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Am Anfang war das Wort – am Ende «Die Bachelorette»

Adelas Männer geraten sich mal wieder in die gelierten Haare, denn «die Lippen des Narren bringen Zank, und sein Mund ruft nach Schlägen». Die Bibel hilft dem Verlorenen auch auf den Irrwegen des Privatfernsehens.

Nicolas Drechsler
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Im Anfang war das Wort, heisst es schon bei Johannes (1.1) und bei der Bachelorette eben: «Ey Jungs, en Brief!», so ruft es David den Mitjüngern Adelas zu und wir staunen, das erste Wunder in dieser biblischen Folge der Bachelorette geschieht, David kann lesen. Adela hat ihn wohl von seiner Dyslexie geheilt, wie weiland der Heiland den Blinden in Jericho (Lukas 17.19).

Dass Adela schreibt, es gehe um Höhen und Tiefen, bringt den Mann mit dem zutiefst biblischen Namen auch auf geistige Höhenflüge: «Es chönnt um Höchi ga» orakelt der Weise aus dem Orient, naja, der Ostschweiz.

Luca soll mit Adela den Berg Sinai, will heissen, einen Kran erklimmen und sich von dort am Bungee-Seil in die Tiefe stürzen. Seinen Glauben an Adela so prüfen und beweisen. Doch der Arsch geht ihm auf Grundeis. Die Angst meines Herzens ist gross; führe mich aus meinen Nöten!, ruft er aus. Nein, das ist Psalm 25. Luca sagt: «i bi un Italiano vero aber ich juck da aabe.» Doch Adela wollte eh nur wissen, «ob hinter diesem grossen Maul auch was steckt». Und nun weiss sie, er ist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, aber nein, er ist Luca und das ist Matthäus 16.18. Doch Luca schwärmt: «Adela ist alles, Tiramisu, Mascarpone und Pistazienglace, sie ist Dolce Vita.» Er will sie nicht lieben, er will sie essen.

In dieser Folge geht es gleich mit viel Adrenalin los.
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Dabei hat Luca doch Höhenangst.
Mit Adela kann er sich aber überwinden.
Geteiltes Leid...
Danach wird gekuschelt.
Jöööö
Währenddessen erhalten Cem und Safak einen Auftrag.
Sie müssen Adela einen Heiratsantrag machen.
Safak bestellt dreissig Rosen.
Cem ist da eher für Süsses.
In seinem Kuchen hat er den Verlobungsring versteckt.
Adela ist begeistert.
Sie lässt sich – wie wir ja wissen – gerne überraschen.
Und sie sagt beim ersten Antrag ihres Lebens Ja.
Safak setzt mehr auf kitschige Romantik.
Adela ist gerührt.
Und das zweite Mal an einem Tag geht ein Mann vor ihr in die Knie.
Und auch hier sagt Adela Ja.
«Der Ring passt, der Mann passt.» Adela gefällt Safaks Antrag besser.
Safaks Antrag war für Adela «durchdachter», deshalb erhält er auch einen Tanz.
Cem muss derweil abzotteln.
Doch nicht nur Safak und Cem auch die anderen «Männer» müssen ihre Kreativität beweisen.
Jeder tut das auf seine Art.
Davide leckt verschiedenste Lebensmittel von Adelas Körper.
Luca...äh...ist halt einfach Luca.
Sein Outfit bringt alle zum Lachen.
Adela kann sich kaum auf der Couch halten.
Ob sein Strip danach ankam, lassen wir mal unkommentiert.
David singt für Adela einen serbischen Song.
Die Vorbereitung auf seinen Auftritt wollen wir euch nicht vorenthalten.
Zum Schluss tatscht Mario dank Bodypaint noch ein wenig an Adela rum.
Ihre Reaktion könnte klarer nicht sein.
Tja, Mario, das war ein klassisches Eigentor.
Vielleicht hat Adelas Reaktion ja mit dem Date zuvor zu tun.
Adela will beim Doppeldate von Mario wissen, was Davids schlechte Eigenschaften sind.
Davids Todesblick.
Mario lässt kein gutes Haar an David.
Trotzdem verbringt die Bachelorette den Rest des Abend mit ihm.
Bald ist Rosennacht und Davide macht sich Sorgen.
Deshalb hat er Adela zu einem Action-Date eingeladen.
Am Schluss der rasanten Fahrt fällt Davide vom Boot.
Deshalb zeigt Adela ihre Muckis – den «Schwan».
Aus sechs mach vier. Wer erhält keine Rose?
Safak erhält nach seinem romantischen Heiratsantrag die erste Rose des Abends.
Und auch Cem darf eine Runde weiter in die «Dream Dates».
David muss kurz Zittern – doch dann erhält er doch eine Rose.
Davide, Luca und Mario – nur einer wird bleiben.
Luca ist der Erste, der gehen muss.
Adela fällt die Entscheidung schwer.
Davide bekommt die letzte Rose – Mario muss zurück in die Schweiz.

