Drama

«A Separation»: Einer der bisher besten Filme dieses Jahres

A Sparation: Trailer zum Film

A Sparation: Trailer zum Film

In Hollywood läuft es so: Wenn zwei Menschen sich lieben, dann kommen sie am Schluss auch zusammen. Doch das Leben ist komplizierter, und so liegt der dramatische und berührende Film «A Separation» viel näher an der Realität.

Am Anfang und am Schluss steht ein Scheidungsverfahren: Die Frau hat es beantragt, weil der Mann nicht mit ihr aus Iran ins Ausland gehen möchte, obwohl dort ihre elfjährige Tochter viel mehr Chancen auf eine gute Ausbildung hätte. Eigentlich führen sie eine glückliche Ehe, und wahrscheinlich war der Scheidungsantrag auch eine Art Erpressungsversuch. Der Mann ist zu stolz, um darauf einzugehen. Dazu kommt, dass er seinen dementen Vater zurücklassen müsste. Der Richter verfügt, dass der Grund zu wenig triftig für eine Scheidung ist, und dass Nader (Peyman Moaadi) und Simin (Leila Hatami) zusammenbleiben müssen. Daraufhin zieht die selbstbewusste Simin aus, und der Haushalt gerät aus den Fugen.

Unfall mit Folgen

Asghar Farhadis Film spielt in Iran, doch die Geschichte könnte überall auf der Welt geschehen. Die kulturellen und religiösen Traditionen bilden nur die Farbe auf dem Handlungsgebäude, das Farhadi baut. Nader, ein aufgeklärter Mann und liebevoller Vater, stellt die Haushälterin Razieh (Sareh Bayat) an, die tagsüber putzt und den Grossvater betreut. Davon weiss jedoch Raziehs Mann nichts, denn er würde es missbilligen, dass seine Frau alleine in Kontakt mit einem anderen Mann kommt – und sei es ein bettlägriger Greis.

Eines Tages geschieht ein Unfall: Naders Vater fällt aus dem Bett und wird ohnmächtig, während Razieh unerlaubterweise weg ist. Er entlässt sie auf der Stelle, wirft ihr vor, Geld gestohlen zu haben, sie protestiert, er schiebt sie aus der Wohnung, sie fällt die Treppe hinunter – und verliert ihren ungeborenen Sohn.

Eine Katastrophe, denn dem Unfall folgt ein ganzer Rattenschwanz von Problemen: Nader will nichts von Raziehs Schwangerschaft gewusst haben, wird aber von ihr wegen Mord vor Gericht gezerrt. Eine komplizierte Suche nach der Wahrheit beginnt. Alles, was die Beteiligten sagen, widerspricht sich irgendwie, und jede Anschuldigung hat Folgen.

Farhadi bildet eine heutige iranische Gesellschaft ab, zeigt eine moderne Familie, die in alten Strukturen gefangen ist. Er stellt Fragen zu den Traditionen und zum Justizsystem, ohne beides direkt zu kritisieren. Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Film überhaupt möglich war – Farhadis Kollege Jafar Panahi («Offside») sitzt wegen seiner regimekritischen Filme im Gefängnis und hat ein 20-jähriges Berufsverbot erhalten.

Zu stolz für Kompromisse

«A Separation» wurde an der Berlinale mit dem Goldenen Bären geehrt, das Ensemble erhielt die Silbernen Bären für die besten männlichen und weiblichen Hauptdarsteller. Der Film ist ein ungemein spannendes Drama, aber gleichzeitig fast unerträglich anzusehen. Wie eine Lüge die nächste nach sich zieht und auch die Kinder – Nader und Simins Tochter Termeh sowie Raziehs kleines Mädchen – unter den Geschehnissen leiden, schmerzt. Und es ist hart, die Trennung von Nader und Simin zu verfolgen: Die beiden lieben sich, trotz ihrer Probleme, das ist offensichtlich – doch ihr Stolz ist zu gross, um Kompromisse zu schliessen. Und so bleibt am Schluss nicht mehr als ein Scherbenhaufen.

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