–
Gesamtkosten: Fr. 629'000 .–