Zehn Jahre hat es gedauert, bis mit «Achtung, fertig, WK!» die Fortsetzung einer der erfolgreichsten Schweizer Filmkomödien aller Zeiten in die Kinos kommt.

Gemessen an Hollywoodmassstäben eine Ewigkeit. Zum Teil mag das daran liegen, dass «Sequel» in der stets um Originalität bemühten eidgenössischen Filmlandschaft ein Fremdwort im doppelten Sinne ist.

Achtung, fertig, WK! - Der Trailer

Allerdings machte es «Achtung, fertig, Charlie!», mit dem das Produzentenduo Lukas Hobi und Reto Schaerli von Zodiac Pictures quasi über Nacht das Schweizer Unterhaltungskino reanimierte, möglichen Nachfolgern auch nicht leicht.

Schliesslich lebte die grobschlächtig erzählte Armeekomödie vor allem davon, dass sie mit ihrem frisch-frechen Humor und trashigen Charme einen Nerv traf.

Daran anzuknüpfen und den B-Movie zugleich dramaturgisch, inszenatorisch und darstellerisch zu einem A-Movie aufzuwerten, war die reizvoll schwierige Aufgabe, die Regisseur Oliver Rihs («Schwarze Schafe») und Drehbuchautorin Güzin Kar («Die wilden Hühner», «Fliegende Fische») mit «Achtung, fertig, WK!» über weite Strecken elegant meistern.

Fast nur neue Gesichter

Von der ursprünglichen Besetzung bleiben in der neuen «Zodiac»-Produktion nur wenige übrig. Marco Rima überzeugt mehr denn je als Vollblutkommandant Reiker, der trotz harter Schale das Herz am rechten Fleck hat. Und Martin Rapold hat als Wachtmeister Weiss erneut seine Freude daran, Soldaten niederzubrüllen und durch den Schlamm robben zu lassen. Doch auch wenn sonst fast nur neue Gesichter zu sehen sind, knüpft die Handlung indirekt an den ersten Teil an, der damit endete, dass Reikers Tochter Bluntschi vom Chaosrekruten Carrera ein Kind erwartete.

Zu Beginn der Fortsetzung taucht nun Reikers jüngere Tochter Anna (Liliane Amuat) auf: hochschwanger und liiert mit dem Militärdienst-Drückeberger und Yogalehrer Alex Stüssi (Matthias Britschgi).

Weil das junge Paar keine bezahlbare Wohnung findet, trifft es sich gut, dass Annas Vater noch ein leer stehendes Haus besitzt.

Der Haken: Reiker lässt die beiden nur einziehen, wenn Alex sich freiwillig zum WK meldet. Die Turbulenzen sind da vorprogrammiert und werden von Rihs mit viel Tempo, zwischendurch aber auch manchen Längen in Szene gesetzt.

Doch nicht genug damit, dass Stüssi den bunt zusammengewürfelten Aussenseitertrupp, mit dem er sich beim WK ein Zimmer teilt, mit Gymnastikbällen und Yogaübungen in Form zu bringen versucht. Genau wie sein Filmvorgänger Carrera muss auch er sich zwischen zwei Frauen entscheiden.

Ein Konflikt, den Kar und Rihs deutlich ernster nehmen, als es seinerzeit bei «Achtung, fertig, Charlie!» der Fall war.

Stüssis Gefühlsleben gerät kräftig durcheinander, als er sich in die amazonenhafte Truppenköchin Jessica (Sira Topic) verliebt. Jessica, am Herd eine Niete, aber am Gewehr ein Ass, verkörpert Bluntschis Schwester im Geiste: taff, selbstbewusst und sexy.

Keine Unterstützung vom Bund

Ähnlich wie einst «Charlie!» nimmt «WK!» althergebrachte Frauen- und Männerbilder auf die Schippe, um dann doch von so manchen Stereotypen eingeholt zu werden.

Nachdem Güzin Kar an der Regiefassung des Scripts nicht mehr beteiligt war, kommt die weibliche Perspektive jedoch abermals zu kurz. Eine typische Männerkomödie ist «Achtung, fertig, WK!» freilich ebenso wenig wie ein Werbefilm für die Schweizer Armee.

Das Militärdepartement war nach den als negativ empfundenen Erfahrungen mit Mike Eschmanns Sensationserfolg «Achtung, fertig, Charlie!» nicht bereit, die Dreharbeiten zu unterstützen.

Auch wenn sich «Achtung, fertig, WK!» in vielem reifer, runder und tiefgründiger präsentiert als sein ungeschliffen klamaukiger Vorgänger, das satirische Gespür und der Spass haben darunter nicht gelitten.

Achtung, fertig, WK! (CH 2013), 99 Min., R: Oliver Rihs. MMMII