Valerio Olgiati
«Er möchte mit mir die Welt um sich herum bauen» – Bündner wird Hausarchitekt von US-Rapper Kanye West

Zwei Privathäuser, eine Stadt und ein Schulhaus will der US-Rapper Kanye West mit dem Bündner Architekten Valerio Olgiati in den USA bauen.

Valerio Gerstlauer
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Valerio Olgiati aus Flims GR wird Kanye West's Hausarchitekt.
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Der Minimalismus des von Valerio Olgiati entworfenen Auditoriums des Landwirtschaftszentrums Plantahof in Landquart hat den US-Rapper besonders beeindruckt.
Auch das Haus von Linard Bardill in Scharans besuchte Kanye West.
... und das «Gelbe Haus» in Flims
Ein weiteres Werk von Valerio Oligati: Das Nationalparkzentrums in Zernez.
Blick ins Innere des Zentrums.
Der Eingangsbereich zum Grossratsgebäude in Chur.

Valerio Olgiati aus Flims GR wird Kanye West's Hausarchitekt.

Jo Diener

In seinem Privatjet flog Kanye West vor zehn Tagen aus den USA in die Schweiz. Zwei enge Freunde und etliche Bodyguards begleiteten den 43-Jährigen. In Zürich gelandet, bestiegen der Rapper und sein Tross Limousinen mit abgedunkelten Scheiben. Ihr Ziel: das Atelier des Architekten Valerio Olgiati in Flims. In Graubünden blieb West einige Tage, um gemeinsame Projekte zu besprechen und einige von Olgiati entworfene Gebäude im ganzen Kanton zu besichtigen.

«Kanye West und ich stehen schon seit Monaten via Bildtelefonie und SMS in Kontakt», erklärt Olgiati auf Anfrage. West habe ihn eines Tages kontaktiert und um ein Gespräch gebeten. «Es stellte sich heraus, dass er ein Fan meiner Arbeit ist, und dass er mit mir zusammen die Welt um sich herum bauen möchte.»

Kanye West ist begeistert von Olgiatis Minimalismus

In Natura begegneten sich West und Olgiati zum ersten Mal in Flims, wo der Rapper, Produzent und Modedesigner während seines Aufenthalts auch übernachtete. Anschliessend stand der Besuch von sechs Häusern auf dem Programm. Darunter das Atelier des Liedermachers Linard Bardill in Scharans, das Gelbe Haus in Flims und das Plantahof-Auditorium in Landquart. Das Plantahof-Gebäude gefiel West dabei laut Olgiati am besten.

Kanye West.

Kanye West.

CH Media

«Ich hatte mit Kanye West sofort eine sehr echte und verbindliche Beziehung», verrät Olgiati. «Er ist ein sehr sympathischer Mensch, der ein herzliches Verhältnis zu den Leuten um ihn herum pflegt.» Es sei unverkennbar, dass er inspirierte Menschen um sich schare und grosse Pläne habe. «Ich weiss, dass er weiterhin plant, irgendwann amerikanischer Präsident zu werden.» West sprühe zudem nur so vor Ideen:

Er ist angetrieben davon, diese Ideen umzusetzen.

Erster Auftrag ist ein unterirdisches Privathaus

Die finanziellen Mittel, seine Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, besitzt West zweifelsohne: Sein Vermögen wird auf rund 1,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Nachdem er bisher vor allem in Musik und seine Turnschuhmarke Yeezy investiert hat, soll nun ein Teil des Vermögens in Architekturprojekte fliessen, die ganz in Olgiatis Händen liegen. Bereits im kommenden Jahr beginnt der Bau eines 4000 Quadratmeter grossen Privathauses im US-Bundesstaat Wyoming. Dort besitzt West ein grosses Stück Land, auf dem er schon jetzt viel Zeit verbringt. Laut Olgiati wird das Gebäude zehn Meter unter der Erde errichtet. Von aussen wirke die «Wohnhöhle» wie eine prähistorische Stätte. «Das wird eine eigene Welt, ein eigenes Reich.» Die fünf Meter hohen Räume erhalten Tageslicht durch Fenster, die mittels Schächten mit der Erdoberfläche verbunden sind. Das Zen­trum des Hauses bildet ein kreisrunder Hof mit 100 Metern Durchmesser, in dem ausschliesslich Pflanzen aus anderen Ecken der Welt wachsen werden.

Wie West erst am vergangenen Wochenende mit Olgiati vereinbart hat, soll in Los Angeles ein weiteres Privathaus entstehen. In der kalifornischen Grossstadt lebt West zusammen mit seiner Ehefrau Kim Karda­shian und den vier gemeinsamen Kindern.

In Los Angeles beabsichtigt West ausserdem, eine Privatschule für rund 100 Kinder zu bauen. Architekt ist wiederum Olgiati. Damit nicht genug. Ein riesiges Architekturprojekt plant West angrenzend zur Metropole Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. «Er möchte dort mit mir eine kleine Stadt bauen», erzählte Olgiati. West schwebt ein Vorzeigequartier mit 500 Häusern, einem Stadion, einem Museum und einer Kirche vor. Aber auch ein Waisenhaus soll dort entstehen.

Sein Architekturbüro will er nicht vergrössern

Beim Treffen in Flims hätte West am liebsten gleich noch weitere Aufträge an Olgiati vergeben. «Doch ich weiss nicht, wie ich das machen kann», erklärt Olgiati. «Ich will weiterhin mit anderen Bauherren und Aufgaben in Kontakt kommen.» Als Maximum möchte Olgiati in seinem Büro nicht mehr als acht bis zehn Projekte parallel betreuen. «Mein Wunsch ist es, all meinen Projekten sehr nahe zu sein, und es reizt mich nicht, mein Architekturbüro zu vergrössern.»

Als nächsten Schritt plant Olgiati übrigens, bald in die USA zu reisen. Denn nun gilt es, das Bauland in Wyoming mit eigenen Augen zu inspizieren.