In dieser Folge geht es gleich mit viel Adrenalin los.

Screenshot / 3+

Die Challenges gehen weiter, denn Adela muss aus der Herde ihrer Schäfchen den Bock aussuchen, der sie im biblischen Sinne kennenlernen darf. Und so sollen Safak und Cem ihr einen Antrag machen für eine Hochzeit in Kanaan. Und Cem meint: «Hochzytsatreeg sin mini Spezialideet, i hans scho oft probiert.»

Safak dagegen sieht keinen Sinn im Planen, denn wie steht es schon bei Hiob 18.7, sein eigener Plan bringt ihn zu Fall. «Sowas kommt spontan», befindet der Kosmetikstudio-Besitzer und geht sofort in einen Blumenladen, wo er wild rudernd eine Thailänderin mit den stetig manisch wiederholten Worten «I need many many roses, many more» verwirrt. Oder etwas apostolischer, er redete in Zungen und trübte ihren Geist. Auch der planende Cem trifft bei der Herrin der Rosen ein und sagt über Adela, deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge, die unter den Rosen weiden. Also nein, aber so steht es im Hohelied 4.5.

Unterdessen übt sich Adela im Fischen nach Menschen im Stile des Simon Petrus und zieht sich mit Mario und David auf das Wasser zurück. Dort sollen die beiden über den jeweils anderen reden, doch Mario zaubert Zornesfalten auf die «botoxglatte» Stirn des David.

Davids Todesblick.

Davids Todesblick.

Screenshot / 3+

Denn Mario legt falsch Zeugnis ab wider seinen Nächsten und sagt, Davids grösstes Talent sei es, sich zu schminken. Der ist empört, obwohl er wenige Minuten später schon wieder Gips im Gesicht hat, oder wie das auch immer heisst, was man sich halt so maskenmässig aufpflastert. Heuchler, die ihr gleich seid, wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und alles Unflats! brüllt Mario, nein, Matthäus (23.17) und zieht damit den Zorn der Adela auf sich.

Sie bestellt ihn zum Einzelgespräch, wo sie dem Mann mit dem Kreuz auf der Brust die Leviten liest. Und dann doch wieder die Lippen aus Collagen (oder Eigenfett? Oder Hyaluronsäure?) sanft öffnet und seine Zunge mit der ihren empfängt. Daselbst liessen sie ihre Brüste begreifen und den Busen ihrer Jungfrauschaft betasten. Vermutet zumindest der alte Hezekiel (23.3) doch bei der Bätschi folgt eine Ausblende vom scharfen Geschehen in die Unschärfe des thailändischen Abends. Und die Wahrheit erfahren auch die anderen Jünger nicht, denn Mario sagt nur: «Der Gentleman schweigt und geniesst, oder geniesst und schweigt, so?»

David sortiert derweil seine Zwangsneurosen neu und spricht weise: «Ordnung ist das halbe Leben.» Recht hat er, darum stehen ja auch die Grabsteine immer schön ordentlich in Reih und Glied. Die Prüfungen für die Gläubigen sind diesmal künstlerischer Art, Adela befiehlt eine «Kreativ-Challenge».

David nimmt die Gipswand kurz aus dem Gesicht, denn es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel. Prediger 12.8 und beschliesst, er werde für Adela singen. Auf serbisch wegen ihrer Herkunft, ein bosnisches Lied, wegen ihres Vaters, dem in Basel verehrten Heiligen des Flankenballs, Sankt Admir. «Ich atme für Dich», ist der Titel. Adela findet es ein bisschen «too much». Tja, wie heisst es schon bei Hiob (17,1) das Atmen fällt mir schwer, mein Leben endet, der Docht verglimmt, mein Grab ist schon geschaufelt. Das will doch keine Frau hören, so was.

