Was bisher in einer schmeichelhaften Unschärfe verschwand, wird ab Mittwoch schonungslos in die Wohnzimmer übertragen: Jede Pore, jeder kleine Krähenfuss wird wegen der fünf Mal höheren Auflösung zu erkennen sein. Damit die Wahrheit nicht ganz so hart ausfällt, hat das Fernsehen nun seine Schminktechnik weiterentwickelt.

Konventionelles Make-up werde zwar nach wie vor angewendet, heisst es beim Schweizer Fernsehen auf Anfrage. Je nach Hauttyp werden die Moderatoren und Moderatorinnen aber auch mit Airbrush, also Sprühnebeln, geschminkt. Von den Geschminkten werde diese Technik als angenehm empfunden, heisst es zumindest von offizieller Seite.

Auch die Studiobauer stehen wegen der neuen Bildqualität vor Herausforderungen: Konnten sie bisher mit einigen Pinselstrichen eine Mauer simulieren, wird ab Mittwoch deutlich sichtbar sein, dass es sich doch nur um angemalten Karton handelt. Es müssen deshalb häufiger plastische, echte Bauten angefertigt werden.

Die grösste Änderung passiert jedoch bei der Technik. Seit 2005 wurden bei Neuanschaffungen, etwa bei Kameras, Übertragungswagen und Schneideplätzen, in allen Sprachregionen ausschliesslich HD-taugliche Produkte gewählt. Geräte in einem anderen Standard sind mittlerweile ohnehin nicht mehr erhältlich.

Handybilder aus Syrien werden auch mit HD nicht scharf

Aufgeschaltet werden am Mittwoch die HD-Sender der sechs SRG-Hauptsender, also von SF1, SF zwei, TSR1, TSR2, RSI LA1 und RSI LA2. SF info wird erst ab 2015 in HD verbreitet. SF plant, in diesem Jahr 50 Prozent der Sendungen in der Primetime in HD-Qualität zu produzieren. Bis Ende 2015 sollen es über 90 Prozent sein.

Am längsten bei der alten Technik bleibt das SF mit den Nachrichtensendungen, also etwa mit der "Tagesschau" und "10vor10". Hauptgrund dafür ist, dass das Bildmaterial dieser Sendungen meist nicht in HD produziert wurde. Handyfilmchen aus Syrien werden auch mit fünf Mal besserer Auflösung nicht scharf.

Schweiz-Argentinien erstmals gestochen scharf

Welche Mehrkosten dem Schweizer Fernsehen durch die Umstellung bei der Technik und der Requisite entstehen, will der Sender nicht publik machen. Zahlen zu einzelnen Projekten gebe die SRG aus Prinzip nicht bekannt, heisst es auf Anfrage.

Eine erste SF-Sendung, bei der die gestochen scharfe HD-Qualität gut sichtbar wird, ist das Fussball-Spiel Schweiz-Argentinien vom Mittwochabend aus dem Stade de Suisse in Bern.