Es war eigentlich der «Tatort» der Bibiane Fellner (Adele Neuhauser), der Kommissarin an Moritz Eisners (Harald Krassnitzer) Seite, der für einmal eher unterstützend agierte. Bibiane Fellner, die einstige Ermittlerin aus der Sitte, es war ihre Geschichte, die am Sonntagabend für Beklemmung sorgte. Das ungute Gefühl kam daher, dass uns eine Realität gezeigt wurde, von der wir lieber nichts wissen möchten. Denn alles dreht sich um die Frage: Wie muss eine Gesellschaft beschaffen sein, in der immer mehr Migranten ohne Papiere für immer weniger Geld Triebabfuhrhilfe erledigen? Wien ist in diesem «Tatort» ein einziger grosser Sex-Discounter, indem 6000 illegale junge Frauen ihre Körper verkaufen - und sechs Polizeibeamte versuchen, im Milieu irgendetwas zu erreichen.

Das Verbrechen, das es aufzuklären galt, wurde begangen in Wiens Bulgarien-Milieu. Ein 12jähriger Junge kommt angeradelt und beschiesst einer Frau in deren Zigarettenpause aus seiner Wasserpistole. Die Frau fängt plötzlich Feuer, denn in der Pistole war nicht Wasser, sondern Benzin. Später stirbt die Frau an ihren Verbrennungen. Die Bulgarin war eine von Bibis früheren Schützlingen, sie hat als Zeugin ausgesagt in einem Prozess, der den brutalen Zuhalter Ilhan Aziz hinter Gitter brachte. Um sich an der Frau zu rächen, die ihn hinter Gitter brachte, heuerte er Yvo an, einen Jungen an, der auch Sohn eine seiner Prostituierten ist, der wie sich später herausstellte, das Kind einer Vergewaltigung ist - der Vergewaltiger war kein geringerer als dieser Aziz selbst. Der Sohn erlöst durch seine Tat die Mutter aus den Fängen der Zuhälterei, das war der Deal.

Beklemmung in XXL

Das gängige Ermittlerschema wird aufgebrochen, denn nicht einmal Aziz, der Täter, macht ein Hehl daraus, dass er der Verantwortliche für alle Verbrechen in diesem Fall ist - natürlich ohne es direkt zuzugeben. Nur vordergründig geht es darum, ihn dingfest zu machen. Vielmehr geht es um den zum Scheitern verurteilten Versuch, das mafiöse Geflecht von Drogen und Prostitution aufzubrechen, in dem Ivo, dessen Mutter, Aziz mit seinen Helfershelfern und auch das Mordopfer gefangen sind oder waren. Was kann man tun? Man muss doch etwas tun!

Das Besondere dabei ist die innere Perspektive, die der Zuschauer erhält, weil die Ermittlerin Bibi von Anfang an tief in das Geschehen verstrickt ist. Die Ausweglosigkeit der Situation und ihre eigene Hilflosigkeit machen den Plot so beklemmend, zumal Bibi in allen Versuchen scheitert. So will sie wenigstens den kleinen Jungen retten, was sie selbst beinahe das Leben kostet, und den Jungen zum Vatermörder macht, denn ohne zu wissen, dass er von Aziz gezeugt wurde, erschiesst der Junge den Zuhälter, ehe dieser Bibi in die Tiefe stürzen kann.

Doch am Geschäft mit den minderjährigen Mädchen ändert sich nichts, ein anderer hat Aziz Lokal übenrommen, neue, junge Frauen gehen ihrem Schicksal entgegen, in welchem sie für 30 Euro auf alle möglichen Arten ihren Körper verkaufen müssen. Erleichterung verschafft nur der Abspann. (cls)