Schön auch der Auftritt von Luca, den Safak liebevoll als «Bewegungslegastheniker» bezeichnet, David sieht ihn in der «Friendzone» und Cem findet ihn einfach fett. Das nennt der moderne Mensch «Bodyshaming», Luca dagegen findet, bittet für die, welche euch beleidigen! Stop! Das war Lukas (6.28), nicht Luca. Luca dagegen ist geschminkt, trägt ein Damenkleid und tanzt für Adela. Ja, so ein Kompanieabend ist immer eine gute Inspiration um eine Frau zu becircen. Denn schon Samuel wusste, sie werden dazu in ekstatischer Begeisterung tanzen und singen (Samuel 10.6). Und doch, der Diättipp von Cem wäre gut gewesen: Alles Fett muss er opfern: das Fett an den Eingeweiden, (3. Mose 7.3).

Davide dagegen setzt auf sinnliche Reize und bindet Adela die Augen zu. «Gang wäg Satan», sagt sie zunächst und meint wohl «Vade retro», doch dann lässt sie den lockigen Jüngling gewähren. Er leckt Rahm und Honig von ihr, denn Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gesund und ein Genuss für den Gaumen, riet ihm schon seine Mutter, respektive Sprüche 24,13.

Doch als er Adela eine Traube zwischen die Hyaluronsäure- (oder doch Collagen-?) gestärkten Lippen schiebt, da sagt sie lächelnd: «Hey nei, me steggt ere Frau doch nüt ins Muul, usser halt öbbis». Ja, soviel Offenheit muss sein, auch wenn der gute Jesus Sirach einst mahnte: Lass mich weder der Fresssucht noch der Unzucht verfallen und gib mich nicht der Schamlosigkeit preis! (23.6). Darum schert sich auch Mario keinen Deut, er will Bodypainting machen bei Adela. «Picasso bini, Picasso Mann», spricht die Geissel der Deutschen Sprache. Doch Cem vermutet, er wolle nur an Adelas Brüste und hat zum dritten Mal in seinem Leben mit etwas recht. Doch Adela, die ein Kopftuch aus der OMO-Werbung von 1965 trägt, dreht den Spiess um und bemalt Mario. Mario findet seine Nummer interessant und gut. Damit steht er so alleine da wie Adam, bevor der Herr auf die Idee mit Eva kam.

Die «Hochzeitsantrags-Challenge» zwischen Safak und Cem entscheidet der Mann aus Hamburg für sich. Mit einem Herz aus Kerzen. Streng nach Psalm 136: Er hat die grossen Lichter gemacht: – Seine Liebe hört niemals auf! Ja, bist du kein grosses Licht, so zünde wenigstens eines an. Cem dagegen scheitert, er wollte es sich eigentlich am liebsten so einfach machen, wie Juda das in Moses 38,2 tat: Er sah die Tochter des Kanaaniters Schua und heiratete sie. Tja, die Zeiten sind vorbei. Da half auch das Törtchen mit Ring drin nichts.

Es naht die Stunde der Entscheidung und Adela muss sich einmal mehr Fragen, wer darf ihr weiterhin folgen auf ihrer Wanderschaft durch die Wüste. Gilt das Wort aus der Bergpredigt, dass die geistig Armen selig sind?

Es gilt, David bekommt eine Rose. Nicht so Mario. Adela spricht mit Zornesstimme: Diesen Taugenichts werft hinaus in die Dunkelheit draussen! Dort gibt es nur noch Jammern und Zähneknirschen. Also nein, das ist Matthäus 25.30, Adela verweigert ihm einfach das dornige Blümchen. Und auch der lustig tanzende Luca erhält keine Blume, denn Adel kann nicht nur lachen.

Und Mario will nur noch weinen und weinen, meine Tränen fliessen ununterbrochen, wie es bei Jeremia 13,17 steht. Nur sagt er: «Am liebste het ich au brüelt, es isch e beschisses Gfüehl.» Ja so ist es. Und während sich diejenigen Apostel freuten, die weiter mit Adela nach der Erleuchtung in tiefer geistiger Nacht suchen dürfen, hüllen sich Mario und Luca in einen Sack und streuen Erde auf ihren Kopf, sie wälzen sich im Staub. Voll Trauer und Entsetzen klagen sie, sie schreien laut, sie weinen, jammern, heulen. Hesekiel (27.30) war wohl auch mal Kandidat bei der «Bachelorette», denn er weiss genau, wie man sich «rosenlos» zu fühlen hat.

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette

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